Wald

Mit Jägern und Polizisten auf Patrouille

Die Jagdgesellschaft Zumikon geht schon seit einiger Zeit gegen Mountainbiker vor, die unerlaubt querfeldein rasen. Am Mittwochabend gingen die Jäger gemeinsam mit der Gemeindepolizei auf Patrouille, um den Übeltätern das Handwerk zu legen.

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Wie eine Narbe zieht sich der Pfad durch das Unterholz. Er schlängelt sich um Bäume und Büsche, wird mal breiter, dann wieder schmaler. Der Regen tropft durch das Blätterdach, die Füsse sinken im Schlamm ein. Zwei Männer – der eine in Polizeiuniform, der andere in Jägerkluft – befestigen ein rot-weisses Absperrband zwischen den Baumstämmen.

Die Zumiker Jagdgesellschaft ist an diesem Mittwochabend gemeinsam mit zwei Polizisten im Wassbergwald auf Patrouille. Die fünf Männer halten Ausschau nach Mountainbikern, die abseits der offizielle Wege illegale Trails anlegen. Für die Jäger ist es nicht die erste Aktion dieser Art. Sie kämpfen schon länger gegen renitente Velofahrer – bislang jedoch auf verlorenem Posten. Obmann Kurt Erni erzählt von verschwundenen Hinweisplakaten und Absperrbändern, die entfernt wurden. Die Zusammenarbeit mit der Gemeindepolizei soll ihrem Anliegen nun mehr Nachdruck verleihen.

Die offiziellen Waldwege ziehen sich wie ein Spinnennetz über das gesamte Waldgebiet. Die Flächen zwischen den Strassen dienen dem Wild als Rückzugsorte. «Wird das Netz durch die verbotenen Abkürzungen noch engmaschiger, bleibt für die Tiere nicht genügend Platz übrig», sagt Erni. Vor allem für das Rehwild seien die vielen neuen Pfade ein Problem. «Anders als die Hirsche sind die Rehe beim Fressen wählerisch», erklärt Jäger Peter Schönmann. Werden sie dauernd durch Biker bei der Futtersuche gestört, erzeugt das Stress und sie werden anfälliger auf Krankheiten.

Mit ihrer Aktion wollen die Grünröcke informieren und aufklären. «Viele Mountainbiker wissen gar nicht, dass es verboten ist, abseits der offiziellen Strassen zu fahren», sagt Schönmann. Andere würden sich aber bewusst über die Regeln hinwegsetzen, widerspricht sein Kollege Thomas Schoch. «Vielen sind die Waldwege zu langweilig, sie wollen lieber querfeldein rasen.» Dabei lassen sie sich weder von Absperrungen noch von anderen Hindernissen aufhalten. Einige würden sogar regelrechte Räumungsarbeiten auf sich nehmen, erzählt Schönmann.

Zusammen mit Polizist Matthias Miller schleppt er einen Baumstamm vom Wegrand und platziert ihn mitten auf dem illegalen Biketrail. Gut sichtbar neben der Absperrung befestigt Polizist Daniel Ruckstuhl ein Plakat mit einem rot umkreisten Fahrrad. In einem ersten Schritt gehe es darum, die Leute auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen, sagt er. Wer aber abseits der Strasse mit einem Mountainbike oder auf einem Pferd unterwegs ist, macht sich gemäss dem kantonalen Waldgesetz strafbar und kann mit einer Busse bis zu 10 000 Franken bestraft werden. «Wiederholungstäter müssen damit rechnen, dass wir gegen sie eine Anzeige beim Statthalteramt einreichen», sagt Ruckstuhl.

Auf einem Trampelpfad geht es den Hang hinauf. Auf der rechten Seite erstreckt sich der Golfplatz, hie und da wird die Stille durch einen Abschlag und gedämpfte Stimmen unterbrochen. In der Ferne gurrt eine Türkentaube. Wie aus dem Nichts taucht ein Feldhase auf, nur um Sekunden später wieder im Unterholz zu verschwinden. Von den Mountainbikern fehlt an diesem Mittwochabend jede Spur. Auch sonst scheint an diesem regnerischen Abend niemand im Wald unterwegs zu sein. «Das ist der Vorführeffekt», sagt Schönmann. «Der Zumikerwald ist auch bei den Ausflüglern aus der Stadt Zürich beliebt.» Nicht nur Biker fahren an den nahe gelegenen Wassberg. Bis zu 400 Hunde würden täglich hier ausgeführt, sagt Erni. «Ein Grossteil davon wird mit dem Auto hergefahren.»

Doch auch die Gemeinden seeaufwärts hätten mit der zunehmenden Belastung zu kämpfen, wissen die Zumiker, die in regem Kontakt mit den anderen Jagdgesellschaften der Region stehen. «Auch dort gibt es immer mehr illegale Trails», sagt Schoch.

Am Uetliberg hat die Stadt Zürich vor einigen Jahren eine offizielle Downhill-Route genehmigt. Derzeit wird gar über einen zweiten Trail diskutiert. Hätte ein solches Projekt auch in Zumikon Chancen? «Die Gemeinde würde einen solchen Trail nicht bewilligen», ist Erni überzeugt. «Und wir Jäger würden uns mit Sicherheit dagegen wehren.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 03.09.2018, 09:04 Uhr

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