Kantonsratsserie

Nach einem intensiven Jahr wieder in ruhigerem Fahrwasser

Theres Weber-Gachnang aus Uetikon war 2015/16 Präsidentin des Zürcher Kantonsrats. Heute ist sie wieder einfaches Ratsmitglied. Das gibt ihr die Möglichkeit, etwas herunterzufahren nach dem intensiven Präsidialjahr.

Spontane Debatten gefallen ihr besser: SVP-Kantonsrätin Theres Weber-Gachnang aus Uetikon.

Spontane Debatten gefallen ihr besser: SVP-Kantonsrätin Theres Weber-Gachnang aus Uetikon. Bild: Michael Trost

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Einen Tag pro Woche hütet sie ihren elfmonatigen Enkel. Das wäre 2015/16 nicht möglich gewesen, als Theres Weber Kantonsratspräsidentin war. Auf etwa 60 bis 70 Prozent eines vollen Pensums schätzt sie den Aufwand für dieses Amt.

Jetzt, da sie nur noch in der Geschäftsleitung und davon abgesehen einfaches Ratsmitglied ist, sind es 30 bis 40 Prozent. Daneben besorgt die SVP-Politikerin zu Hause in Uetikon auf dem Landwirtschaftsbetrieb ihres Mannes das Büro und die Buchhaltung. Anderthalb Tage pro Woche ist sie im Marketing des Autohandelsunternehmens Emil Frey AG tätig, meist in Erlenbach. Dort traf die «Zürichsee-Zeitung» sie zu Kaffee und Luxemburgerli.

Den Kanton repräsentiert

Dass sie auch als Parlaments­präsidentin eine Milizpolitikerin war, habe Amtskolleginnen und -kollegen im Ausland oft sehr erstaunt, erzählt Theres Weber. Sie hatte den Kanton Zürich in anderen Kantonen und im Auslandzu vertreten, wo die politischen ­Abläufe anders organisiert sind. Dort musste sie zum Beispiel erklären, warum sie nicht wie ein Minister bei einem Besuch gleich Entscheidungen treffen und Finanzbeiträge sprechen konnte.

In der Schweiz werde der Kanton Zürich, so fasst Weber ihren Eindruck zusammen, ähnlich angesehen wie der Bezirk Meilen im Kanton: als wichtig und finanzstark, «teils als Vorbild, teils als Neidbild». Man beachte oft, was Zürich mache, um das dann allenfalls für sich anzupassen.

Manchmal sogar in Detail­fragen, erfuhr die Uetikerin: Wenn selbst im Zürcher Parlament eine Redebeschränkung gilt, dann könnte das ein kleinerer Kanton auch übernehmen, hätten sich die Tessiner überlegt, die einige Langredner in ihren Reihen haben. Das Argument, dass die Bezeichnung Parlament vom Wort für reden herkomme, werde aber auch im Zürcher Ratssaal zuweilen überstrapaziert, findet die SVP-Politikerin. Etwa wenn in drei vorbereiteten Reden hintereinander praktisch dasselbe proklamiert wird.

«Spontandebatten gefallen mir besser», sagt sie. Selber geht sie heute fast nur noch spontan ans Rednerpult. Als Mitglied der Geschäftsleitung hat sie vermehrt organisatorische und übergeordnete Geschäfte zu behandeln. Engagiert sei sie aber nach wie vor auch bei Sachvorlagen, vor allem im Gesundheits- und Gewerbebereich, fügt sie an. Sie blieb, im Gegensatz zu vielen ihrer Vorgänger, nach ihrem Präsidium noch länger im Rat. «Ich wäre sonst nach dieser intensiven Zeit in ein Loch gefallen», erklärt sie.

«Schönes Jahr»

Als Vollblutpolitikerin hat Theres Weber ihr Präsidialjahr genossen, auch wenn dafür anderes in den Hintergrund treten musste. «Es war ein intensives, aber sehr schönes Jahr, und ich verdanke meinem Mann und meinen Kindern sehr viel», sagt sie.

Aufgewachsen war sie in einem Haushalt, in dem Politik immer wieder ein Thema war. Selber richtig in die Politik kam sie, als die Bezirks-SVP eine Bauernvertreterin für die Kantonsratswahlen stellen wollte, nachdem der Küsnachter Rebbauer Ueli Welti zurückgetreten war. «Gewählt wirst du nicht», habe man ihr ­beruhigend gesagt. Sie platzierte sich aber knapp hinter den Gewählten und rückte 1999 nach, als Christoph Mörgeli in den Nationalrat gewählt wurde.

Elf Jahre lang gehörte Weber der kantonsrätlichen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit an; sie hatte als diplomierte Pflegefachfrau lange im Spital Männedorf gearbeitet. Zu ihren politischen Erfolgen zählt sie ihren Einfluss beim Patientengesetz und bei der Spital- und Pflegefinanzierung und «die drei Siege bei den Abstimmungen zur Medikamentenabgabe».

Vorzeitig zurücktreten

Nochmals kandidieren wird Theres Weber nicht. «Höchstwahrscheinlich trete ich vorzeitig zurück», sagt sie. Nachrücken in die SVP-Kantonsratsfraktion würde ein Landwirt, der 30-jährige Domenik Ledergerber aus Herrliberg, dem Dorf, wo Theres Weber aufgewachsen ist.

Erstellt: 22.11.2017, 11:37 Uhr

Ratsgipfeli – Kantonsrätinnen und Kantonsräte aus dem Bezirk im Gespräch.

Hineingehorcht

Ist Macht käuflich?

Theres Weber-Gachnang: Zu viel Macht ist in keiner Situation gut. Ob jemand bestechlich oder käuflich ist, hängt wohl von der Lebenssituation und vom Charakter ab.

Wann verlieren Sie die Beherrschung?

Ich bin ein emotionaler Mensch. Wenn mir etwas sehr nahe geht, vor allem im persönlichen Umfeld, kann das schon mal passieren. Ohne aber nachtragend zu sein. In der Politik habe ich schnell gelernt, dass man mit Authentizität und Sachlichkeit viel erreicht.

Mögen Sie Überraschungen?

Ich liebe Überraschungen! Es ist aber eine Herausforderung, mich zu überraschen, da ich gerne den Überblick behalte. Trotzdem ist es schon vielen sehr gut gelungen, und ich freue mich auf weitere Überraschungsmomente.

Haben Sie einmal ans Auswandern gedacht?

Ich reise gerne für Ferien oder Weiterbildungen. Aber auswandern käme für mich bis heute nicht infrage. Ich bin zu stark Familienmensch und schätze mein Netzwerk hier in der Schweiz. Ausserdem liebe ich unser Land und mein Zuhause. Ich geniesse die Nähe zu meinen Kindern, die kurzen Wege an den See, in die Stadt oder in die Berge.

Was war als Kind ihr Traumberuf?

Solange ich denken kann, wollte ich Krankenschwester werden. Auch nach der Handelsmittelschule mit Diplomabschluss hat sich an meinem Wunsch nichts geändert. Ich habe die Lehre ­gemacht und über 30 Jahre auf dem Beruf gearbeitet. (uk)

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