Meilen

Neue Ausstellung zeigt 150 Jahre Meilemer Sportgeschichte

Die Turn- und Sportvereinigung Meilen feiert ihr 150-jähriges Bestehen. Wie sich der Verein entwickelt und verändert hat, zeigt die Ausstellung im Ortsmuseum Meilen. Präsident Werner Wunderli erzählt.

Im Ortsmuseum Meilen stellt die Turn- und Sportverinigung Meilen ihre Auszeichnungen und Pokale aus.

Im Ortsmuseum Meilen stellt die Turn- und Sportverinigung Meilen ihre Auszeichnungen und Pokale aus. Bild: Sabine Rock

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Werner Wunderli ist sowohl Präsident des Ortsmuseums Meilen, als auch des hiesigen Männerturnvereins. Eine ideale Kombination, um die neue Ausstellung «150 Jahre Turnen und Sport in Meilen» zu erläutern, die gestern Vernissage feierte. «Diese Blumenhörner kamen früher bei den Turnfesten in den Einsatz», erzählt Wunderli und zeigt auf ein gigantisches Trinkhorn an der Wand des kleinen Museums. Darin wurden früher zu sportlichen Feierlichkeiten Blumensträusse gesteckt. Wie diese abliefen, sieht man auf einem Bildschirm in der Ecke, der Ausschnitte aus einer Dokumentation des Schweizer Turnverbandes über die nationale Sportgeschichte zeigt. «Turnfeste waren grosse Feierlichkeiten», erklärt er und geht weiter zu den Vitrinen, die aufgeschlagene Bücher zeigen. Darin sind säuberlich handgeschriebene Berichte über die Wettkämpfe, Feste und Ausflüge der Meilemer Turnvereine. Vergilbte Schwarzweiss-Fotografien neben modernen Wettkampfbildern.

Es ist der Raum «Erinnernungen» der Ausstellung über die 150 Jahre Turnen und Sport in Meilen. Die Turnen- und Sportvereinigung Meilen (TSVM) ist ein Dachverband der Meilemer Sportvereine und koordiniert gemeinsame Aktivitäten. Wie zum Beispiel diese Ausstellung. «In Vereinen entstehen Freundschaften und ein Gefühl der Gemeinschaft», ergänzt Ralph Weingarten, der die Ausstellung konzipiert hat.

Früher ohne Judo und Hockey

Das 150 Jahr Jubiläum soll gebührend gefeiert werden. Nach einer Präsentation an der Gewerbeschau Meilexpo, gibt nun das Ortsmuseum einen Einblick in die Geschichte. In drei Räumen werden die Errungenschaften, Erinnerungen und Geschichte des TSVM präsentiert. Im Keller zeigen alle zehn Sportvereine ihre Tätigkeiten.

Im Eingangsbereich des Museums wird der Besucher auf eine Reise in die Geschichte des TSVM mitgenommen. Zu aller Anfang stand der Turnverein Meilen. der 1968 gegründet wurde. Hier erfährt man, wie sich dieser entwickelte. Es ist ein Einblick in ein Stück Schweizer Sportgeschichte. Denn die Ausstellung spiegelt die historische Entwicklung wider.

Während der Kriegszeit wurden Turnaktivitäten stark militarisiert, später entstanden eigene Arbeiterturnvereine. Mitglieder des urspünglichen Turnvereins gründeten einen Skiclub. Andere Sportarten folgten: Handball, Leichtatlethik, Unihockey. Sportarten, die es früher in Europa gar nicht gab, kamen dazu, wie Judo und Ju-Jitsu. Zeittafeln, alte Plakate und Zeitungsausschnitte geben eine Übersicht.

Und die Frauen?

Die Bilder der Männer in den weissen Sporttenues sind typsch. Doch wo bleiben da die Frauen? Die durften zuerst gar nicht mitmachen. «Man sagte, Sport schränke die Gebärfreudigkeit ein», erzählt Wunderli.

Erst in den 1920er entstanden erste Frauenturnvereine. In Meilen hatte das Damenturnen einen schweren Start, da sich 1924 nicht genügend Miglieder für einen Verein fanden. Nur allmählich etablierten sich solche Clubs auch für Frauen. Über ein halbes Jahrhundert koexistierten die geschlechterspezifischen Organisationen. «Geturnt wurde aber ja immer getrennt», sagt Wunderli. Ein grosses Plakat aus dem Jahr 1964 der «Schweizerischen Frauenturntage» und des «Eidgenössische Turnfestes», bei welchem nur Männer antraten, veranschaulicht dies. Denn beides waren separate Veranstaltungen.

«Lange war es den Frauen verboten im Wettkampf gegeinenander anzutreten. Sie sollten harmonisch und grazil wirken.» erklärt der Meilemer. Im Ortsmuseum gibt Bilder von Frauen zu sehen, die brav aneinandergereiht in vorschritfsgetreuen blauen Sportkleidern die Kamera lächeln. Anders als die schwitzenden Sportlerinnen in Aktion von heute. Erst in den 80ern änderte sich diese Situation. «Der Sport spiegelt die politische Entwicklung der Gesellschaft», sagt Wunderli.

Der Verein als Gemeinschaft

«Im Verein geht es nicht nur um die körperliche, sondern auch um die geistige Fitness», erklärt der Museumspräsident. Gerade heutzutage betreiben viele Leute ihren Sport alleine auf dem Laufband im Fitnesstudio. Wunderli findet das schade, denn gerade in unserer schnellebigen Gesellschaft, sei es umso wichtiger, den sozialen Aspekt des Vereinslebens nicht zu verlieren. «Besonders für ältere Menschen ist neben der körperlichen Fitness eine Gemeinschaft ebenso wichtig», sagt er. Besucher sollen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es in Meilen verschiedenste Möglichkeiten gibt, sich sportlich zu betätigen. Nachwuchsprobleme gibt es beim TSVM jedoch kaum. Dies im Gegensatz zu manch anderem Verein in der Region.

Im Kellergewölbe stellt sich jeder der zehn im Dachverband organisierten Vereine kurz vor. Trikots und Sportgeräte werden zur Schau gestellt. Moderne Skis stehen neben historischen Holzbretten, wie sie sich die Herren auf den Bildern in Raum zwei unter die Füsse geschnallt haben.

Die Ausstellung ist vom 18.Mai bis zum 17.Juni im Ortsmuseum Meilen zu sehen. www.tsvm.ch (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.05.2018, 13:30 Uhr

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