Hombrechtikon

Mit der Erforschung der CO2-Bilanz zum Umweltpreis

Bauelemente mit Stroh weisen eine negative CO2-Bilanz auf. Dies hat Felix Krause unter anderem in seiner Masterarbeit in Bauingenieurwissenschaften herausgefunden. Damit wurde der Hombrechtiker mit dem Migros-Umweltpreis ausgezeichnet.

Der Hombrechtiker Felix Krause hat seine Masterarbeit im Bauingenieurwesen abgeschlossen.

Der Hombrechtiker Felix Krause hat seine Masterarbeit im Bauingenieurwesen abgeschlossen. Bild: Sabine Rock

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Ein nachhaltiges Bauelement aus natürlichen Rohstoffen der Region: Das war die Vision eines Architekten. Im Laufe der Zeit festigte sie sich zur konkreten Idee. Das Element bestehend aus Holz, Stroh und Lehm sollte auf seine Realisierbarkeit erforscht werden – und vor allem, auf seine CO2-Bilanz. Mit dieser Vorgabe war der Architekt an die Abteilung für nachhaltiges Bauen der ETH gelangt. Und dort kam das Projekt alsbald in die Hände des damaligen Masterstudenten Felix Krause. Dieser hatte sich in der Vertiefungsphase seines Studiums mit der Analyse von Lebenszyklen verschiedener Bauelemente befasst – im Hinblick auf deren Nachhaltigkeit. Der innovative Baustoff, der bislang noch nicht mit der genannten Fragestellung untersucht worden war, wurde Krause zum Thema seiner Masterarbeit.

Fünf Monate, etliche Analysen, Berechnungen und Folgerungen später, hatte der 26-jährige Hombrechtiker nicht nur die Note Sechs für sein Diplom auf sicher. Er konnte im Oktober zudem als Sieger den Migros-Umweltpreis entgegen nehmen. Der Grossverteiler ehrt mit dem Preis Studierende, die sich mit ihrem Wissen für den Klima- und Umweltschutz einsetzen. Dieses Jahr wurde er zum zweiten Mal an insgesamt drei Hochschulabsolventen vergeben.

Neuer Ansatz

«Entscheidend bei meiner Arbeit war, die CO2-Bilanz mit einem neuen Ansatz anzuschauen», sagt Krause, der sich schon früh für Technik interessiert hat. Der traditionelle Ansatz vergleicht die CO2-Abgabe und -speicherung eines Materials zwischen Produktion und Rückbau. «Der neue Ansatz ist ein dynamischer», erklärt der mittlerweile diplomierte Bauingenieur. «Es geht dabei um die Frage, zu welchem Zeitpunkt CO2 frei, beziehungsweise gespeichert wird.» Krause stellt die Sachlage vereinfacht so dar: «Ein Lebensmittelladen, der im Januar und August keine Osterhasen im Gestell hat, macht die Bilanz von null Osterhasen.» Dass dazwischen Ostern mit den entsprechenden Zu- und Verkäufen gewesen sei, ignoriere der traditionelle Ansatz. Anders der dynamische Ansatz, der die Abläufe dazwischen mitberücksichtige.

Bei seiner Arbeit teilte er nun den gesamten Lebenszyklus des untersuchten Bauelements in Jahre ein. Auf diese Weise hat er Stroh mit herkömmlichen Baustoffen, wie Holz und Beton, verglichen. Dass biogene Baustoffe eine bessere CO2-Bilanz aufweisen, sei bekannt gewesen. «Im Vergleich zwischen Holz und Stroh hat sich das Stroh als besonders vorteilhaft erwiesen.» Dies aufgrund des schnellen Wachstums von Gras und Getreide, das aus dem Stroh entstehe. «Es nimmt früher und schneller das Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf als die viel langsamer wachsenden Bäume.»

Verarbeitet zu einem Bauelement, halte das Stroh das CO2 bereits gespeichert, zu einem Zeitpunkt, in dem Holz noch immer im Stadium der Produktion sei, sagt er und zeichnet begeistert ein Diagramm, bestehend aus den Koordinaten CO2-Menge und Zeit, in das Notizheft der Journalistin. «Dadurch fällt die CO2-Bilanz von Stroh negativ aus.» Wesentlich sei zudem, wie das Produkt nach Ende seiner Lebensdauer entsorgt werde. «Durch Materialrecycling bleibt das CO2 gespeichert, es ist darum das Verfahren der Wahl.» Verbrennung würde Kohlendioxid wieder freisetzen, was die Nachhaltigkeit des Produkts zunichtemache.

Arbeit nicht auf dem Gebiet

Trotz dieses Ergebnisses glaubt Krause nicht, dass Bauelemente mit Stroh in naher Zukunft eine grosse Nachfrage auslösen werden. «Das Material ist zu wenig stabil.» Selber arbeitet er momentan, trotz des erhaltenen Preises, in einem gänzlich anderem Bereich als der Nachhaltigkeit: Er hat seine erste Stelle in einem Ingenieurbüro in der Abteilung Infrastruktur gefunden, wo er sich mit dem Strassenbau befasst. Ein Widerspruch, gibt er zu. Doch diese Branche habe viel Potenzial bei der Optimierung von Baumaterialien. Dass er sich später beruflich wieder gezielt mit Nachhaltigkeit befasst, schliesst Krause nicht aus. «Allerdings bin ich weniger Erfinder, mehr der Analytiker», sagt er. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.11.2017, 16:09 Uhr

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