Küsnacht

Mit ihm können wissenschaftliche Vorträge Spass machen

Der Küsnachter ETH-Absolvent, Michael Morari ist Europameister im «Science Slam» – einem Wettbewerb für Vorträge – und moderierte nun die EM in Tschechien. Bei einem Treffen erzählt er, wie es dazu gekommen ist.

Biochemiker mit Flair für Geschichten: Michael Morari kombiniert zwei Interessenfelder.

Biochemiker mit Flair für Geschichten: Michael Morari kombiniert zwei Interessenfelder. Bild: Patrick Gutenberg

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Woraus bestehen Spinnweben und wie werden sie produziert? Michael Morari kann diese Fragen in zehn Minuten beantworten – und zwar wissenschaftlich fundiert und auf witzige Art und Weise. Der 26-Jährige studierte Chemieingenieur gewann mit seiner Präsentation «The amazing spider silk» im Oktober letzten Jahres die Science-Slam- Europameisterschaft in Hamburg. Science Slam werden Wettbewerbe genannt, an denen junge Wissenschaftler ihre Forschungsthemen in einem zehnminütigen Vortrag möglichst attraktiv vermitteln, die vom Publikum bewertet werden.

Seinen ersten Science Slam besuchte Morari während seinem Bachelorstudium in Biochemie an der ETH Zürich. «Das muss ich unbedingt auch mal machen», habe er beim Zuschauen gedacht. Auf der Bühne zu stehen und Geschichten zu erzählen, machte ihm schon seit jeher Spass. «Ich habe immer gerne Texte geschrieben, Theater gespielt und eigene Kurzfilme gedreht», so Morari. Der Science Slam bot ihm Gelegenheit, diese Leidenschaft mit seinen wissenschaftlichen Interessen zu verbinden. «Für einen Science Slam pickst du die spannendsten Aspekte deines Studiums heraus und versuchst sie auf eine kreative und lustige Art zu vermitteln», erzählt er.

Comicfigur trifft Wissenschaft

Nach reiflichem Überlegen entschied er sich, Spinnweben zum Thema seines Vortrags zu machen. Seine Faszination für Spinnen wurde von der Comicverfilmung Spider-Man aus dem Jahr 2002 geweckt. Im Film entwickelt der Schüler Peter Parker, nach dem Biss durch eine radioaktive Spinne Superkräfte. Auf einmal kann er Spinnweben aus seinen Handgelenken schiessen, an denen er sich als Spider-Man maskiert durch die Häuserschluchten New Yorks schwingt. Michael Morari war zehn Jahre alt, als er den Film im Kino sah. «Ich war total begeistert», erinnert er sich, «und bin noch heute ein Riesenfan.»

«In einen Science Slam vermittelst du auf lustige Art die spannendsten Aspekte deines Studiums.»Michael Morari

Im Mai 2016, nach dem Ende seines Masterstudiums in Chemie-Ingenieurwesen, nahm er mit seinem Vortrag am 12. Science Slam Zürich teil. Mit viel Witz nahm er das Publikum sofort für sich ein. Seinen Vortrag beendete er mit einem Spider-Man-Song, bei dem ihn ein Freund auf der Gitarre begleitete. «Den Song haben wir erst am Abend davor fertiggeschrieben und eingeübt», erzählt Morari.

Überraschendes Mail

Mit drei anderen Teilnehmern qualifizierte sich der Küsnachter für das 90-sekündige Finale, das er mit einem Freestyle Rap bestritt. «Auch das wollte ich schon immer mal machen», erzählt er lachend. Den Wettbewerb gewann der Küsnachter zwar nicht, eine tolle Erfahrung sei es aber allemal gewesen.

Rund fünf Monate später, im Herbst 2016, erwachte Morari an einem Donnerstagmorgen um zehn Uhr morgens und warf einen Blick auf sein Handy, wo er eine unerwartete Mail aus Hamburg entdeckte. Darin stand: «Lieber Michael, wir laden Dich herzlich zur Science-Slam-Europameisterschaft in Hamburg morgen Abend ein. Hast Du Zeit?» «Ja, natürlich!», habe er gesagt, als er 30 Minuten später die Organisatoren anrief. Mit vier Stunden Verspätung kam er tags darauf in Hamburg an, gerade noch rechtzeitig für seinen Auftritt.

Wieder beendete Morari seinen Vortrag mit dem Spider-Man-Song. Seinen Freund, der ihn auf der Gitarre begleitete, hatte er am Abend davor extra auf Video aufgenommen. Kurz darauf wurde der Küsnachter vom begeisterten Publikum in Hamburg zum Sieger der EM gekürt. Sein Preis: ein Jahres-Abonnement der Zeitschrift «Geo».

Wenn Morari von seinen zwei Auftritten erzählt, strahlt er vor Begeisterung. Entsprechend begeistert reiste er an die Europameisterschaften, die am Montag in Brno in Tschechien stattfanden – und bei denen er als Moderator amtete.

Chemiefirmen beraten

In Zukunft möchte Morari, seine Begeisterung für die Bühne mit einer spannenden beruflichen Tätigkeit verbinden. Ein erster Schritt ist ihm bereits gelungen. Seit einem Jahr arbeitet er bei der Firma Accenture und berät Chemieunternehmen. Die Erfahrungen am Science Slam haben ihn bewogen, diesen beruflichen Weg einzuschlagen. «In der Beratung kann ich die drei Sachen kombinieren, die mir auch am Science Slam besonders Spass gemacht haben», sagt er, «ein technisch anspruchsvolles Thema in kurzer Zeit aufarbeiten, auf das Wesentlichste reduzieren und schliesslich verständlich vermitteln zu können.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.12.2017, 15:26 Uhr

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