Männedorf

Wie der Mitgliederschwund auch die Reformierten fordert

Die reformierten Kirchgemeinden sind im Umbruch. Darüber, wie sie entstanden sind, und über die Fusionspläne von Männedorf sprach Pfarrerin Marjoline Roth.

Wie weiter mit der reformierten Kirche Männedorf? Darüber machen sich die Verantwortlichen derzeit Gedanken.

Wie weiter mit der reformierten Kirche Männedorf? Darüber machen sich die Verantwortlichen derzeit Gedanken. Bild: Archiv René Kälin

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Volkskirche bleiben oder zu einem Verein werden? Am Scheideweg zwischen diesen beiden Szenarien steht, überspitzt gesagt, derzeit die reformierte Kirche des Kantons. Dies jedenfalls zeigte ein Referat der Pfarrerin Marjoline Roth. Die Männedörflerin hat am Dienstagvormittag über «Reformierte Gemeinden im Umbruch» gesprochen.

Anlass hierzu gab die Veranstaltungsreihe der Seniorenbildung Männedorf – Ökumenische Altersbildung. Die Reihe geht der Fragestellung nach, ob es sich beim Konstrukt «Gemeinde» um ein Auslaufmodell handle. Beleuchtet wurde und wird das Thema an vier Abenden sowohl im Kontext der Kirch- wie auch der politischen Gemeinde.

Ein Flickenteppich zu Beginn

Bevor sich Roth ihrem Referatsthema aus aktueller Sicht widmete, ging sie auf die historische Entwicklung ein. Als «ein Flickenteppich von Regierungen» habe sich die Situation in vorzwinglianischer Zeit präsentiert. «Männedorf und fast alle anderen Orte am rechten Seeufer gehörten zu Obervogteien, die mit dem Kloster Einsiedeln verbunden waren.»

Dann, mit dem Amtsbeginn von Huldrych Zwingli am Zürcher Grossmünster 1519, habe sich vieles schlagartig verändert. Roth rekapitulierte die prägendsten Änderungen: Abschaffung der Predigt in Latein zugunsten des Vorlesens aus der Bibel auf Deutsch – dies verbunden mit dem Anspruch, das Volk zu bilden. «Das war der Anfang des Bildungsauftrags der reformierten Kirche, dem sie auch heute noch verpflichtet ist», sagte Roth. Des Weiteren: Aufhebung von Fastengebot, Zölibat, Ablasswesen, Klöstern. «1525 war die Reformation im Kanton Zürich vollzogen.» Die Folgen für die Gemeinden: «Die reformierte Kirche wurde zur Staatskirche und hatte das Glaubensmonopol inne.»

Damit spannte Roth den Bogen zu heute. Die reformierte Kirche als Staatskirche sieht sie gefährdet. «Um 1960 waren 50 Prozent der Schweizer Bevölkerung reformiert», sagte sie, «letztes Jahr noch 25 Prozent.» Besonders der Anteil Konfessionsloser steige «gewaltig». «Aus welchen Gründen auch immer.»

Angst vor Bedeutungsverlust

Diese Situation habe nun bei der reformierten Kirche des Kantons Zürich einen Prozess der Reflexion ausgelöst. Denn würde der Anteil an Mitgliedern unter zehn Prozent fallen, befürchtete die Pfarrerin, stelle sich ihre Position als Staatskirche wohl infrage. Ohne die entsprechenden Steuereinnahmen wäre sie dann etwa in der Position einer Freikirche oder eines Vereins. «Dabei würde aber verloren gehen, was unsere Kirche auszeichnet», gab Roth zu bedenken, «dass sie nämlich viele Arten der Frömmigkeit abdeckt.»

Ihrem Auftrag einer Kirche nach zwinglianischem Verständnis – die alle Gemeindemitglieder mit ihren unterschiedlichsten Denkweisen einbeziehe – komme sie nur wie anhin als Volkskirche nach, stellte die Pfarrerin klar. Um sich als solche halten zu können, sei das Mittel der Wahl: Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden.

Auch in Männedorf beschäftige das Thema, sagte sie den gut 80 Zuhörern im katholischen Pfarreizentrum St. Stephan. Um dann auf die dazu unternommenen Schritte einzugehen: Diese hätten 2017 begonnen. «Als Sechsergruppe mit Meilen, Uetikon, Stäfa, Hombrechtikon und Oetwil planten wir das Reformationsjubiläum.» Viel weiter ging die Zusammenarbeit nicht. «Meilen hat sich für den Alleingang entschieden und Oetwil für allfällige Gespräche mit Egg.»

Auch als Gruppe mit den restlichen vier sei es bald kompliziert geworden. Organisatorische Details und die Frage um die Steuerprozente hätten entzweit – buchstäblich: «Wir haben uns dann in zwei Tandems formiert», sagte Roth. So plane jetzt Männedorf mit Uetikon einerseits und andrerseits Stäfa mit Hombrechtikon je eine Fusion. Diese Zusammenarbeiten hätten auf der Hand gelegen, da sie oft schon auf Gemeindeebene – bei Feuerwehr, Sportvereinen und mehr – bestünden. «Die beiden Tandems sind aber weiterhin im Austausch.»

Antrag auf Fusion

Im Juni nun lege man in Männedorf und Uetikon den Fusionsantrag den Kirchgemeindeversammlungen vor. «Eine erste grosse Herausforderung werden die Steuerprozente sein», sagte Roth, zeigt sich aber zuversichtlich, dass dies gemeistert werde. Ziel sei die Fusion mit Uetikon auf 2024. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 20.03.2019, 17:56 Uhr

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