Küsnacht

Nun liegen die Kreisel-Pläne wieder auf dem Tisch

Mit dem Gestaltungskonzept Oberwachtstrasse nimmt Küsnacht lange gehegte Pläne aus der Schublade. Ein Kreisel soll im Zentrum den Verkehr entschleunigen.

In dieser Kurve gleich nach dem Tunnelportal soll der Kreisel gebaut werden. Vom Coop-Parkplatz her kommend fahren Autos dann direkt in den Kreisverkehr.

In dieser Kurve gleich nach dem Tunnelportal soll der Kreisel gebaut werden. Vom Coop-Parkplatz her kommend fahren Autos dann direkt in den Kreisverkehr. Bild: Patrick Gutenberg

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Ein neues Grossprojekt im Küsnachter Zentrum wird es so bald nicht geben. Dies war nach der Ablehnung der Zentrumsentwicklung im Februar 2017 klar. Anstatt dem 48-Millionen-Projekt mit Tiefgarage und zwei Gebäuden auf dem Parkplatz Zürichstrasse geht Küsnacht nun aber nach und nach einzelne Teilprojekte davon an. Da ist zum einen die Neugestaltung der SBB-Unterführung. Der Zugang zu den Gleisen wird in der Mitte des Perrons mit Rampen und Liften behindertengerecht ausgebaut. Im November 2017 hat die Bevölkerung dafür einem 9-Millionen-Kredit zugestimmt.

Viel länger zurück liegt die Zustimmung zum Betriebs- und Gestaltungskonzept Oberwachtstrasse. Im Juni 2012 hatten die Küsnachter Stimmbürger in einer Variantenvorlage die Wahl zwischen einem Tunnel für 43 Millionen Franken und einer «zweckmässigen, langfristig finanzierbaren» Aufwertung der Verbindungsachse von der Seestrasse bis zur Alten Landstrasse.

An dieser Stelle soll der neue Kreisel entstehen. GoogleMaps

Während die Tunnelvariante deutlich verworfen wurde, erhielt der 4,8-Millionen-Kredit für die moderate Umgestaltung eine Mehrheit. Die Vorlage sah damals einen Kreisel auf der Kreuzung Oberwachstrasse/Zürichstrasse, die Abschaffung der Lichtsignalanlage und einen beleuchteten, nicht-überfahrbaren Mittelstreifen vom neuen Kreisel bis zu demjenigen an der Alten Landstrasse vor. Als das Projekt Zentrumsentwicklung konkret wurde, hat die Gemeinde das Betriebs- und Gestaltungskonzept Oberwachtstrasse in dieses integriert und die beiden Projekte miteinander weiterentwickelt.

Kreisel nach dem Tunnel

Nach Ablehnung der Zentrumsvorlage mussten sich Kanton und Gemeinde nochmals mit dem Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Oberwachtstrasse befassen. Das bedeutete aber keine Rückkehr auf Feld eins. Es habe gegenüber der Version im Zentrumsprojekt lediglich noch kleine Anpassungen gegeben, sagt Markus Gerber vom kantonalen Amt für Verkehr. Diesen hat der Küsnachter Gemeinderat kürzlich zugestimmt, wie er in einer Mitte Mai online aufgeschalteten Mitteilung bekannt gibt.

Nun liegt der Ball beim kantonalen Tiefbauamt, das mit der Ausarbeitung des Vorprojekts beauftragt ist. Voraussichtlich im Herbst soll es zur Mitwirkung aufgelegt werden. Eine Abstimmung wird es nicht mehr geben, weil der Kredit vom Stimmvolk bereits angenommen wurde. Gemäss Gemeindeschreiberin Catrina Erb Pola sei die Bevölkerung eingeladen, im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung Stellung zu nehmen.

Das überarbeitete Konzept beinhaltet einen Kreisel gleich nach dem Tunnelportal. Bereits in den Plänen der Zentrumsentwicklung von 2017 wurde der Kreisel gegenüber dem Vorhaben 2012 in Richtung Bahnlinie verschoben.Autofahrer würden dann vom Coop-Parkplatz direkt in den Kreisel hineinfahren. Laut Erb entspreche dies den in der Weisung zur Urnenabstimmung vom Juni 2012 aufgeführten Vorgaben, das Verkehrsaufkommen auf der Oberwachtstrasse verträglicher abzuwickeln und deren Erscheinungsbild gestalterisch aufzuwerten.

Das überarbeitete Konzept beinhaltet einen Kreisel gleich nach dem Tunnelportal.

Wie der Mitteilung weiter zu entnehmen ist, wird die Lichtsignalanlage auch im aktuellen Projekt aufgehoben. Dafür sollen Fussgängerstreifen auf der Höhe von Coop und Migros die Vortrittsberechtigung eindeutig regeln. Ausserdem ist – anstatt dem nicht-befahrbaren Mittelstreifen in den Plänen von 2012 – ein befahrbarer Mittelstreifen geplant. Dies wurde zugunsten von einem bergwärts führenden Velostreifen entschieden, führt Gemeindeschreiberin Erb aus.

Die Verschiebung der Bushaltestelle in Fahrtrichtung Berg soll wie im Projekt der Zentrumsentwicklung umgesetzt werden. Gemäss den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes sowie den Dimensionen der neuen Gelenkbusse kann die Haltestelle nicht mehr am bisherigen Standort vor dem Coop platziert werden. Sie soll als Fahrbahnhaltestelle seeseitig der Florastrasse zu liegen kommen. Dies habe den Vorteil, dass die Busse priorisiert würden und somit eine erhöhte Fahrplanstabilität erreicht wird.

Weil der 4,8-Millionen-Kredit auch die Anbindung an die Tiefgarage beinhaltete, werden die Kosten für Küsnacht wohl deutlich geringer ausfallen als ursprünglich geplant. Gemäss Erb rechnet die Gemeinde nach derzeitigem Projektstand mit einem Betrag von rund einer halben Million Franken.

Vorbild Löwenplatz

Das Vorhaben hat bereits am politischen Themenabend und an einer Infoveranstaltung zwischen Gewerbeverein und Gemeinde für Skepsis gesorgt. Anwesende befürchteten, dass sich der Verkehr gleich dreimal staue: vor den beiden Fussgängerstreifen und vor der Bushaltestelle. Gemeinderat Walter Matti (parteilos) und Albi Thrier, Abteilungsleiter Tiefbau, zeigten sich jedoch überzeugt vom vorliegenden Konzept. Es sei von ausgewiesenen Verkehrsexperten geprüft worden. Als gelungenes Beispiel für langsamen Mischverkehr nannte Thrier die Situation am Löwenplatz in Zürich: Der Verkehr fliesse dort zwar langsamer, dafür stetig.

Erstellt: 27.05.2019, 14:41 Uhr

Küsnacht

SBB-Unterführung wird erst 2020 erneuert

Die Inbetriebnahme der neuen SBB-Unterführung am Bahnhof Küsnacht ist gemäss einer Mitteilung der Gemeinde auf Ende 2022 vorgesehen. An der Urnenabstimmung im Herbst 2017 hiess es noch, die rund neunmonatigen Bauarbeiten sollten 2020 umgesetzt werden. Nun verlängert die Koordination mit der SBB die Projektierungsphase.

Wie die Gemeinde Küsnacht schreibt, ist wegen der im Januar vermeldeten Projektanpassung ein ordentliches Plangenehmigungsverfahren der SBB notwendig. Diese beinhaltet die Verschiebung einer Weiche, die zur Folge habe, dass die Fläche im Bereich der seeseitigen Rampe sowie entlang der Gleise bedeutend besser genutzt werden könne. (aj)

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