Energieregion

«Mit dem Stromtankstellennetz haben wir einen konkreten Nutzen»

Die Energieregion Bezirk Meilen geht in die zweite Programmphase. Der Uetiker Gemeinderat und Kantonsrat Christian Schucan (FDP) erläutert, was das Konzept der Region bringt und welche Projekte geplant sind.

Christian Schucan spricht nicht nur für Uetikon, sondern auch für die Energieregion Bezirk Meilen.

Christian Schucan spricht nicht nur für Uetikon, sondern auch für die Energieregion Bezirk Meilen. Bild: David Baer

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In den Gemeinden des Bezirks Meilen gibt es unzählige Programme, um die Energieeffizienz zu steigern. Weswegen ist eine Energieregion Bezirk Meilen überhaupt notwendig?
Christian Schucan: Wir haben Themen gesucht, die einen übergreifenden Charakter haben. Beim nun in Herrliberg geplanten Stromtankstellennetz ist es beispielsweise sinnvoll, dass nicht jede Gemeinde ein eigenes Abrechnungssystem hat, sondern dass wir miteinander einen Standard definieren.

Vier Gemeinden mit vier Projekten sind Teil der Energieregion: Sind diese alle gemeindeübergreifend?
Die Idee ist eigentlich immer übergreifend, aber die Projekte haben ihren Kern in den Gemeinden. Die Idee für ein Fotovoltaik-Projekt ist etwa in Meilen entstanden. Nachher sehen wir, was und wie wir es in den anderen Gemeinden übernehmen können. Eigentlich sind es jeweils Pilotprojekte.

Ist es nicht Etikettenschwindel, von der Energieregion Bezirk Meilen zu sprechen, wenn nur vier der elf Bezirksgemeinden mitmachen?
Wir wollen alle Gemeinden dazu animieren, mitzumachen. In der ersten Phase war auch noch Küsnacht dabei. Es gibt einen Erfahrungsaustausch zwischen den Gemeinden, zu dem alle eingeladen sind. Die anderen Gemeinden dürfen partizipieren, wenn sie das wollen.

Markus Ernst, der Küsnachter Gemeindepräsident, hat in der ZSZ gesagt, für seine Gemeinde sei der Aufwand zu gross im Vergleich zum nicht vorhandenen Nutzen. Was entgegnen Sie ihm?
Der Bund möchte, dass wir nachhaltige Strukturen etablieren. Wir möchten allerdings den Gemeinden weiterhin ihre Autonomie lassen. Alle hatten Vorbehalte in Bezug auf Zusatzstrukturen, aber Küsnacht hatte am meisten Respekt vor einer Struktur, die zusätzlichen Aufwand generiert. Wir machen keine Projekte wegen der Energieregion. Wir machen diese, weil wir überzeugt sind, dass sie gut sind. Das macht die Diskussion über den unnötigen Aufwand für diese vier Projekte obsolet.

Inwiefern ist der Aufwand auch eine finanzielle Frage?
Die Energieregion bindet natürlich gewisse Ressourcen in der Verwaltung. Das Projekt verursacht Arbeit, die an anderer Stelle nicht mehr zur Verfügung steht. Das ist durchaus in die Entscheide der Gemeinderäte mit eingeflossen. Die vier Gemeinden, die dabei sind, haben entschieden, dass dies verhältnismässig für sie sei. Der Aufwand für die Energieregion selbst ist in einem kleinen Rahmen zu sehen. Wir treffen uns, um zu koordinieren, aber es gibt keine grosse Struktur, die wir pflegen müssten.

Was bringt die Energieregion dem einzelnen Bürger?
Mit dem Stromtankstellennetz und einem dazugehörenden Abrechnungssystem haben wir wirklich einen konkreten Nutzen für den einzelnen Bürger. Heute sind Stromtankstellen häufig gratis, was nicht ganz korrekt ist. Es ist auch Energie, die bezogen wird, aber man scheute sich bis anhin, dies zu verrechnen.

Uetikon plant im Rahmen der Energieregion ein Kompetenzzentrum Energie. Was kann ich mir darunter vorstellen?
Heute stellen wir fest, dass es im Bezirk sehr viele unterschied­liche Beratungsdienstleistungen gibt. Unter anderem müssen auch die Werke gewisse Beratungsleistungen zur Verfügung stellen. Da stellt sich die Frage, wie sich der normale Bürger ein Bild machen kann. Die Idee vom Kompetenzzentrum ist es, Struktur reinzubringen. Es geht um die Information für den Bürger: Wo findet er etwas im Bezirk zum Thema erneuerbare Energien und Energieeffizienz?

Und das Kompetenzzentrum stünde nicht nur Ueti­kern, sondern auch Einwohnern anderer Bezirksgemeinden offen?
Genau.

