Stäfa

Ortsmuseum zeigt Ausstellung fast ohne Gegenstände

Die neue Ausstellung im Museum zur Farb basiert auf generationenübergreifenden Interviews mit Familien aus Stäfa. Die Themen reichen von Arbeitswelt und Wohnformen über Kindererziehung bis Freizeit.

Ruedi Blattmann als Initiant der Ausstellung und Nicole Peter (rechts) als Kuratorin des Stäfner Ortsmuseums sind bereit für die Eröffnung.

Ruedi Blattmann als Initiant der Ausstellung und Nicole Peter (rechts) als Kuratorin des Stäfner Ortsmuseums sind bereit für die Eröffnung. Bild: David Baer

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Eine derartige Ausstellung hat es in Stäfa noch nie gegeben. Wobei Ausstellung für einmal nicht das treffende Wort ist. Denn es sind keine Objekte, die im Mittelpunkt von «Tanze, schaffe, zäme sii – Familien im Wandel der Zeit» stehen, sondern Tondokumente. Die Besucher sind angehalten, an verschiedenen Stationen mittels Audio-Guides den Erzählungen der Familien Pulli, Hohl und Reichling/Niedermann zu lauschen.

Beteiligt sind insgesamt 13 Personen aus drei Generationen, die sich an Alltägliches und Aussergewöhnliches erinnern. Sie sprechen über Arbeit und Freizeit und teilen die Sorgen und Freuden der Kinder und der Erwachsenen mit. Und berichten, wie sich im Laufe der Zeit vieles im Familienleben verändert hat, manches dennoch gleichgeblieben ist.

Aus dem persönlichen Alltag

Die Familienmitglieder interviewt hat die Kuratorin Nicole Peter. «Die Gespräche wurden entweder bei den jeweiligen Familien zuhause oder im Museum durchgeführt», sagt sie zu den ebenso spannenden wie berührenden Begegnungen, «die Einblick in den persönlichen Alltag gewähren und Verständnis für den Wandel des Zusammenlebens in Stäfa eröffnen».

Thematisieren wollte Peter das Familienleben seit dem Zweiten Weltkrieg und wie sich über die Jahrzehnte hinweg das Verhältnis zwischen den einzelnen Generationen verändert hat. Dank einem Leitfaden lenkte sie die rund einstündigen Gespräche zu Themen wie Arbeitswelt, Wohnformen, Freizeit und Kindererziehung, Bereiche also, die alle tangieren.

So erfährt der Besucher der Ausstellung, wie es in der Kriegszeit durchaus üblich war, dass Frauen Familie und Betrieb managten, während die Männer im Militärdienst waren. Und bekommt zu hören, wie heutzutage junge Paare darüber diskutieren, wer das Geld heimbringt und wer kocht.

Für Nicole Peter stehen nicht unbedingt die interviewten Familien mit ihren Namen im Vordergrund. «Vielmehr stehen sie exemplarisch für die ganze Bevölkerung und widerspiegeln mit ihren Erfahrungen gleichzeitig ganze Epochen.»

Handywahn und Frauenrecht

Das Frauenstimmrecht wird ebenso angesprochen, wie das Aufkommen des Fernsehens als Grossereignis dargestellt wird. Der 54-jährige Winzer Hansueli Hohl äussert sich über die Digitalisierung der Arbeitswelt, währenddem die 25-jährige Irina Niedermann über den Handywahn als «Zugang zur Welt in der Jackentasche» sinniert.

Zu diesem Generationenprojekt angeregt hat Ruedi Blattmann aus Ürikon. «Oral History» heisse das Schlagwort, wenn historisches Zeugnis aus Gesprächen mit Zeitzeugen entstünde. «Wenn die Besucher diesen Familien zuhören, kommen dem einen oder anderen eigene Erfahrungen in den Sinn», meint Blattmann zum Sinn und Zweck der Ausstellung, die er als Austausch mit der Bevölkerung versteht. «Sie ist partizipativ und soll zu Gesprächen anregen», bestätigt auch Nicole Peter.

Gelungene Szenografie

Doch eine solche «Oral History»-Ausstellung, die ohne didaktische Informationstafeln auskommt, braucht eine bedienerfreundliche Präsentation. Als «grossartig» rühmt die Kuratorin daher die Leistung der Szenografin Susanna Lombardo, mit der sie schon die letztjährige Ausstellung gestaltet hat. Lombardo kennt daher die Vorliebe von Nicole Peter für interaktive Abläufe, die die Ausstellungsmacherin seit einigen Jahren vermehrt in ihren Ausstellungen integriert. Die Szenografin hat es verstanden, die Stationen thematisch so einzurichten, dass die Besucher ihrem Interesse folgend erkennen, wie sie auf dem Audio-Guide ein Thema anklicken können.

Mit typischem Objekt

Lombardo lässt gleich zu Beginn des Rundgangs die mitmachenden Familienmitglieder sich jeweils mit einem für sie typischen Objekt vorstellen. Warum sie Laptop, Weinflasche, Fotokamera oder Trottinet gewählt haben, auch das verraten sie, so will es das Konzept, auf Band, das diesmal per Kopfhörer abgehört werden kann.

Diese Objekte, die mitten im Raum an Plastikfäden baumeln, sind denn wirklich die einzigen Exponate nebst all den Originaltonaufzeichnungen.

Eröffnung Sonntag, 13. Mai, 14 bis 17 Uhr. Bis 27. Oktober, je sonntags 14 bis 17 Uhr, ausser Schulferien. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.05.2018, 15:20 Uhr

Referate und Begegnungen

Ein besonderes Rahmenprogramm

Zur Eröffnung der Ausstellung im Stäfner Ortsmuseum hält Gemeindepräsident Christian Haltner eine Ansprache. Musik und speis und Trank bereichern den Anlass. Auch später folgen besondere Termine:
Donnerstag, 31. Mai (19.45 Uhr): Die Soziologin und Journalistin Christina Caprez referiert als Expertin für Familienthemen über «Familienbande im Wandel». In der Bibliothek Stäfa, Tränkebachstrasse 35.
Sonntag, 3. Juni (14 Uhr): Der ehemalige Kustos Werner Liechti erzählt Anekdoten und Historien über Stäfner Familien im 18. und 19. Jahrhundert. Im Sammlungsdepot Schulhaus Obstgarten, Tränkebachstrasse39.
Samstag, 9. Juni (14 bis 16 Uhr): Kinder, ab ins Museum - ein Nachmittag für Eltern mit Kindern im Alter von 4 bis 7 Jahren. Platzzahl beschränkt, Anmeldung für den Anlass ist erwünscht unter www.elki-staefa.ch.
Samstag, 20. Oktober (12 bis 16 Uhr): Zu Gast bei den Pullis bei einem Teller Spaghetti. Kreuzstrasse 42.
Das detaillierte Programm findet sich unter www.museum-zur-farb.ch.

Taggen, sharen, liken – das hypervernetzte Museum heisst das Motto des Internationalen Museumstags am 13. Mai, der nicht zufällig auch das Eröffnungstag der Ausstellung in Stäfa ist. Im Bezirk Meilen sind auch die Ortsmuseen in Küsnacht und Zollikon am Museumstag beteiligt. Siehe www.museums.ch/ins-museum/museumstag/museumstag. (mz/red)

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