Bezirksgericht Bülach

Fahnder belastet Schwarzenbach

Der Prozess gegen Dolder-Besitzer Urs E. Schwarzenbach wurde am Mittwoch fortgesetzt. Ein Mitarbeiter der eidgenössischen Zollverwaltung sagte als Zeuge aus.

Der Küsnachter Milliardär Urs E. Schwarzenbach wehrt sich vor dem Bezirksgericht Bülach gegen eine Millionenbusse wegen Mehrwertsteuerhinterziehung.

Der Küsnachter Milliardär Urs E. Schwarzenbach wehrt sich vor dem Bezirksgericht Bülach gegen eine Millionenbusse wegen Mehrwertsteuerhinterziehung.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vergeblich warteten am Mittwochnachmittag eine Hand voll Fotografen vor dem Bezirksgericht Bülach auf den Milliardär Urs E. Schwarzenbach. Er soll über hundert Kunstgegenstände unverzollt in die Schweiz eingeführt haben. Der Angeklagte erschien jedoch nicht und liess sich durch seine beiden Verteidiger vertreten. «Laut Strafprozessordnung ist das in diesem Fall erlaubt», sagte der Richter zu Beginn der Verhandlung, die im November unterbrochen und aufgeschoben wurde.

Am Mittwoch stand die Befragung eines Mitarbeiters der eidgenössischen Zollverwaltung an. Seine Aufgabe als Zollfahnder liegt unter anderem darin, strafrechtliche Untersuchungen zu führen. So war er es, der die Ermittlungen im Fall Schwarzenbach leitete. «Ich arbeitete grösstenteils selbst an diesem Fall.» Darum gilt er nun als wichtiger Zeuge im Beweisverfahren. Er erklärte dem Richter, wie er vorgegangen ist: «Ich konzentrierte mich auf die Zollstelle in Samedan, wo Schwarzenbach einen Wohnsitz hat, und jene am Flughafen Zürich.»

Grund: Der Dolder-Besitzer fliegt mit seinem Privatjet meist diese beiden Flugplätze an. Für seine Recherchen benutzte der Fahnder Daten aus dem Zollanmeldungssystem e-dec. «Wer Handelsware in die Schweiz einführt, muss diese am Zoll elektronisch abfertigen lassen. Ich suchte das System also nach den Kunstwerken von Urs Schwarzenbach ab.» Ohne Erfolg. Die Objekte seien schlicht nicht verzollt worden. Schwarzenbach wird in der Anklage aber ebenfalls vorgeworfen, den Preis einiger Kunstobjekte bei der Verzollung viel zu niederig angegeben zu haben. «Diese Objekte fanden wir dann tatsächlich auch in der Datenbank. Nur lag eben der deklarierte Wert viel zu tief», sagte der Fahnder.

Verteidigung traut dem Zeugen nicht

Nach dem Richter durfte auch die Verteidigung den Zollfachmann mit Fragen löchern. Zuerst wollte diese wissen, warum nur zwei Zollstellen des Landes eingehend untersucht wurden. Es könne ja auch sein, dass die Kunstobjekte über einen anderen Fluplatz in die Schweiz eingeführt wurden. «Es ist durchaus möglich, dass einzelne Objekte über einen anderen Flugplatz eingeführt und korrekt verzollt wurden. Aufgrund der Flugbewegungen von Urs Schwarzenbach gehe ich aber nicht davon aus, das dies oft der Fall gewesen sein kann.»

Die Verteidigung stellte danach mehrere Fragen zu den Untersuchungen, insbesondere der Hausdurchsuchung bei Schwarzenbach. Der Zeuge konnte dazu nur knapp oder gar nicht Stellung nehmen. «Ich kann aus Gründen des Amtgeheimnisses keine Stellung dazu nehmen», lautete die Antwort des Zollfahnders meistens.

Deshalb stellte die Verteidigung zum Schluss der Verhandlung noch zwei weitere Beweisanträge. Erstens beantragte sie den Beizug der amtsinternen Berichterstattung der Untersuchungen. Zudem soll der Zeuge weiter vom Amtsgeheimnis entbunden werden, damit er zu den Fragen genauer Stellung nehmen kann. Das Gericht wies aber beide Anträge ab. «Die vorhandenen Beweismittel sind bereits ausreichend», begründete der Richter seine Entscheidung.

Nun fehlt also lediglich noch das Urteil. Der Termin wird voraussichtlich auf Ende April festgesetzt. Die Zollverwaltung fordert eine Busse von vier Millionen Franken wegen mehrfacher Mehrwertsteuerhinterziehung. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch. (zsz.ch)

Erstellt: 10.01.2018, 18:07 Uhr

Artikel zum Thema

Überraschende Wende im Fall Schwarzenbach

Bezirksgericht Bülach Das Bezirksgericht Bülach hat am Mittwoch die Hauptverhandlung im Fall Schwarzenbach auf unbestimmte Zeit vertagt. Davor stellten die Parteien ihre Anträge: Der Zoll hält an der Busse von vier Millionen Franken fest, die Verteidigung fordert einen Freispruch. Mehr...

Schwarzenbach nimmt Vier-Millionen-Anklage gelassen

Bülach Locker und gesprächig zeigte sich der Dolder-Milliardär Urs E. Schwarzenbach am ersten Prozesstag am Bülacher Bezirksgericht. Sein Verteidiger verzögerte die Verhandlung mit verschiedenen Anträgen. Mehr...

Dolder-Besitzer Schwarzenbach wehrt sich gegen Millionen-Busse

Küsnacht Der Küsnachter Milliardär Urs E. Schwarzenbach steht am 28. November in Bülach vor Bezirksgericht. Er wehrt sich gegen eine Busse von 4 Millionen Franken. Die Oberzolldirektion brummte ihm diese auf, weil er jahrelang Kunstgegenstände unverzollt eingeführt hatte. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!