Hombrechtikon

Musikalischer Reichtum und lauter Hits

Die Operettenbühne Hombrechtikon feiert ihr 25-Jahr-Jubiläum mit dem «Vogelhändler» von Carl Zeller. Regisseurin Bettina Dieterle bekleidet dabei eine ganz spezielle Doppelrolle.

Die Operettenbühne Hombrechtikon zeigt zu ihrem 25-jahr-Jubiläum den «Vogelhändler» von Carl Zeller.

Die Operettenbühne Hombrechtikon zeigt zu ihrem 25-jahr-Jubiläum den «Vogelhändler» von Carl Zeller. Bild: Manuela Matt

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Sind dem Hombrechtiker Operettenverein nach 25 Jahren die Operetten ausgegangen? Die Frage stellt sich, hat er doch den «Vogelhändler» aus der Feder des Österreichers Carl Zeller 2001 schon mal aufgeführt.

Der musikalische Gesamtleiter Caspar Dechmann, der seit 2008 sowohl Chor als auch Orchester dirigiert, verneint: «Eine gute Operette kann man problemlos schon nach zehn Jahren wieder bringen, zumal unser Publikum eher konservativ ist und sich unbekannten Stücken gegenüber eher kritisch verhält.» Will heissen, dass es bei eher wenig gespielten Operetten der Vorstellung fern bleibt.

Generalprobe vor Zuschauern

Mit dem «Vogelhändler» zelebriert der Verein sein 25-jähriges Bestehen. Der freischaffende Dirigent und Pianist Dechmann frohlockt, denn zum einen hat er Zellers Stück noch nie zur Aufführung gebracht, und zum anderen weiss er: «Mit dieser Operette hat der Komponist einen Hit – nein, eine ganze Sammlung von Hits – geschrieben.»

Die berühmten «Schenkt man sich Rosen in Tirol» oder das «Griess euch Gott, alle miteinander» sind seit über 100 Jahren Ohrwürmer und verleihen dem Stück etwas Zeitloses. Und für den Chor, dem Dechmann einiges zutraut, bietet die Musik anspruchsvolle Aufgaben: «Einige Stücke singt der Chor gar in fast solistischer Besetzung.» Die dadurch gewonnene klangliche Abwechslung ist eine Herausforderung, die der Chor meistert, wie an der Generalprobe am Donnerstag zu hören war. Es war übrigens das erste Mal in der Geschichte der Operettenbühne, dass an dieser Probe vor Publikum gespielt wurde.

Kabarettistin an der Spitze

Eine weitere Premiere ist die Zusammenarbeit mit einer Regisseurin. Mit der gebürtigen Baslerin, Schauspielerin und ehemaligem Gründungsmitglied der legendären Frauengruppe Acapickels, Bettina Dieterle, führt eine Theaterfrau die Geschicke des Ensembles. Sie hat schon viele Produktionen mit Laien hinter sich und kennt daher keine Berührungsängste mit den unterschiedlichsten Genres.

«Mit der Operettenbühne fühle ich mich sehr wohl.»Bettina Dieterle, Regisseurin

Dieterle war in den letzten 15 Jahren vermehrt als Regisseurin tätig. Die Hombrechtiker wollten sie schon für die letzte Saison als künstlerische Leiterin engagieren, zumal die 53-Jährige den Chorleiter kennt und die beiden schon seit langem eine gemeinsame Inszenierung realisieren wollten. Doch da stand die Wunschkandidatin noch nicht zur Verfügung. Jetzt hat es geklappt und Dieterle sagt: «Mit der Operettenbühne fühle ich mich sehr wohl, das ist ein toller Chor mit einem hohen Level und einem leidenschaftlichen Dirigenten.»

Aktualität in alter Handlung

Im «Vogelhändler» dreht sich vieles um Liebe, Eifersucht, Intrigen und Macht. Um die Handlung aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart zu transportieren, spickt Bettina Dieterle die Dialoge mit Aktualitäten, ohne dass die Situationen ins Banale kippen.

Die fesche Pöstlerin Christel, die Adam, den Vogelhändler aus Tirol, liebt, muss sich von diesen sagen lassen, dass die Post ja nicht gerade einen guten Ruf geniesst. Sie ist ihm zu selbstständig und die von ihr geforderte Gleichberechtigung lehnt er ab. Adam drängt zur Heirat, doch Christel will warten, bis er eine feste Stelle hat.

Als Christel von einem Grafen angemacht wird, fragt sie ihn, ob er noch nichts von «Me-Too» gehört habe. Und als der Kurfürst dringliche politische Angelegenheiten erledigen muss und daher nicht zur Jagd erscheint, lässt die Regisseurin ihn zum Bundesrat nach Bern eilen, weil dort der Parteikollege Johann zurücktritt und er dadurch über keine Lobby mehr im Parlament verfügt.

Auch bei den Kostümen setzt man auf Modernes. Während der Chor, der als Dorfleute, Hofgesellschaft und Tiroler aufgeteilt ist und dazu die entsprechenden Kostüme trägt, dürfen die Solisten auch mal in Anzug und heutiger Freizeitbekleidung auftreten. Christel gar trägt den knallgelben Overall mit unverkennbarem Label der Post drauf. Und der Neffe von Baron Weps, der wie sein Onkel die Arbeit fürchtet, setzt flugs seine Kopfhörer auf, um den Tadel des Älteren nicht hören zu müssen.

Leichtigkeit und Hingabe

Als Bühnenbild wünschte sich die Regisseurin einen Wald aus echten Pflanzen, raffinierte Projektionen auf einer grossen Leinwand und als zentrales Thema einen geschmiedeten Pavillon, der nach Bedarf umgebaut wird. Umgesetzt hat ihre Wünsche der Bühnenbauer Dave Leuthold, einst technischer Direktor am Zürcher Schauspielhaus. Vor diesem dezenten und nicht überladenen Hintergrund agieren die Solisten mitsamt dem Chor in einem musikalischen Spektakel, das voller Leichtigkeit und Hingabe daherkommt. Eine gebührende Jubiläumsaufführung erwartet das Publikum.

Premiere ist am Samstag, 8. September um 19 Uhr im Gemeindesaal Blatten Hombrechtikon. Weitere Aufführungen Freitags, Samstags und Sonntags bis 13. Oktober. Weitere Informationen: www.operette-hombrechtikon.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.09.2018, 16:08 Uhr

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