Hombrechtikon

Mit der Kettensäge auf den Pflaumenbaum der Nachbarin los

In Hombrechtikon hat ein Mann im Garten seiner Nachbarin einen Pflaumenbaum sowie Sträucher abgeholzt, geschreddert und entsorgt. Am Montag musste der 62-Jährige sich vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten.

Das Bezirksgericht Meilen hat einen Mann zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt, der in Hombrechtikon auf das Gelände einer Nachbarin vordrang, um einen Pflaumenbaum und Sträucher abzuholzen.

Das Bezirksgericht Meilen hat einen Mann zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt, der in Hombrechtikon auf das Gelände einer Nachbarin vordrang, um einen Pflaumenbaum und Sträucher abzuholzen. Bild: Symbolbild/Keystone

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Dass die Idylle in den Dörfern auf dem Land trügen kann und manch ein Nachbarschaftsstreit vor dem Richter endet, ist ein bekanntes Phänomen. Beispielhaft dafür ist ein Konflikt zwischen zwei ehemaligen Nachbarn, der am Montag vor dem Bezirksgericht Meilen verhandelt worden ist. Beschuldigt wurde ein Mann aus Hombrechtikon, der im September 2016 kurzerhand zur Kettensäge griff und auf das Grundstück seiner damaligen, zum Zeitpunkt des Geschehens nicht anwesenden Nachbarin eindrang.

Dort schritt der Mann zur Tat und fällte gemäss dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland einen Pflaumenbaum und Sträucher, weil er und seine Gattin deren Schattenwurf als störend empfanden. Das Holz brachte er auf sein eigenes Grundstück, um es in Stücke zu zerlegen, zu schreddern und zu entsorgen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung sowie Sachentziehung vor und verlangte eine bedingte Geldstrafe von 3000 Franken sowie eine Busse von 600 Franken. Die Privatklägerin machte einen Schaden von rund 3500 Franken geltend, insbesondere für den Verlust ihres Pflaumenbaums. «Das war ein wunderschöner Baum, den mein Vater einst gepflanzt hat», sagte sie vor Gericht.

Kontroverse zum Wert

Die Frau war in der fraglichen Zeit daran, ihre Liegenschaft in Hombrechtikon zu verkaufen und wohnt heute nicht mehr dort. Der Nachbar habe sie quälen wollen, meinte sie unter anderem, und er habe die Tatsache ausgenutzt, dass sie damals allein gewesen sei. Seine Abholzaktion auf ihrem Gelände sei auch deshalb schlimm gewesen, weil sie den Käufern ihrer Liegenschaft versprochen habe, am Baumbestand nichts zu verändern.

Auf die Frage der Richterin, worin genau der materielle Schaden für sie bestehe, meinte die Klägerin, dass ein Baum, der einem gehöre, auch einen persönlichen Wert habe. Sie attestierte aber, dass die Fällaktion den Verkaufspreis ihrer Liegenschaft nicht beeinflusst habe. Die neuen Besitzer hätten sich wegen der Lücke im Holzbestand jedoch «sehr enttäuscht» gezeigt.

Der Beschuldigte wehrte sich mit mehreren Argumenten dagegen, dass er der Ex-Nachbarin einen materiellen Schaden zugefügt habe. So erklärte er, dass es sich beim Pflaumenbaum und den Sträuchern lediglich um «Wildgehölz» gehandelt habe – und nicht um selbst gepflanzte Gewächse mit einem finanziellen Wert. Man könne ihm deshalb auch keine Sachbeschädigung vorwerfen. Er bestritt zudem, dass er einen Diebstahl begangen habe, da er das Holz ja entsorgt und nichts damit verdient habe.

Gegenüber der Klägerin fuhr er recht grobes Geschütz auf: So warf er ihr vor, sie wolle ihn mit ihrer Klage fertigmachen, seinen Ruf schädigen und aus seinem «Fehler» Kapital schlagen, um sich zu bereichern. Schliesslich betonte der Mann, dass er sich zu einem Vergleich bereit erklärt habe. Er sei nach wie vor willens, als Wiedergutmachung einen Beitrag zu leisten – aber nur an eine wohltätige Institution, nicht an die Klägerin.

Differenzierte Argumentation

Die Bezirksrichterin ging auf die meisten Argumente des Beschuldigten nicht ein. Die Tatbestände der Sachbeschädigung und der Sachentziehung seien erwiesen, hielt sie fest, und es spiele für deren Beurteilung auch keine Rolle, ob das gefällte Holz einen materiellen Wert habe oder nicht. Tatsache sei, dass der Mann etwas mitgenommen und zerstört habe, was ihm nicht gehöre.

Vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs sprach die Richterin den Beschuldigten jedoch frei, mit der Begründung, dass das Grundstück der Klägerin keine «Umfriedung» gehabt habe, zum Beispiel in Form eines durchgehenden Zauns. Weiter wies die Richterin den Vorwurf zurück, die Klägerin wolle sich einfach bereichern. Umgekehrt sah sie aber auch keinen stichhaltigen Grund für eine finanzielle Entschädigung der Frau, weshalb das Gericht die zivilen Ansprüche der Klägerin abwies.

Das Gericht verurteilte den Beschuldigten zur einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 160 Franken. Das entspricht 3200 Franken und 200 Franken mehr als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Der Vollzug wird aufgeschoben, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Dazu kommen eine Busse von 600 Franken und Gerichtskosten von maximal 1700 Franken, die der Beschuldigte zu tragen hat. Gegen das Urteil kann innert zehn Tagen Berufung angemeldet werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.08.2018, 16:22 Uhr

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