Stäfa

Nach dem Warum kommt die Pointe

Claudio Zuccolini ist im Rössli in Stäfa mit seinem fünften Bühnenprogramm «Warum» aufgetreten – zwei Stunden lang mit schnellen Gags und träfen Pointen.

Claudio Zuccolini gibt im Stäfner Rösslisaal seine Anekdoten zum Spiessbürgertum zum Besten.

Claudio Zuccolini gibt im Stäfner Rösslisaal seine Anekdoten zum Spiessbürgertum zum Besten. Bild: Moritz Hager

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Bevor Claudio Zuccolini auf der Bühne erscheint, tritt Jürg Girschweiler vors Mikrofon. Der Präsident der Volkshochschule Stäfa und Umgebung (VHS), die für ihr Kursangebot bekannt ist, stellt fest: «So viele Leute wie hier im Saal haben wir eigentlich sonst nie in unseren Kursen.» Mit dem Comedy-Abend wagt die VHS eine kulturelle Erweiterung ihres Angebots und Girschweiler ist erfreut, dass sich so viele Menschen im Rösslisaal eingefunden haben.

Und dann steht der Komiker in Jeans, sportlichem Blazer und Turnschuhen im Rampenlicht und wird beklatscht, bevor er auch nur ein Wort gesagt hat. «Das ist das Schöne an uns Künstlern, wir kriegen schon Applaus, ohne etwas gemacht zu haben», kommentiert Zuccolini sogleich die Szene und liefert dem Publikum seine Vision: «Stellen Sie sich mal vor, das passiert Ihnen am Montagmorgen, wenn Sie im Büro auftauchen und die Kollegen Sie mit Beifall begrüssen. Was für ein Motivationskick zum Wochenstart.»

Die Warums der Kinder

Der Einstieg ist gelungen, die über 200 Zuschauenden lachen und werden es am Laufmeter während den folgenden zwei Stunden tun. So lange dauert Zuccolinis fünftes Bühnenprogramm «Warum», das fast auf den Tag genau vor zwei Jahren im Casinotheater in Winterthur Premiere hatte, inhaltlich jedoch nichts an Aktualität eingebüsst hat. So geht es um Fragen, die den Menschen und insbesondere den Komiker tagtäglich beschäftigen, zumal der Vater von zwei Mädchen von diesen dauernd mit «Warums» bombardiert werde. Habe der eigene Vater ihn einst mit seinen Warum-Fragen noch mit «Darum» ruhig gestellt, ginge das heute nicht mehr. Mit Kindern sei das halt so eine Sache: «Es ist wie beim Milchschäumer.» Erst wenn man ihn hat, merke man, dass das Reinigen so umständlich ist, dass man ihn versorge und nie mehr danach greift.

Die ständigen Fragen der Töchter seien aber der Anstoss für sein aktuelles Programm gewesen. Weil er, der sich selber Zucco nennt, gemerkt hat, dass auch er sich über Vieles wundere. So etwa, warum die Waschmaschine mit einem Fenster ausgerüstet sei und der Tumbler nicht. Und warum Nachbarn, die ihm beim Umzug zuschauten,mit «Bisch am Zügle?» ansprechen würden. «Nein, wir üben das Zügeln bloss, sodass wir es dann können.» Oder ihn bei der Begegnung im Konzert mit «Bisch au da» begrüssen würden. Da kann Zucco nur noch die Augen verdrehen.

No-Go Dreiviertel-Hosen

Schlag auf Schlag folgen sich die Fragen, auf die er selber oft keine Antwort wisse. Warum ist immer eine Putzfrau am Putzen, wenn er auf die öffentliche Toilette einer Autobahnraststätte müsse? Und warum liegen so viele Schuhe am Strassenrand? Und warum greifen andere einfach in seinen Pommes-Frites-Teller, ohne zu fragen? Das nervt den Bündner:«Wenn ich der einzige am Tisch bin, der Pommes bestellt, bedienen sich dann doch alle von meinem Teller, das ist inakzeptabel.»

Spontanbesucher, Handysüchtige oder der Gesundheitswahn, Zuccolini lässt kein Thema aus,um mit bissigem Witz das Spiesbürgertum zu entlarven. Smoothies sind für ihn nur flüssiger Salat und der Schrittzähler ein unnötiges Übel, da gerade seine Träger das Soll von 10 000 Schritten im Tag nie erreichen. Ätzend findet Zucco Dreiviertel-Hosen bei Männern, ebenso bündnerische Namen, die Zürcher ihren Kindern geben: «Laurin Andrin Eggenberger, Ursina Madlaina Hofstetter, tönt toll.»

Was Zuccolini auf der Bühne los wird, sind Beobachtungen, in denen persönliche Erfahrungen stecken. Wenn er vom Grümpi-Duft schwärmt, einem Mix aus Rasen,Bratwurst, Bier und Dul-X, weiss jeder, wovon er spricht. Natürlich erzählt er die Dinge überspitzt, sonst wär es ja nicht lustig. Und auch auf den Bündner-Bonus kommt Zucco zu sprechen, der auch ihm zugute komme. «Dabei kann ich gar nicht Romanisch.» Als Romanischsprechender Kulturschaffender hätte er bestimmt ganz viele Preise eingeheimst.Aber auch ohne ein Bündner Idiom ist Zucco mit dem Prix Walo(2011) und dem Arosa Humorfüller (2017) gewürdigt worden. Hoffentlich fragt er da nicht «Warum?». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.02.2019, 15:53 Uhr

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