Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft

Neue Rundfahrten auf dem Zürichsee und eine Spielecke für die jüngsten Fahrgäste

Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft hat über ihre Pläne für die nächste Saison informiert: «Mehr See» verspricht die ZSG – doch das stimmt nicht überall.

Die ZSG verspricht ein attraktives Schiffsangebot auf dem Zürichsee.

Die ZSG verspricht ein attraktives Schiffsangebot auf dem Zürichsee. Bild: Doris Fanconi

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Es ist die grösste Fahrplanänderung auf dem Zürichsee seit über 20 Jahren. Angepasst werden ab Dezember nicht nur Abfahrtszeiten, sondern auch die Routen von einzelnen Schiffen. «Mehr See» soll das neue Angebot bieten, verspricht die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG).

An der Medienkonferenz vom Dienstag hat die ZSG die Eckpunkte skizziert: Neu wird im Sommer eine 55-minütige Rundfahrt im Zürcher Seebecken angeboten, welche die Stationen Bürkliplatz, Wollishofen, Zollikon, Tiefenbrunnen und Zürichhorn bedient.

Neue Angebote ab Rapperswil

Ab Rapperswil gibt es ebenfalls neu eine Rundfahrt, die am Nachmittag in zwei Stunden über die Insel Ufenau, Pfäffikon, Richterswil, Wädenswil, Stäfa, Männedorf und Uerikon führt. Ebenfalls neu angeboten wird ein Insel Ufenau-Shuttle, der dreimal täglich Rapperswil und Pfäffikon mit dem Ausflugsziel verbindet.

Neu im Angebot ist ein Ufenau-Shuttle auf die beliebte Insel im Zürichsee.

Auch im Winter werden neu täglich zwei Grosse Rundfahrten von Zürich nach Rapperswil angeboten. Diese werden auf zwei verschiedenen Routen so gefahren, dass man von allen Unterwegs-Stationen in den einzelnen Dörfern ohne Umsteigen in die Rosenstadt gelangen kann. Die Querfahrten von Thalwil nach Erlenbach und Küsnacht verkehren unter der Woche zudem statt bis 7.45 neu bis 9 Uhr.

Der Ausbau mit Abbau

Allerdings hat das Versprechen «mehr See» der ZSG einen Haken: Der Fahrplan orientiert sich strenger an der Nachfrage und soll mehr Kapazitäten freischaufeln, um Extrafahrten anbieten zu können. Ein Beispiel dazu: Bei den Querfahrten von Thalwil nach Küsnacht oder von Wädenswil nach Stäfa und Männedorf werden die Verbindungen an den Randzeiten abends und am Wochenende ausgedünnt, die Rundfahrt auf dem Obersee wird nur noch samstags und sonntags in der Hauptsaison angeboten. Passagiere sollten also unbedingt prüfen, ob ihr gewohntes Schiff auch in Zukunft noch fährt.

Die Anpassungen werden nötig, um den Umsatz pro Fahrt steigern zu können. Mehr Passagiere pro Fahrt wirken sich auf den Kostendeckungsgrad des Unternehmens aus. Das vom Kanton getragene Defizit der ZSG muss sich in den kommenden Jahren deutlich verbessern, es ist eine Folge des abgeschafften Schiffsfünflibers.

Mehr Unterhaltung an Bord

Mehr Passagiere verspricht sich die ZSG auch dank einem angepassten Bord-Angebot. Auf der neuen Mini-Seerundfahrt in Zürich ist ein Audio-Guide geplant, der in Deutsch und Englisch für Smartphones verfügbar sein wird. Dafür werden die beiden Motorschiffe Forch und Zimmerberg mit WLAN ausgerüstet. Weil die kleinen Schiffe – die ebenfalls auf der Strecke Wädenswil-Stäfa/Männedorf – unterwegs sind, aber über keine Küche verfügen, soll auf den Mini-Rundfahrten eine Minibar mit Snacks und Getränken für die Verpflegung der Gäste - und Umsatz sorgen.

ZSG-Direktor Roman Knecht will Fahrgästen mehr als das Alltägliche bieten. Foto: André Springer

Auf der Panta Rhei wird eine Spielecke im Bugraum des Schiffs eingerichtet, dies in Partnerschaft mit dem Spielwarenhändler Pastorini. «Es handelt sich um ein Gegengeschäft», sagt ZSG-Direktor Roman Knecht. Man stelle Pastorini Platz zur Verfügung, im Gegenzug erhalte man Spielzeug – Geld fliesse dabei keines. «Ziel dieser Massnahme ist es, die Passagierfrequenzen zu erhöhen, weil unser Schiff ein attraktives Angebot bietet.»

Eine Spielecke auf dem Schiff? Natürlich habe man sich Gedanken gemacht, ob eine Spielzone für die übrigen Passagiere vertretbar sei, sagt Knecht. Er ist aber überzeugt davon, dass der Bugraum des Schiffs mit seinen Türen für eine solche Spielzone geeignet ist. Ruhiger geht es in den 1. Klass-Leseecken zu und her, die nebst dem MS Linth nun auch auf der Panta Rhei angeboten werden. Hier arbeitet die ZSG mit Orell Füssli zusammen.

Eingeführt wird ein Dampfschiff mit Fondue und Ländlermusik.

