Zollikon

Die Familie steht in ihrer Kirche im Mittelpunkt

Diana Päpcke ist die neue Pfarrerin von Zollikon. Die 28-Jährige erklärt, warum sie vom Berufsalltag in der Kirchgemeinde fasziniert ist.

Pfarrerin Diana Päpcke an ihrem Wirkungsort in Zollikon.

Pfarrerin Diana Päpcke an ihrem Wirkungsort in Zollikon. Bild: Manuela Matt

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Eigentlich war sie an diesem Tag schon genug gefordert. Doch dann geschieht es. Auf einmal sieht Diana Päpcke ihr künftiges Studium vor Augen. Es ist nicht die Medizin und auch nicht die Betriebswirtschaftslehre. Zwischen diesen beiden Ausbildungen hat sie sich bis dahin nie recht entscheiden können. Nein – die Theologie.

Als sie die Erkenntnis trifft, steht Päpcke einen Tag vor ihrer ersten Maturprüfung. Sie räumt ihre Bücher und Hefte auf die Seite. Statt zu lernen beginnt sie, über das Theologiestudium zu recherchieren. Und ist alsdann von der Fächervielfalt an alten Sprachen, Ethik, Kirchengeschichte, Philosophie und den vielen theologiespezifischen Facetten in Bann gezogen.

«Diese Erfahrung ist mir eingefahren wie ein Blitzschlag», sagt Päpcke heute. Heute – da wohnt die 28-Jährige seit August schon mit ihrem Mann im Pfarrhaus Zollikerberg. Vor gut zwei Wochen ist sie offiziell in ihr Amt als Pfarrerin eingesetzt worden. Päpcke hat damit die Nachfolge von Lea Scherler angetreten, die sich letztes Jahr von der Gemeinde verabschiedet hat.

Schwerpunkt Familie

Sie habe sich in dem eindrücklichen Klarwerden ihres Weges von Gott getragen gefühlt, erklärt sie. Und fügt fast entschuldigend an: «Das klingt jetzt etwas religiös.» Denn irgendwie ist sie, die sich als rationalen Menschen beschreibt, auch selber erstaunt über ihren Werdegang.

Zwar habe sie bis zu dem schicksalhaften Moment so etwas wie eine religiöse Selbstverständlichkeit gelebt: die biblischen Geschichten seien ihr vertraut gewesen, an Feiertagen habe sie den Gottesdienst besucht und in ihrer Freizeit im kirchlichen Posaunenchor mitgewirkt. Letzteres, «weil man das in meiner norddeutschen Heimat einfach gemacht hat» – Päpcke stammt aus dem schleswig-holsteinischen Ratzeburg. Viel mehr war da aber nicht. Auch «kein Bekehrungserlebnis», wie sie lachend klarstellt.

Das Studium stellt sich ihr dann als «noch viel besser als erwartet» heraus. Nun, im Berufsalltag, scheint sich ihre Begeisterung nicht verringert zu haben. «Ich freue mich an allem», sagt sie. In erster Linie: an den Begegnungen mit den Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen. Daran, sie beim Feiern wie auch beim Trauern zu begleiten. An den Gesprächen buchstäblich «um Gott und die Welt», auch jenseits der Grenzen von Konfessionen und Glaubensrichtungen. An der Arbeit mit den Konfirmanden, mit Familien und Kindern – ihrem Schwerpunkt nun in Zollikon.

«Es braucht Rituale, mit denen die Kirche auf der Höhe der Zeit bleibt»Diana Päpcke

Da, in der Gemeinde, fühle sie sich denn auch wohl. Eine berührende Einsetzung habe sie erlebt durch die vielen Leute, die gekommen seien. «Da ist mir klar geworden», erklärt Päpcke, «dass ich angekommen bin.» Dies umso mehr, da Zollikon nahe an Zürich liegt: Die Limmatstadt schätzt sie, seit sie vor viereinhalb Jahren ihr Studienabschluss dahin geführt hat, dies nach Semestern in Kiel und Jerusalem.

Zwar sei sie noch daran, sich einzuleben, sich in die Abläufe und Zuständigkeiten einzufinden. Gleichwohl, an Ideen und Plänen fehlt es ihr nicht. Sie denkt dabei etwa an das öffentliche Café, das im Kirchgemeindehaus Berg entsteht. «Mir schwebt damit ein neuer Ort der Seelsorge vor.» Oder an kirchliche Angebote für Expats, an neue Formen von Ritualen. Letztere etwa als Weihnachtsfeiern für Menschen, denen gerade nicht ums Feiern zumute ist. «Es braucht Rituale, mit denen die Kirche auf der Höhe der Zeit bleibt», ist die Jungpfarrerin überzeugt.

So selbstverständlich sie sich mit solch praktischen Fragen beschäftigt – dass sie im Pfarrberuf ihre Erfüllung findet, hat, anders als die Studienwahl, nicht gleich festgestanden. Ein Lernvikariat in Langnau macht es Päpcke schnell deutlich. Und heute, da reicht ihr ein Blick in ihre «Schatzkiste», um ihr recht zu geben. Darin sieht sie einen Stapel von Briefen und Karten: Zeichen der Dankbarkeit für ihr Wirken. «Es kommt so viel zurück», resümiert Päpcke, «das trägt.»

Erstellt: 24.01.2020, 13:23 Uhr

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