Meilen plant zeitlich gesehen das erste Projekt: Worum geht es?
Es ist ein Fotovoltaikprojekt, in dem es um Leute geht, die vielleicht gerne in eine Solarstromanlage investieren würden, dies aber nicht können: Sei es, dass die Investition zu kostspielig wäre, sei es, dass sie kein Dach dafür haben. Die Idee ist, dass sie sich an Projekten der Energie und Wasser Meilen AG, welche die Anlage baut, beteiligen. Nachher erhalten sie in dem Umfang, in welchem sie sich beteiligen, Solarstrom. Sollte dies in Mei­len funktionieren, können wir es nachher auf die anderen Gemeinden multiplizieren.

Wann geht es los mit dem Meilemer Projekt?
Meilen ist schon dabei. Die Projekte, die bereits reif sind, sind diejenigen, die bald starten.

In Männedorf soll im Rahmen der Energieregion Seewasser als Wärmequelle genutzt werden: Das ist aber keine neue Idee.
Nein die Energiegewinnung aus Seewasser ist keine neue Idee. Die Frage ist aber, wie kann ich Wärme auf eine längere Distanz transportieren, ohne dass ich sie verliere. Wenn wir einen anderen Ansatz für dieses Problem fänden, müsste nicht mehr jede Gemeinde ein eigenes solches Projekt durchführen. Dahinter steht auch ein gewisser Forschungs­aspekt.

Gibt es schon Gespräche mit möglichen Partnern aus der Wissenschaft?
Wir haben noch nicht konkret mit Partnern Kontakt aufgenommen. Aber es ist naheliegend, dass es eine ETH oder die Fachhochschule Rapperswil sein wird, wo wir mit dem Thema vorstellig werden.

Die erste Phase der Energie­region ist vorbei: Was war nach diesen zwei Jahren ausschlaggebend dafür, dass die vier Gemeinden gesagt haben, wir wollen das fortführen?
Wir haben eine Potenzialanalyse gemacht. Dabei haben wir fest­gestellt, dass wir signifikant Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz und Nutzung von erneuerbaren Energien in der Region haben. Man hat sich überlegt, wie sieht der Energieverbrauch aus und was haben wir für Energiequellen. Weil wir ­Sonne als Energiequelle haben, haben wir ein Projekt im Bereich Fotovoltaik und wegen des Seewassers den Wärmeverbund. Ausserdem könnten wir uns in der Mobilität weiterentwickeln, was zur Idee für das Stromtankstellennetz geführt hat. Das Kompetenzzentrum Energie ist wie eine schliessende Klammer für die anderen Projekte.

Die Potenzialanalyse könnte man also als Fundament eines Hauses bezeichnen, und jetzt begin­nen die vier Gemeinden, die Wände zu bauen?
Ja, dieser Vergleich passt sehr gut.

Nun sind zunächst zwei Jahre geplant, dann besteht die Option, die Energieregion um weitere zwei Jahre zu verlängern. Was wären dafür die Kriterien?
Im Prinzip wird das Bundesamt für Energie (BFE) überprüfen, ob wir das, was wir uns vorgenommen, auch erreicht haben. Das BFE will natürlich nicht investieren, und dann passiert nichts. Wenn wir die ersten beiden Projekte sauber über die Bühne bekom­men, ist absehbar, dass die zweite Phase kommen wird.

Wie sieht die Förderung aus Bern konkret aus?
Es ist ein finanzieller Beitrag.

Wie hoch ist er?
Es sind 15 000 Franken pro Jahr, die es uns erlauben, unsere externen Kosten, etwa wenn wir eine Studie in Auftrag geben, zu decken.

Was sehen Sie vor Ihrem inneren Auge, wenn Sie sich den Bezirk Meilen energietechnisch im Jahr 2050 vorstellen?
Vor meinem inneren Auge sehe ich, dass wir dann einen grossen Schritt weiter sind. Es wird mehr Fotovoltaikanlagen geben, man wird mehr Seewasser nutzen. Es wird sicher auch Entwicklungen geben, die wir heute noch nicht vorhersehen können. Die Thematik, wie Strom sinnvoll gespeichert werden kann, müssen wir anschauen. Da wird die Forschung sicher noch interessante Erkenntnisse liefern. Zum Beispiel könnte es ein Thema sein, ob wir in der Region ein Speichersystem für den Solarstrom aufbauen.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.06.2016, 15:56 Uhr

Energieregion

Energieeffizienz steigern

Herrliberg, Meilen, Uetikon und Männedorf haben sich für die zweite Programmphase als Energieregion Bezirk Meilen beworben und vom Bundesamt für Energie (BFE) eine positive Zu­sage erhalten. Dabei sollen Gemeinden, gemäss BFE, ihren Bedürfnissen entsprechend, energetische Verbesserungen durchführen. Mitglied in einer Energieregion können nur Gemeinden sein, die Energiestadt oder Mitglied im Trägerverein Energiestadt sind. Die Energie­region Bezirk Meilen besteht bereits seit 2014, wobei in der ersten Phase auch Küsnacht noch Teil des Projektes war. Der Zuschlag des BFE gilt für die Jahre 2016 und 2017 mit der Option für eine Verlängerung bis 2019. Insgesamt gibt es 23 Energie­regionen in der Schweiz.(phs)

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