Männedorf

Nach einem Vandalenakt fehlt im Kreisel die Töff-Kunst

Zwei Mal innert kurzer Zeit haben Unbekannte Holzskulpturen des Oetwiler Künstlers Richi Merk zerstört. Nach einem zarten Knäblein in Ürikon musste nun in Männedorf eine harte Rockergruppe auf Motorrädern dran glauben.

Der Kreisel an der Aufdorf- und Bergstrasse in Männedorf bleibt vorerst leer. Vor drei Jahren hatte Künstler Richi Merk die Skulptur  aufgestellt, nun haben Unbekannte das Werk zerstört

Der Kreisel an der Aufdorf- und Bergstrasse in Männedorf bleibt vorerst leer. Vor drei Jahren hatte Künstler Richi Merk die Skulptur aufgestellt, nun haben Unbekannte das Werk zerstört Bild: zvg/Gemeindepolizei Männedorf

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Holzkünstler Richi Merk ist konsterniert. Eines Morgens hat er beim Männedörfler Aufdorf-Kreisel nur noch Trümmer vorgefunden. Drei Jahre lang hatten dort seine Holzfiguren – Rocker auf schweren Motorrädern – posiert. «An den Harleys bin ich sehr gehangen», sagt der Oetwiler und fügt hinzu: «Sogar Leute, die sonst nichts mit Töffs am Hut haben, freuten sich immer über über die Skulptur.»

Vergangene Woche haben nun aber Vandalen zugeschlagen: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag zertrümmerten sie die Figuren auf den Motorrädern. Auch die Töffs selber beschädigten sie. Merk hat den Vandalenakt tags darauf selber entdeckt und die Gemeindepolizei benachrichtigt. «Die Holzteile lagen noch auf der Strasse», sagt er. Es sei deshalb sogar zu einem Autounfall gekommen, der zum Glück glimpflich ausgegangen sei.

Die Gemeindepolizei habe bisher keine Hinweise auf die Täterschaft, sagt der Männedörfler Gemeindeschreiber Jürg Rothenberger auf Anfrage. Personen, die etwas beobachtet haben, sollen sich deshalb bei der Polizei melden.

Schaden trotz Versicherung

Für die Kunst im Kreisel ist nicht die Gemeinde zuständig, sondern der Verkehrsverein Männedorf. Dessen Präsident Mario Buess verurteilt die blinde Zerstörungswut. «Es ist unglaublich, dass jemand so viel Gewaltbereitschaft aufbringen kann, um eine solche Skulptur zu zerstören», sagt er. Das Kunstwerk ist aus massivem Holz und immerhin gut 400 Kilogramm schwer. Es braucht also viel Kraft und auch einiges an Unverfrorenheit, um in der Kreiselmitte zu wüten.

Der Verkehrsverein hat eine Strafanzeige eingereicht. «Sollten sich die Vandalen freiwillig melden, ziehen wir die Anzeige zurück», sagt Buess. Die Skulptur ist zwar versichert. Dennoch bleibt der Vorfall für den Verein, der seine Aktivitäten mit Spendengeldern finanziert, nicht ohne finanzielle Folgen.

Vor drei Jahren wurde die Skulpur beim Kreisel installiert. Bild: Archiv ZSZ.

Die Skulptur war nur temporär im Aufdorf-Kreisel zu Gast und hätte diesen demnächst verlassen müssen. Denn die Kunstwerke werden von Zeit zu Zeit ausgewechselt. Dass die Motorradfahrer das Feld nun aber auf diese Art und Weise räumen mussten, hat für alle Beteiligten einen bitteren Nachgeschmack.

Die Trümmer sind jetzt bei Richi Merk eingelagert. Einer der Töffs liesse sich mit viel Aufwand reparieren, die Fahrer hingegen müssten wohl neu hergestellt werden. Wie es weiter geht, ist unklar. «Wir versuchen, bis Ende November etwas anderes auf den Kreisel zu stellen», sagt Mario Buess.

Dem Koni den Kopf abgehackt

Der Verkehrsverein Männedorf ist mit seinem Schicksal nicht allein. Auch der Ortsverein Ürikon war kürzlich von einem Vandalenakt betroffen. Denn im Stäfner Ortsteil waren im April ebenfalls unbekannte Holzköpfe unterwegs: Sie schlugen dem kleinen Koni – einem aus einer Zeder gefertigten Knaben mit rotem Schopf – das Haupt ab. Die Skulptur an der Ritterhausstrasse oberhalb des Bahnhofs Ürikon war schon ein Jahr zuvor traktiert worden. Die Figur – sie stammt ebenfalls von Richi Merk – wird nun ersetzt. Dies sei dank Spenden möglich, sagt Andreas Rudin vom Ortsverein Ürikon auf Anfrage. Der kleine Koni wird voraussichtlich im Herbst wieder in Ürikon zu sehen sei.

Dass innert kurzer Zeit gleich zwei Werke von Merk zerstört worden sind, ist wohl Zufall – es muss sich nicht einmal um die gleichen Täter handeln. Sowohl die Skulptur in Ürikon als auch jene in Männedorf dürften die Vandalen vor allem aufgrund ihrer exponierten Lage angezogen haben. Merk sagt, er habe mit seiner Motorsäge rund 350 Figuren geschaffen. Fast alle befinden sich auf privatem Grund, drei aber im öffentlichen Raum. «Bei diesen gibt es leider immer wieder Ärger.»

Nebst dem kleinen Koni und den Motorradfahrern mussten sich auch schon die gallischen Comic-Helden Asterix und Obelix im Türli oberhalb von Männedorf malträtieren lassen. Sie wurden vor Jahren mit rosaroter Farbe übergossen – Zaubertrank wäre ihnen wohl lieber gewesen.

Erstellt: 19.07.2018, 16:57 Uhr

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