Bezirksgericht Meilen

Mit Messer auf Kollegin eingestochen

Ein 31-Jähriger soll auf offener Strasse in Feldbach eine Kollegin niedergestochen haben. Der Mann kämpft mit einem heftigen Drogenproblem. Wenn er mal nicht in einem Massnahmenzentrum oder einem Heim sass, lebte er auf der Strasse.

Rätselhafter Messerstich: Ein 31-Jähriger musste sich vor Gericht wegen eines Messerstichs  verantworten.

Rätselhafter Messerstich: Ein 31-Jähriger musste sich vor Gericht wegen eines Messerstichs verantworten. Bild: Symbolbild/Keystone

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Zu sagen, dass der Beschuldigte ein schweres Leben gehabt hat, wäre untertrieben. Etwas anderes als Heime, Massnahmenzentren, betreutes Wohnen oder die Strasse kennt der 31-Jährige nicht. Zuletzt wurde der Schweizer nach seiner Verhaftung in Untersuchungshaft gesteckt. Seit einem Jahr sitzt er im Gefängnis Zürich. Er hält sich für gesund, ein weiterer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik würde ihn «übertherapieren», meint er.

Drogen spielten eine zentrale Rolle in seinem Leben, im Gefängnis nimmt er täglich Methadon. Die Drogen haben ihn auch vor das Bezirksgericht Meilen gebracht. Mehrere Delikte werden ihm vorgeworfen, das schwerste ist eine Messerattacke auf eine Kollegin. Gemeinsam waren die beiden im Februar 2017 bei einem Kollegen in Feldbach. Man konsumierte diverse Drogen und Alkohol. Irgendwann wurde es dem 31-Jährigen zu viel, er ertrug die anderen nicht mehr. Also machte er sich auf Richtung Bahnhof. Sie wollte ihn überzeugen, zu bleiben. Oder zeigen, wie er zum Bahnhof kommt.

Von dem, was dann passierte, gibt es zwei Versionen. Er sagt, er habe sie weggeschickt. Daraufhin habe sie gemeint, er werde «noch büssen für das, was du meinem Grossvater angetan hast». Diesen kenne er nicht, sagt er auf Nachfrage der Richterin. Die Kollegin sagte hingegen, dass sie kurz umgekehrt sei, dann aber in seine Richtung gegangen sei. Plötzlich sei er aus dem Dunkeln aufgetaucht und habe ihr ein Sackmesser in den Bauch gerammt.

Fest steht, dass sie durch ein Messer erheblich verletzt wurde. Die Anklage lautet auf versuchte schwere Körperverletzung. Der Beschuldigte, der zu vielen Fragen die Aussage verweigert, deutet an, dass sie sich selber verletzt haben könnte. Er jedenfalls habe mit der Sache nichts zu tun. Er habe keinen Grund gehabt, sie anzugreifen. Welchen Grund denn sie hätte, ihn falsch zu beschuldigen, fragt die Richterin. Er verweist auf die Geschichte mit ihrem Grossvater.

Schräge Delikte

Eher seltsamer Natur sind die weiteren Anklagepunkte, die sich wohl mit seiner Drogensucht erklären lassen. In Zürich hat der Mann ein Auto aufgebrochen und daraus eine Polizeikelle, ein Navigationsgerät und die Bedienungsanlage für ein Blaulicht geklaut. Vor Gericht meint er zwar, dass er mit solchen Gegenständen nichts anfangen könne. Doch er räumt ein, damals das starke Schlafmittel Dormicum genommen zu haben. Danach habe er häufig nicht mehr gewusst, was er am Vortag gemacht habe. Den Einbruch in ein Restaurant beim Albisriederplatz gibt er zu. Dort hat er mehr Sachschaden angerichtet als Wertvolles geklaut. Unter anderem hat er eine Kasse beschädigt und mehrere Alkoholflaschen auf dem Boden zersplittern lassen. Für den Klau von zwei Flaschen Alkohol gab es nicht einmal eine Anzeige vom Besitzer.

Das dritte Delikt gibt er teilweise zu. Er habe im Globus einen Pulli gestohlen. Danach haben ihn zwei Ladendetektive verfolgt. Beim Handgemenge sei er mit der Faust an das Auge des einen gekommen, aus Versehen. Dieser trug eine Platzwunde davon.

Gegen stationäre Massnahme

Der Staatsanwalt fordert eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Die Aussagen des Beschuldigten hält er für abstrus. Die Strafe soll allerdings zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben werden. Dagegen wehrt sich der Beschuldigte vehement. Der Gutachter habe nur das Negative gesehen und ihn aufgrund von Akten vorverurteilt, statt mit ihm zu reden. Dass er selber die Gespräche abgebrochen hat, muss ihm die Richterin vorhalten.

Sein Verteidiger will eine milde Freiheitsstrafe. Die Messerattacke könne seinem Mandanten nicht nachgewiesen werden. Die restlichen Delikte gebe er grösstenteils zu. Von einer stationären Massnahme sei abzusehen. Diese sei zwecklos, wenn er sich gegen jegliche Therapie wehre. Der Staatsanwalt entgegnet, dass dann die Verwahrung im Raum stehe. «Das wollen wir in seinem Alter ja nicht», sagt er.

Sollte der 31-Jährige entlassen werden, wird er es nicht leicht haben. Er könne sich vorstellen, bei einem Schnellimbiss oder einem Lebensmittelladen zu arbeiten, sagt er. Etwas, das ihn nicht überfordere. Heute könne er sich auch vorstellen, zu studieren, Medizin oder Jus. Nur, er hat weder eine Lehre gemacht noch eine höhere Schule abgeschlossen.

Das Urteil wird in den nächsten Tagen schriftlich verkündet. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.06.2018, 09:58 Uhr

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