Hombrechtikon

Mit einer umfunktionierten Scheune hat das Gemeindeleben begonnen

Die Katholiken von Hombrechtikon feiern dieses Wochenende dreifach: 100 Jahre Pfarrei und Chor St. Niklaus und 50 Jahre Kirchgebäude. Letzteres steht für eine aufbruchsvolle Zeit.

Der 76-jährige Albert Gröbli (links) weiss viel über die Vergangenheit der Pfarrei St. Niklaus zu berichten. Gemeinsam mit Gemeindeleiter Bruno Gut-Fuchs schaut der treue Kirchgänger voller Vorfreude auf das Pfarreifest.

Der 76-jährige Albert Gröbli (links) weiss viel über die Vergangenheit der Pfarrei St. Niklaus zu berichten. Gemeinsam mit Gemeindeleiter Bruno Gut-Fuchs schaut der treue Kirchgänger voller Vorfreude auf das Pfarreifest. Bild: Sabine Rock

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Der Wunsch ist gross, die finanzielle Lage bescheiden – doch der Geist von den gut drei Dutzend Männern soll sich als erfinderisch erweisen. Diese sind im Restaurant Mühle im Hombrechtiker Tobel zusammen gekommen. Den Weg dahin haben die einen vom Dorf unternommen, die anderen von weiter her: aus Wolfhausen, Bubikon oder Grüningen.

Man schreibt den zweiten Oktobersonntag 1918. Die Versammelten eint neben ihrem Geschlecht und ihrem Wohnort in und um Hombrechtikon noch etwas: Sie sind katholisch. Drei Jahre zuvor haben sie sich als «katholischer Männerverein Hombrechtikon und Umgebung» konstituiert. Als solcher beschliessen sie nun den Kauf der Scheune des Restaurants Richttanne. Damit legen sie den Grundstein dessen, was in wenigen Tagen in Hombrechtikon gefeiert wird. Nämlich das 100-jährige Bestehen der Pfarrei St. Niklaus sowie des zugehörigen Chors.

Eine Missionsstation

Doch was hat die Scheune einer Wirtschaft mit der Pfarrei St.Niklaus zu tun? Antwort: Sie wird zur Kirche. Dafür baut man sie am alten Standort im Grenzdreieck von Hombrechtikon, Grüningen und Bubikon ab und im Dorfkern von Hombrechtikon wieder auf. Für einen «richtigen» Neubau fehlt in den Kriegszeiten das Geld. So erfinderisch der Umgang mit der Not, so bedeutend ist der 30. März 1919 für die Katholiken von und um Hombrechtikon: Es ist der Gründungstag ihrer Pfarrei. Vordem müssen sie für den Gottesdienst noch nach Männedorf reisen.

Genau genommen ist die neue Pfarrei eine Station der «inländischen Mission» – eine Art Filiale einer Kirche mit Vereinsstatus. Dies, weil die Katholische Kirche zu der Zeit im Kanton Zürich nicht staatlich anerkannt ist – als Folge der Reformation.

Er könne sich noch gut an die sogenannte Notkirche erinnern, sagt Albert Gröbli. Der 76-Jährige wohnt seit früher Kindheit in Hombrechtikon. Fast ebenso lang ist er aktiver Kirchgänger. Seinesgleichen finden sich denn auch über Jahrzehnte mit der umgebauten Scheune zurecht. Doch dann setzt «1963 eine enorme Aufbruchsstimmung» ein: Dies mit der Anerkennung der Katholischen Kirche als Staatskirche. «Dadurch wurde alles anders», erklärt Gröbli, «Kirchgemeinde und Kirchenpflege sind entstanden.» Dass die neue Bedeutung der Institution Kirche mit dem 220-plätzigen Behelfskirchlein nicht recht zusammen passt, ist bald klar: Ein Neubau wird gefordert.

Bau der Moderne

Die Katholische Kirche wird zu der Zeit aber noch anderweitig bewegt: Das Zweite Vatikanische Konzil löst innerkirchlich nicht minder Einschneidendes aus. Unter anderem, dass «der Pfarrer nicht mehr auf Latein und zum Hochaltar hin gewandt spricht», sagt Bruno Gut-Fuchs, seit 2004 der aktuelle Gemeindeleiter, «sondern auf Deutsch und zu den Leuten.» Darin zeige sich eine Haltung der Kirche, die sich neu der Gemeinde öffnet. «Im Gemeindeleben hat sich dies durch verstärktes soziales Engagement ausgedrückt“, erklärt Gut.

Der charakteristische Betonbau der katholischen Kirche Hombrechtikon entstand 1969. Bild: PD

Ein mehreckiger Betonbau, der nichts mehr von der traditionellen Kirchenschiff-Architektur hat. Dafür ein weit geöffneter Raum mit raffiniertem Lichteinfall. Kein üppiges Dekor, sondern schlichte Reduktion auf das Nötigste. Modernität, gepaart mit Zweckmässigkeit: So übersetzt Architekt Walter Moser diese zweifache Aufbruchsstimmung. Sein Projekt setzt sich 1965 gegen fünf Mitbewerber durch. 1969, vor 50 Jahren, wird die heutige Kirche eingeweiht: Auch das ein Grund zum Feiern.

«Natürlich gab es erst Opposition gegen diesen Bau», sagt Gröbli, der damals den finanziellen Aspekt der Bauplanung mitbegleitet hat. «Manches Kirchenmitglied hätte lieber eine ‹normale› Kirche gehabt, der Chor eine Empore.» Doch die Gestaltungsmöglichkeiten sind auf dem schmalen Landstück zwischen Rütistrasse und altem Bahnhofplatz begrenzt, wie auch die Mittel der Kirche.

Umsorgende Gemeinde

Aufbruch wird 1984 nochmals zum Thema – diesmal pfarreiintern begründet. «Zum ersten Mal hatten wir keinen eigenen Pfarrer», sagt Gut. Pastoralassistent Rolf Bezjak übernimmt die Leitung der Pfarrei. «Er ist zur tragenden Figur geworden», erinnert sich auch Gröbli. Indes, Bezjak arbeitet nur zu einem Drittelpensum in Hombrechtikon. «Bei den Gemeindemitgliedern löst das eine Welle des Engagements aus», erklärt Gröbli, «Freiwillige gründen eine Lektoren- und andere Gruppen und halten so das Kirchenleben aufrecht.» Damit sei die Gemeinde nicht mehr umsorgt, sondern umsorgend geworden.

Und wie steht es heute damit? «Die grosse Herausforderung ist, die jungen Leute anzusprechen», sagt Gut, «und hierfür die richtigen Angebote zu schaffen.» Über rückgängige Mitgliederzahlen habe sich die Pfarrei St. Niklaus jedoch nicht gross zu beklagen. «Dies nicht zuletzt dank Migranten aus zahlreichen Ländern», erklärt der Gemeindeleiter. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.05.2019, 17:12 Uhr

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