Küsnacht

Mit Schnorchel auf Entdeckungsreise

Das Naturnetz Pfannenstiel lädt diesen Sommer zu verschiedenen Abendspaziergängen. An einem stellte sich ZSZ-Redaktorin Fabia Bernet ihrer Angst vor der unbekannten Unterwasserwelt.

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Ich war schon unter Wasser unterwegs, da konnte ich noch gar nicht richtig schwimmen. Taucherbrille und Schnorchel sind fester Bestandteil meines Feriengepäcks.So gerne ich mich auch unter der Wasseroberfläche bewege: Bei jedem Tauchgang begleitet mich die irrationale Angst vor dem, was ich da unten entdecken könnte. Schlingpflanzen, die sich um mein Bein wickeln, Fische, die an meinen Zehen knabbern. In meinem Kopf machen sich jeweils Horrorszenarien breit.

Um meine Angst zu überwinden, bedarf es drastische Massnahmen. Ich muss wissen, welche Lebewesen sich im Zürichsee tummeln. Ganz nach dem Motto «Kenne deinen Feind». So finde ich mich also an einem lauen Sommerabend zusammen mit sechs anderen Personen am Küsnachter Horn ein. Patrick Steinmann, Gewässerbiologe, erklärte uns im Rahmen der Abendspaziergänge des Naturnetz Pfannenstiel, was alles im Zürichsee lebt und gedeiht. Seit sechs Jahren arbeitet Steinmann in der Abteilung Gewässerschutz beim beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft.

Ausgerüstet mit Schnorchel, Taucherbrille und Fangnetzen begeben wir uns ins Wasser. Bereit, das aquatische Leben zu erforschen. Ziel ist es, Steine, Pflanzen und gar Dreck an die Oberfläche zu holen, damit Steinmann die Fundstücke mit den Teilnehmern analysieren kann.Ich richte die Brille, hole tief Luft und tauche unter. Gradewegs auf das Seegras zu. Schliesslich bin ich ja hier, um mich meiner Angst zu stellen. Die Pflanzen unter Wasser bewegen sich sanft im Rhythmus der Wellen, und kleine Fische bahnen sich ihren Weg durch den Unterwasserwald. So weit, so harmlos.

Wieder aufgetaucht, erklärt Patrick Steinmann, dass es sich bei diesen Pflanzen — anders als der verbreitete Irrglaube besagt— nicht um Seegras handelt. Seegras existiere nur im Meer. Im Süsswasser seien es meist Laichkrautgewächse. Auch das Märchen um die Schlingpflanzen sei nicht wahr. Die Flora unter Wasser lasse sich ganz einfach von Hand zerreissen.Die anderen Amateur-Schnorchler kommen zurück an Land. Der Inhalt der Fangnetze wird in drei weisse Behälter verteilt. Eine Ansammlung von Seewasser, Steinen und Dreck. Doch der erste Blick trügt. Erst wenn man genau hinschaut, sieht man wie sich Höckerflohkrebse, Wandermuscheln und kleine Schnecken im Wasser bewegen.

Viele der Lebewesen hätten im Zürichsee gar nichts verloren, sagt Patrick Steinmann. Die Wandermuscheln, die den Badegästen Jahr für Jahr die Füsse zerschneiden, seien erst in den 1970er Jahren vom Schwarzen Meer in die Schweiz «eingewandert». Dasselbe gilt für den Höckerflohkrebs. Dieser bedrohe als Jäger gar die einheimischen Flohkrebse. Wie solche Tiere in ein anderes Land gelangen, lässt sich meist nicht genau eruieren. Möglich wäre der Weg über dein Rhein-Main-Donau-Kanal oder die Verschleppung durch Frachtschiffe.Die meisten Lebewesen, die wir an Land gebracht haben, sind so klein, dass sie von Auge nur schwer erkennbar sind. Auch die Existenz von gefährlichen Schlingpflanzen unter Wasser wurde von Patrick Steinmann widerlegt. Einzig die Angst vor den beissenden Fischen hat er mir nicht nehmen können.

Der Sonnenbarsch, sagt Steinmann, zwicke hin und wieder einen Menschen ins Bein, weil er seinen Laich verteidigt. Er unterscheide nicht zwischen feindlichem Fisch und friedlichem Schwimmer.

Doch von einem Fisch mit einer Grösse von 20 Zentimeter lasse ich mir die Freude am Tauchen nicht nehmen.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.07.2016, 16:15 Uhr

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