Bezirksgericht Meilen

Parkplatzstreit endete in Schlägerei

Ein 43-jähriger Israeli versuchte an der Küsnachter Chilbi zu parkieren, wo er nicht durfte. Es kam zum Streit mit einer 34-Jährigen – und die Fäuste flogen.

Ein handfester Parkplatzstreit wurde vor dem Meilemer Bezirksgericht verhandelt.

Ein handfester Parkplatzstreit wurde vor dem Meilemer Bezirksgericht verhandelt. Bild: Archiv Manuela Matt

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Sie ist nervös, er wirkt ruhig. Beide sind sich nicht gewohnt, vor Gericht zu stehen. Vorstrafen haben weder der 43-jährige Israeli noch die 34-jährige Schweizerin. Doch an der Chilbi Küsnacht sind die Beiden 2016 heftig aneinander geraten. Ihre Versionen des Geschehens gehen weit auseinander. Der jeweils Andere sei total aggressiv gewesen, selber wollen beide wenig getan oder sich nur verteidigt haben.

Klar ist, dass er, wie andere auch, gegen 18 Uhr sein Auto umparkieren musste, da ein Hausbesitzer dies verlangte. Wegen der Chilbi waren viele Parkfelder abgesperrt. Er stellte sich schon darauf ein, mehrere Strassen weiter parkieren zu müssen. Da sah er ein freies Feld. Zwar standen mehrere Pylonen drauf, dennoch versuchte er, sich auf das Feld zu stellen.

Sie, die am benachbarten Stand arbeitete, bemerkte das und stellte ihn zur Rede. Denn das Feld diente als Zufahrt für die Notfalldienste und durfte nicht benutzt werden. Doch man verstand sich nicht. Er sprach kein Deutsch, sie kaum Englisch. Sie rief die Polizei, bezeichnete ihn als «blöden Alki», der Probleme mache. Die Polizei machte sich auf den Weg.

Tochter auf dem Arm

Mittlerweile waren mehrere Kollegen dazugekommen. Einer sprach genug Englisch, um ihm zu erklären, dass das Feld frei bleiben müsse. Die Lösung schien gekommen, als ein Lieferwagenfahrer ihn aufforderte, Platz zu machen, da er rausfahren musste. Er setzte ein paar Meter zurück, sie blieb beim Parkplatz. Als der Lieferwagen weg war, versuchte er aber erneut, auf das Feld zu fahren. Sie ging zur Seite und schlug auf die Hinterscheibe seines Wagens. Er stieg aus, seine 21 Monate alte Tochter auf dem Arm.

Die verbale Auseinandersetzung schlug in einen körperlichen Streit um. Gemäss Anklage spuckte er sie mehrfach an und schlug sie zweimal auf die linke Gesichtshälfte. Einmal so stark, dass sie zu Boden ging. Sie wiederum soll ihn gestossen, mit der flachen Hand auf den Hinterkopf und mit der Faust gegen den Mund geschlagen haben. Er zog sich eine kleine blutende Wunde an der Lippe und zwei gelockerte Zähne zu. Sie ein perforiertes Trommelfell und ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, nachdem sie mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen war.

Danach ging er an den Stand, an dem er arbeitete. Auf dem Weg dorthin tippte ihn ihr Ehemann an und wollte wissen, warum er seine Frau geschlagen hatte. Gemäss Anklage hat er ihn beschimpft und dreimal blutigen Speichel ins Gesicht gespuckt. Der Chilbi-Abend endete bei der Polizei.

Der Staatsanwalt verlangt für den Israeli eine bedingte Geldstrafe von 130 mal 30 Franken sowie eine Busse von 300 Franken. Abgesehen von den Ereignissen an der Chilbi wird ihm auch vorgeworfen, seine Ex-Partnerin bedroht und misshandelt haben. Seine Chilbi-Kontrahentin soll wegen Tätlichkeiten lediglich zu einer Busse von 250 Franken verurteilt werden. Sie gibt an, er habe sich aggressiv verhalten, deshalb habe sie auch gedacht, er sei betrunken. Dies war allerdings nicht der Fall. Sie habe sich bloss gewehrt nach seinen Schlägen.

«Ein weiblicher Neymar»

Er wiederum streitet fast alle Vorwürfe ab. Nur, dass er mit einem abgelaufenen Führerschein gefahren ist, gibt er zu. Allerdings schiebt er auch in dem Fall die Schuld auf die Behörden. Er könne nicht Deutsch lesen, die Bürokratie sei viel zu kompliziert. Alles, was seine Ex-Partnerin ihm vorwerfe, sei erfunden. Diese wolle ihm eins auswischen im Streit um die gemeinsame Tochter. An der Chilbi will er nur versucht haben, die Frau mit der Hand wegzustossen. Dabei habe er sie wohl statt an der Schulter im Gesicht getroffen.

Dass sie zu Boden gegangen ist, sei nur gespielt gewesen. Als wäre sie ein weiblicher Neymar, sei sie in die Knie gesunken. Die Sanitäter hätten keine Verletzungen festgestellt, behauptet er. Angespuckt habe er niemanden, auch nicht den Ehemann. Vielmehr habe er ihm zeigen wollen, dass er blutet. Dabei habe er wohl einzelne Bluttropfen hinausgepustet. «Ich hätte nie gedacht, dass jemand auf einen Mann mit einem Kind im Arm losgehen würde», gab er seinem Schock Ausdruck.

Genau umgekehrt sieht es seine Kontrahentin, die nicht begreifen mag, wie jemand so schnell auf 180 sein kann und um sich schlägt, obwohl er ein Kind auf dem Arm trägt. Warum das Ganze so eskaliert ist, bleibt offen. Beide Teilnehmer sagen, dass sie eigentlich einen guten Tag an einem schönen Fest gehabt haben. Wie die Meilemer Bezirksrichter die Situation beurteilen, wird sich noch zeigen müssen. Sie fällen ihre Urteile zu einem späteren Zeitpunkt.

Erstellt: 16.01.2019, 17:49 Uhr

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