Angepasst wird auch das Angebot auf den Erlebnisschiffen. Speziell für Touristen wird 14-täglich im Juli und August ein Folklore-Dampfschiff verkehren, auf dem Fondue und Raclette zu Ländlermusik angepriesen wird. Die unterschiedlichen Brunch-Angebote werden vereint. Im Winter wird dafür das separate «Langschläfer-Zmorge»-Extraboot abgeschafft und als Brunch-Buffet auf dem normalen Kursschiff integriert.

Nächster Umbau droht

Ist das der letzte Fahrplan-Umbau auf dem Zürichsee für viele Jahre? Davon ist nicht auszugehen. Einerseits ist die 55-minütige Seebecken-Rundfahrt explizit als Testbetrieb deklariert. Der Versuch soll zwei Jahre dauern. Zudem liegt der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) mit den Schwyzer und St. Galler Gemeinden im Clinch, wie viel diese für das Angebot auf dem Zürichsee bezahlen sollen. Der ZVV will zum Beispiel von der Stadt Rapperswil einen fünfmal höheren Beitrag an die Schifffahrt als heute – nämlich 750000 Franken. Rapperswil-Jona ist das aber zuviel, weshalb die grosse Rundfahrt in heutiger Form bedroht ist.

Auf die Fahrplanperiode 2022/2023 müssen sich die Partner also über ein neues Angebot einigen. Ein ZVV-Sprecher machte am Rande der Medienkonferenz vom Montag deutlich, dass kein Spielraum für ein günstigeres Angebot bestehe. Die Kosten für die Schifffahrt würden nach einem nationalen Schlüssel berechnet. Man suche aber derzeit nach Lösungen.





Erstellt: 19.11.2019, 14:37 Uhr

Schiffe werden in Pfäffikon stationiert



Für die zusätzlichen Schiffsfahrten ab Rapperswil muss ein Schiff im oberen Seeteil stationiert werden. Dafür kamen die Stationen Rapperswil und Pfäffikon infrage. Nach langem Hin und Her hat sich die ZSG für Pfäffikon als Nachthafen entschieden. Dort müssen nun Wasser- und Stromanschlüsse realisiert werden. Die Wahl fiel laut ZSG-Betriebsleiter Marc Rizzi auf Pfäffikon, weil der Hafen dort mit Baujahr 1991 deutlich jünger ist, als jener in Rapperswil aus den 1950-er Jahren. Die ZSG rechnet nämlich damit, dass in Rapperswil mittelfristig grössere Anpassungen an den Hafenanlagen nötig sein werden. Dafür verantwortlich ist aber die Stadt.

Mit der Stationierung in Pfäffikon wird morgens und abends eine Zusatzfahrt nach Rapperswil notwendig, um an den Startort der Rundfahrten zu gelangen. Die ZSG prüft derzeit Möglichkeiten, diese Leerfahrten auch im Fahrplan für Gäste anzubieten. Roman Knecht betont, trotz der Leerfahrt sei der Transfer günstiger als bisher. Heute hätten nämlich die Schiffe von der Werft in Wollishofen nach Rapperswil gebracht werden müssen – diese frühen Fahrten seien kaum ausgelastet gewesen.

Die «Übernachtung» in Pfäffikon hat aber noch einen weiteren Grund, wie ZSG-Direktor Roman Knecht bestätigt. Man will testen, ob man Schiffe dauerhaft an anderen Orten stationieren könnte. Sollten dereinst – etwa wegen des prognostizierten Erfolges der Mini-Seerundfahrt – neue Schiffe auf dem Zürichsee notwendig werden, würde die Werft in Wollishofen zu klein. Bauliche Massnahmen an der Werft würden aber deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als eine externe Unterbringung der Schiffe, wie Knecht sagt. Ein konkreter Ausbau der Flotte sei aber noch nicht geplant, betont der ZSG-Direktor. Derzeit prüfe das Unternehmen erst, wie man mit dem in die Jahre gekommenen Motorschiff Bachtel weiterfahren wolle. (ckn)

«Stabile Saison»

2019 brachte der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) eine «stabile Saison». So bezeichnet deren Direktor Roman Knecht das Betriebsjahr nach Ende der Hauptsaison. Zwischen Ostern und 20. Oktober fuhren 1,651 Millionen Passagiere mit einem der ZSG-Schiffe. Das sind rund 50000 oder 3 Prozent weniger als im Vorjahr, jedoch zwei Prozent mehr als im Fünfjahresdurchschnitt. Dieser wird ohne das Katastrophenjahr 2017 mit dem damals erhobenen Schiffs-Fünfliber berechnet.

Den Fahrgastrückgang gegenüber dem Spitzenjahr 2018 erklärte Knecht anlässlich einer Medienorientierung am Dienstag mit dem regnerischen Frühling und dem Ausfall des Flaggschiffs. Die MS Panta Rhei stand wegen eines planmässigen Motorenwechsels bis zur Jahresmitte in der Werft.

Auf der Umsatzseite steht ein Plus. 2019 erhöhte die ZSG die Einnahmen mit den Extrafahrten und Erlebnisschiffen um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Fünfjahresvergleich beträgt die Zunahme sogar 7 Prozent. Zugpferde waren vor allem die Erlebnisschiffe mit thematischer Unterhaltung und Kulinarik sowie das Züri Fäscht im Juli. Der Umsatzanstieg wirke sich direkt auf den Kostendeckungsgrad der ZSG aus, sagte Knecht. Die tiefe Eigenfinanzierung von damals rund 40 Prozent war Ende 2016 ein wesentlicher Faktor zur Einführung des unpopulären Zuschlags mit dem Schiffs-Fünflibers. (di)

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