Meilen

Nach dem Bus kommt die Bahn zum Zug

Pro Bus ist es zu verdanken, dass es in Meilen ein gutes Busnetz gibt. Nach jahrelangem Engagement löst sich der Verein mangels Nachfolger auf. Präsidentin Verena Hofmänner kämpft nun für die Doppelspur.

Die Meilemer Busse prägten jahrzehntelang Verena Hofmänners Leben. Nun will die 76-Jährige etwas kürzer treten.

Die Meilemer Busse prägten jahrzehntelang Verena Hofmänners Leben. Nun will die 76-Jährige etwas kürzer treten. Bild: Manuela Matt

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Es ist Nachmittag, Verena Hofmänner steht beim Bushof Meilen und schaut zu, wie die Busse ankommen und abfahren. Die Abfahrtszeiten der Busse kennt sie auf die Minute genau. Die Präsidentin des Vereins Pro Bus Meilen hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über den öffentlichen Verkehr angeeignet. Nun tritt sie nach 20 Jahren im Amt ab. Mangels Nachfolger im Vorstand löst sich auch gleich der Verein auf.

Dass in Meilen überhaupt Busse verkehren, ist in erster Linie das Verdienst des Vereins. Alles hatte in den 80er-Jahren begonnen, als nicht nur in Meilen, sondern auch in anderen Gemeinden am Zürichsee der Wunsch nach einem Ortsbus oder gar nach mehreren Linien aufkam.

In Meilen machten sich damals zuerst vier SP-Frauen dafür stark, unter ihnen Verena Hofmänner. Ökologische Überlegungen seien schon damals ausschlaggebend dafür gewesen, erinnert sie sich. Die Sozialdemokratinnen fanden schnell Unterstützung, eine treibende Kraft war auch der Meilemer Ingenieur Paul Märki. Eine Gruppe aus 16 Personen lancierte schliesslich 1986 eine Initiative für einen dreijährigen Versuchsbetrieb. Über 1600 Meilemer unterschrieben den Vorstoss. Die Gemeindeversammlung nahm die Initiative deutlich an.

Bürgerliche bremsten

OhneWiderstand verlief die Einführung der Meilemer Buslinien aber nicht. Besonders bei der SVP und der FDP gab es in den Anfängen Vorbehalte. Das bekamen die Befürworter - sie hatten sich mittlerweile im Busverein, dem späteren Verein Pro Bus, organisiert - immer wieder zu spüren. Stets mussten sie sich behaupten, wenn es wieder um die Erneuerung eines Kredits, um die Einführung neuer Linien oder um den Ausbau des Fahrplans ging.

Besonders bei der SVP und der FDP gab es in den Anfängen Vorbehalte.

So erinnert sich Verena Hofmänneran einen Freisinnigen, welcher der Gemeindeversammlung schilderte, wie er einmal in seinem Mercedes einem Bus gefolgt sei und festgestellt habe, dass dieser gar nicht so gut ausgelastet sei. Er erntete Gelächter, denn der Verein wusste damals bereits viele Unterstützer hinter sich. Er mobilisierte denn auch geschickt: So fuhren die Vereinsmitglieder jeweils mit Bussen Stimmberechtigte aus den Quartieren und dem Altersheim an die Gemeindeversammlungen. «Das war taktisch geschickt», erinnert sich Hofmänner und lacht.

Wartehäuschen für Meilen

Der Widerstand der Bürgerlichen hat mittlerweile aber nachgelassen. «Spätestens als 2005 der Bushof entstand, kam die Wende. Auch der Freisinn sah nun die Notwendigkeit von Ortsbussen ein», erzählt die Meilemerin. Heute verkehren ab dem Bahnhof mehrere Linien: Richtung Feldmeilen, Obermeilen, in die Au, die Hohenegg und auf den Pfannenstiel. Besonders der Pfannenstielbus war dem Verein stets ein wichtiges Anliegen.

Zu den jüngsten Errungenschaften des Vereins zählen die Wartehäuschen an den gut frequentierten Haltestellen im Dorf. «Es ist toll, dass wir die Gemeindeversammlung dafür gewinnen konnten», sagt Verena Hofmänner. Sie wäre aber keine richtige ÖV-Lobbyisten, wenn sie nicht auch einen Pferdefuss ausmachen würde. Beim Bau der Wartehäuschen sei der Verein leider nicht konsultiert worden, sagt sie. Das Resultat: Die Unterstände seien zwar schön, aber nicht zweckmässig, da sie die Wartenden nicht genügend vor dem Wetter schützen würden.

Von Pro Bus zu Pro Bahn

Verena Hofmänner wüsste im öffentlichen Verkehr stets noch etwas zu verbessern. Auch beim Bahnnetz. Diesem Themahat sich der Verein insbesondere in den letzten Jahren stärker zugewandt. Die Forderung: Es brauche die durchgehende Doppelspur zwischen Tiefenbrunnen und Männedorf. Die S16, die heute in Herrliberg-Feldmeilen endet, würde Verena Hofmänner am liebsten bis nach Uetikon verlängern - nur schon wegen des neuen Gymnasiums, das täglich hunderte Schüler in die Gemeinde bringt. Und die S20, die demnächst eingeführt wird, sollte ihrer Meinung nach bis nach Feldbach und nicht nur bis nach Stäfa führen.

Die Bahn sei für die Region wichtig, sagt Hofmänner. «Denn wir haben hier - im Gegensatz zu den meisten anderen Gegenden in der Schweiz - keine Anbindung an schnelle Strassen.» Mit ihrer Petition für die Doppelspur, diefast 4700 Personenunterschriebenhaben, ist sie deshalb bei den Gemeinden am Zürichsee auf offene Ohren gestossen. Beim Zürcher Verkehrsverbund hingegen ist die Zurückhaltung gross. Die Forderung sei unrealistisch, sagte der ZVV schon mehrmals.

Stirbt nun mit dem Verein Pro Bus auch das Engagement für die Doppelspur? Nein, sagt die umtriebige 76-Jährige. Denn die verbleibenden 140 Mitglieder des Vereins werden sich der Zürcher Sektion des Vereins Pro Bahn anschliessen, sofern sie dazu am 12.März an der letzten Generalversammlung Ja sagen. Verena Hofmänner selbst will zwar kürzer treten, sich bei Pro Bahn Zürich aber weiterhin engagieren, voraussichtlich sogar im Vorstand. Zudem bleibt sie bis 2022 Mitglied in der gemeinderätlichen Kommission für den öffentlichen Verkehr. So kann sie in Meilen weiterhin Einfluss nehmen, wie sich der Busverkehr in der Gemeinde entwickelt. Auch hier, findet sie, gebe es noch immer einiges zu tun.

Erstellt: 01.03.2019, 15:15 Uhr

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