Stäfa

Mit dem Saxofon zum Gottesdienst

Pfarrer Martin Scheidegger ist zwar erst seit Oktober im Amt, wartet aber schon mit Neuerungen auf: Am Sonntag wird er den Gottesdienst mit Jazzmusik bereichern.

Martin Scheidegger verbindet seine musikalischen Interessen mit der Arbeit in der Kirche.

Martin Scheidegger verbindet seine musikalischen Interessen mit der Arbeit in der Kirche. Bild: Patrick Gutenberg

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Musik oder Theologie? Diese Frage stellte sich Martin Scheidegger als Jugendlicher, als es galt, die Weichen zu stellen für die spätere Berufswahl. Denn er spielte schon als Kind mit Freude Klarinette. «Es war ein langes Hin und Her, bis ich mich für die Theologie entschied», erzählt er im Forum Kirchbühl gegenüber der reformierten Kirche Stäfa. Und schiebt die Gründe nach: «Als Jugendlicher beschäftigten mich viele Fragen, und ich sagte mir, dass ich die Antworten im Verlauf eines Theologiestudiums finden würde.»

Dabei hat der im Zürcher Unterland Aufgewachsene erst nach einer kaufmännischen Lehre diese Richtung eingeschlagen: Er holte die Matur nach, um sich dem Studium widmen zu können. Heute weiss der 46-jährige Vater einer zehnjährigen Tochter, der mit seiner Familie in ­Uster zu Hause ist, dass er den richtigen Beruf ausübt: «Was gibt es Faszinierenderes als Gott, die biblischen Texte und die Menschen? Das Pfarramt ist vielseitig und ich bin gerne mit Menschen in unterschiedlichen Situationen.»

Forschung und Praxis

Seit 2007 amtet Martin Scheidegger als Pfarrer, zuerst im Klettgau, dann im Tösstal und zuletzt in Mönchaltorf, bevor er sich für die 50-Prozent-Stelle in Stäfa bewarb. Seit vergangenen Oktober ist er nun im Viererteam der reformierten Kirchgemeinde für die Seniorenarbeit zuständig. Die Teilzeitanstellung kommt ihm gelegen, da er noch eine Assistenzstelle an der theologischen Fakultät der Universität Zürich innehat, wo er sich seiner Doktorarbeit widmet. Die Kombination von der Forschung bei «seinem» Professor und der Praxis bei den Stäfner Reformierten bezeichnet er als ideale Inspiration.

Für Martin Scheidegger ist es die erste Stelle in einem grösseren Team mit einem Schwerpunkt, denn davor war er als «Allround-Pfarrer», wie er es nennt, für alle Bereiche verantwortlich. Schon im Vorstellungsgespräch habe er betont, dass er gedenke, im Gottesdienst neben dem Wort als weiteres Ausdrucksmittel Musik einzusetzen. Das probierte er in Mönchaltorf schon aus, was ihm positive Rückmeldungen einbrachte. Nicht von ungefähr befasst er sich in seiner Doktorarbeit mit «Improvisation in Predigt, Seelsorge und Jazz». Die theoretischen Erkenntnisse lässt er demnach nahtlos in die Praxis einfliessen und kann dadurch ergründen, ob seine Thesen ankommen.

Inzwischen spielt Scheidegger nebst der Klarinette auch Tenorsaxofon, ein typisches Instrument im Jazz. Auf Wunsch wird das Gespräch in die Kirche verlegt. wo der Pfarrer für den späteren Fototermin das Blasinstrument bereitgestellt hat. Er nimmt es auf und schreitet damit auf dem Mittelgang Richtung Chor. Dort führt er das Mundstück an die Lippen und entlockt dem Saxofon melancholische Klänge, rund, sanft und fliessend, die den ganzen Kirchenraum erfüllen. Kein Mikrofon, keine Verstärker, nur der natürliche, sonore Ton, der sich anfühlt, als wären es tröstende Worte.

Ein anderer Gottesdienst

Genau das ist es, was ihm vorschwebt: «Mit der Musik kann ich das Gesagte und die daraus entstandene Atmosphäre aufnehmen, weitertragen und so auf eine andere Art verdeutlichen», sagt Scheidegger zur Einführung seines Jazz-Gottesdienstes. In den vergangenen Monaten habe er der Gemeinde gezeigt, dass er «normale» Gottesdienste leiten könne, und so denke er, «dass jetzt auch ein etwas aussergewöhnlicher Gottesdienst drin liegt». Mit der Musiksequenz ­hätten die Menschen eine Gelegenheit, das soeben ­Gehörte zu vertiefen. Darum habe er nicht vor, ein Musikstück vorzuspielen. Vielmehr gedenke er, freie Improvisationen zu intonieren, ganz auf die Stimmung während des Gottesdienstes eingehend.

Am Sonntag spielt er gemeinsam mit Yves Theiler am Flügel. Die beiden kennen sich bereits von früheren Anlässen dieser Art, sodass der Pianist weiss, worauf er sich einlässt. Es kann sein, dass er das Klavierspiel aufnimmt, während der Pfarrer noch am Sprechen ist. Scheidegger vertraut dem Gespür des Profimusikers. Beide Musiker werden aufeinander hören und darauf reagieren.

Dem Evangelium auf der Spur durch Wort und Musik: Sonntag, 31. März, 10 Uhr, ref. Kirche Stäfa. Nächster Jazz-Gottesdienst am 9. Juni mit der afroamerikanischen Sängerin Sandy Patton, begleitet vom Pianisten Martin Jufer und Martin Scheidegger am Saxofon.

Erstellt: 28.03.2019, 09:50 Uhr

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