Stäfa

Orientalischer Empfang für die Integration

Arabische Frauen mit Migrationshintergrund haben ins «Haus Shahrazed» geladen, in das sich das Eltern-Kind-Zentrum für einen Tag verwandelte. Mit Musik, Tanz, orientalischen Spezialitäten und anderem mehr brachten sie ihre Kultur näher.

Das Hanna-Tatoo bleibt nicht fürs ganze Leben. Es schmückt seine Trägerin einige Tage lang.

Das Hanna-Tatoo bleibt nicht fürs ganze Leben. Es schmückt seine Trägerin einige Tage lang. Bild: Manuela Matt

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Shahrazed war einst, vor vielen Hundert Jahren, eine kluge Frau im Orient. Sie war nicht nur gescheit, sondern auch aufgeweckt, kontaktfreudig und vor allem voller Neugierde. Also scharte sie andersdenkende Menschen um sich, die sie interessierten, und teilte mit ihnen Musik, Literatur, Philosophisches und natürlich Speis und Trank.So erzählt es Sihem Tanner am Freitagnachmittag ihren Gästen, und es hört sich an wie ein Märchen aus 1001 Nacht.

Die gebürtige Tunesierin, die seit dreieinhalb Jahren mit dem Stäfner Fredy Tanner verheiratet ist und seither in der Schweiz lebt, spricht fliessend Deutsch. Sie, die selber kein Flüchtling ist – «ich bin der Liebe wegen in die Schweiz gekommen» –, nennt ihr Projekt für Integration bewusst «Im Haus Shahrazed». Damit spielt sie auf die Neugierde an, die Menschen antreibe, andere Menschen aus einer fremden Kultur kennen lernen zu wollen.

Diese Haltung wünscht sich die Tunesierin von den Schweizer Frauen, was Flüchtlinge in deren Nachbarschaft betrifft. Um Misstrauen abzubauen, tut die engagierte Tanner gleich den ersten Schritt: Mit einigen Flüchtlingsfrauen aus dem arabischen Raum verschafft sie Stäfnerinnen einen Einblick in die Kultur des Morgenlandes, dort, wo sie alle ihre Wurzeln haben.

Musik und ein Buffet

Die Einladung hat sich herum­gesprochen, denn das Elki-Zentrum platzt aus allen Nähten. Gleich nach der Begrüssung hält die Syrerin Abier, in Kopftuch, langem Gewand und mit strahlenden Augen, den Ankommenden ein Tablett mit gefüllten Datteln hin. Abschlagen darf man nicht, das würde die Gastfreundschaft beleidigen. Am Buffet locken Leckereien wie Falafel, Börek, Humus, Auberginensalat, Pitahäppchen, Baklava und Granatapfelkerne. Abier schlängelt sich durch die Gästeschar und giesst jedem, der will, aus ihrem kupfernen Kocher arabischen Kaffee in kleine Tässchen ein.

Auf einem Tablett balanciert ein junger Mann in perfektem Anzug mindestens ein Dutzend Gläser mit Tee. Der Kurde Akram spielt auf einem Saiteninstrument namens Tambour, während der Syrer Haitham mit seiner Oud gekommen ist. Akram ist traurig und im Hungerstreik, weil gerade die Türkei sein Dorf Afrin in Nordsyrien bombardiert und er dort Verwandte hat. Haitham sass jahrelang im Gefängnis, weil er mit seiner Musik für den Frieden in seinem Land einstand.

Epilation und Tattoo

Derweil fordert einen die Syrerin Ronak, die mit ihren 30 Jahren bereits vierfache Mutter ist und die Haare offen trägt, auf, ihr in den oberen Stock zu folgen. Man sitzt sich gegenüber. Ronak umwickelt einen gezwirnten Faden so raffiniert um die Finger beider Hände und hält ein Ende geschickt zwischen den Zähnen fest, dass sie einem mit diesem Konstrukt in Sekundenschnelle die Härchen auf der Oberlippe und an den Augenbrauen ausreisst. Sie, die perfekt geschminkt ist, hat es von ihrer Tante gelernt. Ja, wenn sie mit ihren Freundinnen in ihrer Heimat jeweils zusammenkam, so erzählt sie in gebrochenem Deutsch, hätten sich die Frauen gegenseitig schön gemacht.

Ihr gegenüber zeichnet Aisha aus dem Sudan einer Besucherin ein arabisches Tattoo auf den Unterarm, nicht bevor sie ihr ­versichert hat, dass es nur eine Woche hält. Aus einem Spritzsäcklein presst sie die Hennafarbe heraus und formt ein florales Muster.

Grosses Echo

Während im Erdgeschoss zur Musik getanzt wird – Sihem Tanner sorgt dafür, dass ihre Gäste nicht nur zuschauen und zum Takt klatschen –, formt Missri Mohamed auf einer Tafel mit Kreide arabische Schriftzeichen. Mit seiner Frau Kausar wohnt der syrische Designer in Hombrechtikon und trägt zur Feier des ­Tages eine lange Kutte und ein drapiertes Tuch auf dem Kopf.

In einem Hinterzimmer schaut Emilienne aus Kamerun den Kindern. Sie hat ein farbenfrohes Kleid, wie es die Frauen in ihrer Heimat tragen, angezogen und die Haare mit einem Schal hochgesteckt. Emilienne hat vom Fest gehört und Silem Tanner angeboten, zu helfen. So wie es aussieht, wird diese ihr «Haus Shahrazed» wohl noch einmal organisieren müssen. Bei der ersten Durchführung im November war das Echo schon gross gewesen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.01.2018, 16:29 Uhr

Treffpunkt mit Migrantinnen

Da Sihem Tanner Arabisch spricht, kann sie sich leicht mit allen Menschen aus dem arabischen Raum verständigen und hat so rasch Kontakt zu Migrantinnen gefunden. Zumal diese regelmässig mittwochs im Info-Café der Reformierten Kirchgemeinde im Forum Kirchbühl zusammenkommen, sich mit den Stäfnerinnen austauschen und auch Deutschunterricht erteilt bekommen.

Tanner hat in Tunesien Literatur, Psychologie und Islampolitik studiert, kann das Erlernte hier aber nicht anwenden, und dementsprechend hat sie viel Zeit. Darum engagiert sie sich für die Integrationsförderung, weil sie sich inzwischen ein kleines Netzwerk aufgebaut habe. Sie kennt auch die Leitung des Elki-Zentrums, da sie sich dort als Kinderbetreuerin ein­setzen lässt. (mz)

Info-Café jeweils mittwochs von 15 bis 17 Uhr im Forum Kirchbühl.

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