Meilen

Misstöne in der Kantorei sind nicht verklungen

Die reformierte Kirchenpflege hat der Kantorin Aurelia Weinmann-Pollak gekündigt. Ihr Abschiedskonzert findet am Sonntag statt. Die Dirigentin hat ihre Kündigung angefochten.

Die Dirigentin der Kantorei Meilen hat am Sonntag ihren letzten Auftritt – der Abschied ging mit Misstönen vonstatten.

Die Dirigentin der Kantorei Meilen hat am Sonntag ihren letzten Auftritt – der Abschied ging mit Misstönen vonstatten. Bild: Google Street View

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Im November gedenkt man der Ver­storbenen, und musikalisch passt dazu die Form des Re­quiems. Ein solches feierliches Werk, das «Requiem in D-Dur» von Jan Dismas Zelenka, führt der Motettenchor der Kantorei Meilen am Sonntag auf. Für die Mitglieder dürfte es ein emotionaler Anlass werden – nicht nur des ­In­halts wegen: Es handelt sich um das vorderhand letzte Konzert mit ihrer langjährigen Dirigentin Aurelia Weinmann-Pollak.

Diese hat von der reformierten Kirchenpflege Meilen die Kündigung als Kantorin erhalten. In dieser Funktion war Weinmann nicht nur Chorleiterin, sondern verantwortlich für alle musikalischen Belange in der Kirchgemeinde. Die Gründe für den Konflikt sind von der Behörde nicht zu erfahren; sie verweist auf ihre Schweigepflicht in personalrechtlichen Dingen. Weinmann selber sagt: «Für mich gibt es keinen triftigen Grund für eine Kündigung.»

Vermittlung ohne Erfolg

Fakt ist, dass sich die Kantorei, die in drei Chören rund 90 Sän­gerinnen und Sänger vereint, seit Monaten für ihre Dirigentin starkmacht. Im Juni gab es eine Petition für ihren Verbleib in Mei­len. An einer Kirchgemeindeversammlung äusserten mehrere Meilemer ihr Befremden über die drohende Kündigung und lobten die Kantorin für ihre Arbeit.

Danach begann die Bezirkskirchenpflege – auf Gesuch der Kantorei –, zwischen den Parteien zu vermitteln. Jedoch ohne Erfolg. Kirchenpflegepräsident Ruedi Schwar­zen­bach sagt: «Der Vermittlungsvorschlag der Kirchenpflege sah eine Weiterbeschäf­tigung als Chorleiterin vor; die Kantorei schlug eine Neuanstellung als Kantorin durch die Kantorei selbst vor.» Aurelia Weinmann habe beide Varianten abgelehnt. Damit sei die Vermittlung gescheitert, sagt Schwarzenbach. Daraufhin habe die Kirchenpflege Aurelia Weinmann am 3. Oktober auf Ende Januar gekündigt, mit Freistellung ab 1. Januar. Innert Frist hat diese dagegen ­Rekurs eingelegt. Rekursinstanz ist die Bezirkskirchenpflege.

Eigener Verein möglich

Peter Relly, Präsident des Motettenchors, spricht von einer schlimmen Situation: «Wir bedauern die Entwicklung sehr.» Zu den Gründen des Konflikts mag auch er sich nicht näher äussern. Nur so viel: Es habe Missverständnisse gegeben. Trotz allem steht für den Chor derzeit die Musik im Zentrum. «Wir wollen jetzt erst recht ein schönes Konzert geben und zeigen, was ­Aurelia mit uns erreicht hat», ­sagt ­Relly. Die ersten Orchester­pro­ben seien vielversprechend über die Bühne gegangen.

Für den Präsidenten ist eines klar: «Wir möchten mit Aurelia Weinmann weiterarbeiten.» Für den Fall, dass die Kündigung rechtskräftig wird, hat der Chor einen Plan. Laut ­Relly ist die Gründung eines eigenen Vereins ein Szenario. «Unsere Chorarbeit würden wir dann unabhängig von der Kirchgemeinde weiterführen.» Das wäre aber, wie er zugibt, ein einschneidender Schritt. Denn viele Mitglieder seien eng mit der Kirche verbunden.

Über die Idee einer Verselbstständigung des Motettenchors ist Kirchenpflegepräsident Ruedi Schwarzenbach im Bild. Er weist darauf hin, dass die Generalversammlung der Kantorei, die ­Ende Januar stattfindet, dieses Vor­gehen noch absegnen und die ­verbleibenden Chöre entsprechend umstrukturieren müsste. Die Kirchenpflege selber ist derzeit damit beschäftigt, fürs neue Jahr Übergangslösungen für die Kirchenmusik zu finden. Ausserdem erarbeitet man laut Schwarzenbach das Stellenprofil für einen neuen Kantor oder eine neue Kantorin.

«Inakzeptables Angebot»

Aurelia Weinmann versucht derweil, die Zuversicht zu wahren. Ihr Ziel sei, weiterhin die drei Chöre zu dirigieren, sagt sie. «Wir machen in Meilen gute Musik, und ich habe es schön mit den Leuten.» Hingegen sei das Angebot der Kirchenpflege im Rahmen der Vermittlung inakzep­tabel gewesen: «Wenn man mich in Meilen hätte behalten wollen, hätte man mir gar nicht erst die Kündigung androhen müssen.»

Konzert Motettenchor der Kantorei Meilen und Capriccio Barockorchester am Sonntag, 13. November, 17 Uhr in der reformierten Kirche. Abendkasse ab 16.15 Uhr. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.11.2016, 21:06 Uhr

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