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Mit seinem Nächsten den Weg zum Sterben gehen

Wenn eine Krankheit einen unheilbaren Verlauf nimmt, kommt Palliative Care zum Zug. Am Samstag hat im Spital Zollikerberg ein Informationstag zu dem Thema stattgefunden – im Rahmen des 12. Welttags der Palliative Care. Im Fokus standen die Angehörigen Sterbender.

Wenn es auf den Tod zugeht, ist menschliche Nähe zentral.
Wenn es auf den Tod zugeht, ist menschliche Nähe zentral.
Archiv / Sibylle Meier

Ein Glas Wein am Abend. Jeden Tag das Essen frei nach Wunsch. Die Familie an der Seite: Für viele Menschen sind diese Dinge der Inbegriff eines schönen Lebens. Doch sie haben auch viel mit dem Sterben zu tun. Das machte eine Informationsveranstaltung am Samstag im Spital Zollikerberg klar. Sie war der Palliative Care gewidmet – der Pflege unheilbar Kranker im letzten Abschnitt ihres Lebens. Der Anlass fand im Rahmen des 12. Welt-Palliative-Care-Tages statt, der heuer die Angehörigen Sterbender besonders thematisierte.

«Ziel von Palliative Care ist, dem Patienten bis zum Schluss eine möglichst hohe Lebens­qualität zu bieten», erklärte Anna Möhr, die als Pflegeexpertin Palliative Care auf der entsprechenden Abteilung im Akutbereich des Spitals Zollikerberg arbeitet. Möhr stellte sich mit ihren Berufskolleginnen vom Bereich Langzeitpflege, Beatrice Schär und Claudia Pflugshaupt, den Fragen Interessierter. Schär ist freiwillige Mitarbeitende in der Stiftung Diakoniewerk Neumünster, Pflugshaupt ist Pflegeexpertin Palliative Care in der Resi­denz Neumünster-Park. Residenz und Spital tragen Qualitätslabels für Palliative Care,die regelmässig rezertifiziert werden.

Bei Pflege mithelfen

Zentral sei, den Betroffenen entscheiden zu lassen, was hohe Lebensqualität für ihn ausmache, sagte Pflugshaupt. Die eingangs genannten kulinarischen Freuden, die Präsenz von Bezugs­personen ungeachtet von fixen Besuchszeiten oder spiritueller Austausch könnten hierbei etwa eine Rolle spielen. So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich die Präferenzen. Im Spital und in der Residenz ­trage man den Wünschen und ­Bedürfnissen der Patienten Rechnung – was mitunter einiges an Kreativität erfordere, wie Schär aus ihrem Alltag zu berichten wusste.

«Angehörige müssen ihre Kräfte schonen. Die Trennlinie zur psychischen Überlastung ist schmal.»

Beatrice Schär, Pflegeexpertin

Hierbei könnten die Nächsten einen aktiven Beitrag leisten. «Sie sind die Spezialisten, sie kennen den Patienten am besten», erklärte sie. Sie könnten ihm etwa mit seinem Lieblingsgetränk den Mund netzen, wenn das Schlucken nicht mehr möglich ist. Bringen sie sich in die Pflege ein, wirke dies ihrer eigenen Hilflosigkeit entgegen. Allerdings sei die Trennlinie zur psychischen Überlastung schmal. «Angehörige müssen ihre Kräfte schonen», gab die Pflegeexpertin zu bedenken. Denn die Sterbephase könne sich länger als ­erwartet hinziehen. Freiwillige stünden im Spital Zollikerberg und in der Residenz zur Entlastung der Familie bereit.

Im Leben übers Sterben reden

Wichtig für die Lebensqualität sei auch die Schmerztherapie. Meistens kommen morphinhaltige Arzneien zum Einsatz. «Patienten wie auch Angehörige denken beim Morphin oft an die Morphiumspritze, die im finalen Stadium verabreicht wird», führte Möhr aus. Dabei behandle man schon früher mit dem Wirkstoff, jedoch geringer dosiert und anders dargereicht. Nur das Empfinden des Betroffenen sei indes relevant, wenn es um die Höhe der Dosierung gehe – das müssten sowohl Pflegende wie auch Angehörige beherzigen.

«Bis 2013 gaben die Ärzte die Behandlung vor», sagte Möhr. Mit dem neuen Erwachsenenschutzrecht gilt das Selbstbestimmungsrecht des Patienten. Die drei Expertinnen strichen die Wichtigkeit von Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung hervor. Die beiden Dokumente würden nicht zuletzt die Angehörigen in einer ohnehin schweren Situation entlasten, wenn sich der Patient nicht mehr selber äussern könne. «Es sollte freilich schon zu Lebzeiten über das Sterben gesprochen werden.» In der Medizin ist dies immer mehr der Fall, dank den nationalen Leitlinien, die Palliative Care seit 2010 als Auftrag der Grundversicherung definieren. In der Gesellschaft hingegen sei der Tod noch immer ein starkes Tabu. Das spiegelte sich exemplarisch am Samstag: Nur eine Handvoll Leute wollte sich über das Thema informieren.

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