Küsnacht

Mit Spass dargestellte Paar-Gefechte

Mit 60 präsentiert Stephanie Gränicher ihren ersten Roman. In der Küsnachter Buchhandlung Wolf stellte sie sich den Fragen des Schauspielers Hanspeter Müller-Drossaart, der von «Foodparadies»begeistert ist.

Die Erlenbacherin Stephanie Gränicher liest gemeinsam mit Hanspeter Müller-Drossaart aus ihrem ersten Roman «Foodparadies».

Die Erlenbacherin Stephanie Gränicher liest gemeinsam mit Hanspeter Müller-Drossaart aus ihrem ersten Roman «Foodparadies». Bild: Michael Trost

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Stephanie Gränicher ist glücklich. Der renommierte Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart habe es «gewagt», wie sie ankündigt, an der Buchvernissage einer «völlig unbekannten Autorin», auch dies ihre Worte, mitzumachen. Nicht nur hat sich in der Küsnachter Buchhandlung Wolf am Dienstagabend zu diesem Anlass ein zahlreiches Publikum eingefunden. Mit Günter Bucher ist sogar der Verleger eigens aus Österreich angereist, um bei der ersten Präsentation von «Foodparadies» in der Schweiz dabei zu sein.

Der erste grosse Roman der gebürtigen Deutschen, die seit 35 Jahren in der Schweiz und heute in Erlenbach lebt, sei bereits an der Leipziger Buchmesse Mitte März mit Begeisterung aufgenommen worden, wie Bucher sagt. Als er Gränichers Manuskript in den Händen gehalten und gelesen habe, dass eine Schlange vorkommt, habe er als Schlangenliebhaber sofort die Verlegung des Buches veranlasst. Eine Aussage, die im Publikum zu Gelächter führt.

Kein ernstes Buch

Und da ist noch der Agent von Gränicher, Urs Heinz Aerni, der sie nicht nur «mit Rat und Erfahrung durch die Untiefen des Literaturbusiness» lenkte. Aerni, der auch als Agent von Müller-Drossaart agiert, hat den Schauspieler für die Lesung mit Moderation gewinnen können. «Wenn er mir sagt, das Buch ist gut, da musst du mitmachen, ich vertraue ihm», verrät Müller-Drossaart im Anschluss an der Lesung.

Natürlich hat er darauf den Roman gelesen, zumal er vorhatte, in einem lockeren Gespräch von Stephanie Gränicher zu erfahren, wie diese zum Schreiben kam und woher sie all das Material hatte. Zudem attestiert er der Autorin «ein elaboriertes Verständnis für die deutsche Sprache», das bei ihm Bewunderung ausgelöst habe. Auch ihre Fähigkeit, Zwischenmenschliches, das er «Paargeflecht und -gefecht» nennt, voller Ironie darzustellen, habe ihn amüsiert. Gränicher sagt dazu, sie habe bewusst kein ernstes Buch gewollt: «Meine Motivation war, dass die Leute beim Lesen Spass haben.»

Drei Jahre geschrieben

Obschon es der erste Wurf der 60-Jährigen ist, hat sie sich schon zeitlebens mit Sprache befasst, Literaturwissenschaft und Publizistik studiert und, so sagt sie, «extrem viel gelesen, querbeet alles von Klassikern bis zum Krimi» Unverblümt erzählt Gränicher, dass sie die handwerklichen Fähigkeiten in Schreibkursen, insbesondere an der Klubschule Migros, erlangt hat.

Mit diesem Rüstzeug begann sie 2012, ihre Pläne für einen Roman umzusetzen. Drei Jahre später war er fertig. Doch erst nachdem Freundinnen das Manuskript gelesen hatten und sie es korrigiert und schliesslich einem professionellen Lektorat vorgelegt hatte, landete es in Günter Buchers Verlag.

Die Kostproben der Autorin und des Moderators führen ins «Foodparadies», einem Einkaufszentrum in einer Stadt namens Dennburg, die Müller-Drossaart am liebsten gegoogelt hätte, wie er mit einem Zwinkern kommentiert: «So lebendig wird sie beschrieben, dass ich sie gerne besucht hätte.» In diesem Zentrum treffen neun Menschen aufeinander, die sich teilweise kennen und die im Verlauf des Plots durch ihre Lebensumstände aufgefordert werden, sich miteinander auseinanderzusetzen. «Stadt und alle Personen sind erfunden», beteuert Gränicher, doch haben eigene Episoden und Beobachtungen aus ihrem Umfeld zu den Geschichten geführt. Sie habe gar nicht so viel recherchieren müssen.

Mit Reggie fängt das Buch an, dessen Ehe mit Kurt auseinanderbricht. Derweil flirtet die junge Verkäuferin Lisa an der Kasse mit dem Studenten Florian. Ein weiteres Paar sind Marie und Felix. Er ist zwangspensioniert von einem Tag auf den andern zuhause und nimmt sich die Optimierung des Haushalts vor, nicht zum Vergnügen seiner Gattin. Schauspieler Müller-Drossaart liest dieses Kapitel mit seiner mimischen Kunst so unterhaltsam und lebendig, dass man die beiden förmlich vor sich sieht. Gränicher, die kein Vorbild zu haben vorgibt, gibt süffisant lächelnd zu: «Das Ehepaar ist nach Loriot empfunden.»

Nicht gelesen wird hingegen das Kapitel, in dem ein Netzpython vorkommt. Müller-Drossaart habe sich schwer getan mit dem männlichen Artikel, habe er doch vorher stets «die Python» gesagt. Aber die Autorin hat recherchiert: «Es heisst definitiv der Python.» Herr Bucher im Publikum bestätigt nickend. Ob die Schlange, die während einer Reptilienausstellung ausbricht, wieder eingefangen werden kann, bevor ein Unglück geschieht, erfährt man also erst, wenn man sich die 310 Seiten von «Foodparadies zu Gemüte führt.

Stephanie Gränicher, «Foodparadies», 311 S., Hg. Bucher (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.03.2018, 15:05 Uhr

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