Küsnacht

Nur Carlo Brunner fehlte zum ganz grossen Revival

Rock-Pionier Toni Vescoli und Country-Legende Rolf Raggenbbass wissen immer noch, ihre Fans zu begeistern. Fast wäre an der Country Night Forch auch Ländlerkönig Carlo Brunner mit ihnen auf der Bühne gestanden.

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Es gibt in der Rock- und Countryszene immer wieder Bassisten, die als Bandleader auftreten. Dies trifft beispielsweise auf den Zumiker Rolf Raggenbass mit seiner Country Heart Band zu. An diesem Samstagabend traf der in Ehren ergraute Raggenbass auf dem Festplatzgelände im Weiler Schmalzgrueb seinen Kumpel Bruno Peter vom Verein Flösser Forch, dem Veranstalter der Country Night, zu einem Schwatz. «Du Bruno, das wievielte Mal spiele ich eigentlich hier?» Peter dachte nach: «Jetzt haben wir die 14. Night, das dürfte dein viertes Mal sein,» «Aber der Toni war noch nie da, oder?» Man einigte sich darauf, dass es für Toni Vescoli eine Premiere wird.

Die Halle wurde zum Saloon

Inzwischen war ersichtlich geworden, dass an diesem Samstagabend der Wilde Westen bereits in der Schmalzgrueb begann. Cowboys und Cowgirls strömten in Scharen zum Festplatz im Küsnachterberg. Es fehlte eigentlich nur, dass einer ein Lasso schwang. Das Dekor entsprach ebenfalls dem Anlass: US-Flaggen waren gehisst, durstige Kehlen wurden im Saloon mit allerlei Getränken gekühlt. Etwas aus der Reihe tanzte einzig das Dekor seitlich der Bühne, mit einer Art Alp mit Kühen, Murmeltieren und Edelweisse. Bruno Peter erschien wieder auf der Bildfläche und zeigte sich über den Aufmarsch der Western-Fans zufrieden. «Es sind rund 800 Gäste gekommen.» Das bedeute volles Haus.

Die erste Band des Abends stand zu diesem Zeitpunkt bereits im Einsatz, die Desert Rose Country Band. Leadsängerin Rosie aus Solothurn und ihr Quartett brachte das Publikum im Nu in Begeisterung und zum Tanzen. Nebst Klassikern wie «Ring of Fire» von Johnny Cash gab die Gruppe auch Evergreens aus der Rockmusik zum Besten, so «Route 66» von Chuck Berry und «Honky Tonk Women» von den Rolling Stones.

Federer statt Schmalzgrueb

Toni Vescoli hörte sich Rosie und Co. gemütlich auf einem Sofa sitzend im Backstage-Bereich an. Der Ur-Küsnachter schilderte bei dieser Gelegenheit, wieso die für die 14. Country Night Forch vorgesehene Reunion der Supergruppe Ethno-Country-Rock-Connection mit Vescoli, Roggenbass und Band sowie Ländlerkönig Carlo Brunner nicht zustande gekommen war. «Ethno» stehe für «Volkstümlich», holte der 76-Jährige mit dem Rossschwanz erst mal aus, und diesen Part hätte Carlo übernommen. «Nun reiste er aber nach Wimbledon, um sich Roger Federer gegen Rafael Nadal reinzuziehen, was ja auch keine schlechte Wochenendbeschäftigung ist.»

Die meisten Fans blieben in Unkenntnis über Carlo Brunners Ausbleiben und erfreuten sich umso mehr am Gebotenen, das nun von der Bühne erklang. Erst legten Rolf Raggenbass und seine famose Country Heart Band einen grundsoliden Auftritt hin, ohne Mainstreammusik notabene, sondern mit Raritäten wie Bob Dylans «You Ain’t Going’ Nowhere» oder Brad Paisley’s «Next Broken Heart». Schliesslich war die Reihe an Special Guest Toni Vescoli, der sich mit akustischer Gitarre und «Schnurregige» zur Band gesellte. Er ging auf Nummer sicher und begann mit «De Tüüfel isch underwägs» sowie «Mache was i will» seinen Auftritt mit zwei seiner Hits, die jeden Saal umgehend zum Kochen bringen.

In der Schmalzgrueb geriet jedenfalls die vordere Hälfte des Saals nahezu in Ekstase, seine Fans feuerten Toni an, und auch Rolf Raggenbass warf ihm einige bewundernde Blicke zu. In der hinteren Hälfte hatten sich einige beim Tanzen wohl schon zu sehr angestrengt und klatschten sitzend Beifall, Vescoli beliess es aber nicht damit, Nummern aus seiner Hitkiste zu spielen. Im Gegenteil: Der unbestrittene Star des Abends und seine Mitmusiker warteten mit einigen Songs auf, die auf seinem kürzlich erschienenen Soloalbum «Gääle Mond» zu finden sind, darunter auch mal nachdenklich stimmende Titel wie «Fahrt im Zug», «Down Under» und «Esmeralda», ehe es mit «Top-Fit» wieder ins locker rockige Lager wechselte. Fast den ganzen Saal zum Kochen brachte schliesslich der Ohrwurm «Achy Breaky Heart» in Vescolis Mundartfassung «Mis arme, schwache Härz».

«So lässig gsi.» Diesen Satz hörte man des Öfteren unter den Festivalbesuchern auf dem Nachhauseweg. Ein paar sagten sogar: «So lässig isch es no nie gsi.»

Erstellt: 14.07.2019, 16:50 Uhr

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