Küsnacht

Mission für mehr Biodiversität

Das Naturnetz Pfannenstil lancierte im Rahmen des SRG-Projekts Mission B einen Gemeindewettbewerb. Es erhofft sich davon eine grünere Region mit mehr einheimischen Pflanzen.

Sie setzen sich für mehr Biodiversität in der Region ein (von links): Klaus Seelhofer (Leiter Öffentliche Anlagen Küsnacht), Michiel Hartman, (Präsident des Naturschutzvereins Meilen und Mitglied der Fachkommission Naturnetz Pfannenstil) und Diana Marti (Quadra GmbH).

Sie setzen sich für mehr Biodiversität in der Region ein (von links): Klaus Seelhofer (Leiter Öffentliche Anlagen Küsnacht), Michiel Hartman, (Präsident des Naturschutzvereins Meilen und Mitglied der Fachkommission Naturnetz Pfannenstil) und Diana Marti (Quadra GmbH). Bild: Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Herbstblätter leuchten orange, Laub liegt auf der Wiese am Küsnachter Horn. Der Bach ist von Kirschlorbeeren gesäumt. Einheimisches Wildgehölz ist im Begriff, den Neophyten zu überwachsen. Und das ist gut so. Das Naturnetz Pfannenstil wertet zusammen mit Gemeinden und Privatpersonen Flächen auf, um die invasive Ausbreitung von Neophyten, also von invasiven gebietsfremden Pflanzen, zu verhindern und die Biodiversität zu fördern.

Es habe gerade am Küsnachter Horn noch viele ausländische Pflanzen, sagt Klaus Seelhofer, der Leiter Öffentliche Anlagen Küsnacht. «Wir arbeiten mit der Salami-Taktik.» Etappenweise wird immer mehr Wildgehölz gepflanzt, um in diesem Fall die Kirschlorbeere zu beseitigen. Auch in anderen Gemeinden passiert einiges: In Erlenbach, Uetikon, Stäfa und Oetwil werden gemeindeeigene Flächen neu bepflanzt und Meilen hat sein Pumpwerk, Erlenbach einen Bach aufgewertet. «Die Umsetzung solcher Projekte ist auch immer eine Frage der Kapazitäten», sagt Seelhofer.

Gemeindewettbewerb für mehr Natur

Im Rahmen des SRG-Projekts Mission B – sozusagen der Plan B für die Natur, das im Frühling startete – können sowohl Privatpersonen als auch Gemeinden die neu gewonnenen Grünflächen mit einheimischen Pflanzen auf einer Website eintragen. Das Projekt hat zum Ziel, die Schweizer Bevölkerung zu sensibilisieren und zu motivieren, sich mehr für einheimische Pflanzen einzusetzen. In diesem Zusammenhang lancierte das Naturnetz Pfannenstil diesen Frühling einen Gemeindewettbewerb: «Aus welcher Gemeinde fliesst am meisten Fläche in die Mission B ein?» Die Siegergemeinde wird laut dem Naturnetz im September 2020 einen ausgefallenen Preis erhalten.

Dass das Naturnetz mit den Gemeinden zusammenarbeitet, sei nichts Neues. «Wir haben in jeder Gemeinde eine direkte Ansprechsperson», sagt Diana Marti von der Quadra GmbH, die für die Fachberatung des Naturnetzes zuständig ist, als Kontaktstelle fungiert, Teilprojekte plant und mit den lokalen Partnern verhandelt. Naturschutz ist auf den Gemeinden eine Querschnittsaufgabe und die Ansprechpersonen sind jeweils an unterschiedlichen Positionen oder Abteilungen angegliedert. Dies mache es nicht immer ganz einfach, etwas zu bewirken.

Nötige Sensibilisierung

Michiel Hartman, Präsident des Naturschutzvereins Meilen und Mitglied der Fachkommission Naturnetz Pfannenstil, sieht das Problem auch bei der Bevölkerung. Auf dem Weg zum Küsnachter Horn, den er mit dem Velo zurücklegte, habe er etliche moderne Häuser mit penibel herausgeputzten Gärten gesehen. Der Bevölkerung sei nicht bewusst, was sie mit der Anpflanzung von Neophyten anrichten würden. «Kirschlorbeerhecken und Moorbeete sind heutzutage nicht mehr vertretbar und sollten von Gärtnern nicht empfohlen werden.»

Die Lorbeerkirsche stammt aus dem Südwesten Asiens und dem Südosten Europas. «Hier in der Schweiz können nur die Dickmaulrüssler, welche die Blätter anfressen, von ihr profitieren», sagt Hartman. Viele Leute würden dies nicht realisieren. Es sei auch wichtig, dass bei Gärtnern ein Umdenken stattfinde. «Als ich vor 30 Jahren meine Gärtnerlehre gemacht habe, hat niemand den Begriff Neophyten gekannt», sagt Hartman.

Im Vergleich zu anderen Regionen der Schweiz ist die Naturnetz-Region auf der Mission-B-Karte schon in vielen Gemeinden dunkelgrün gefärbt. «Wir hoffen, dass bis Ende nächsten Jahres die ganze Region so dunkel ist, dass sie aus der Karte der Schweiz heraussticht», sagt Marti.

TV-Sendung «Mission B für mehr Biodiversität: wer macht, gewinnt» am Dienstag, 5. November 20.10 Uhr auf SRF zwei. Weitere Infos unter www.missionb.ch.

Erstellt: 04.11.2019, 11:33 Uhr

Der Plan B für die Natur

Die SRG rief im Frühling 2019 das schweizweite Projekt «Mission B – für mehr Biodiversität» ins Leben. Privatpersonen, Unternehmen, Vereine und Gemeinden können sich daran beteiligen, neue Naturflächen zu schaffen. Dies, indem sie einheimische Wildblumen und Sträucher pflanzen, einen Teich oder eine Steinmauer anlegen. So bietet man der einheimischen Tierwelt optimalen Lebensraum und Nahrung. Zudem möchte die SRG häufiger über das Thema berichten und die Schweizer Bevölkerung so darauf aufmerksam machen.

Die SRG sei von einem Projekt in Finnland inspiriert worden, sagt Isabella Sedivy, Fachliche Leitung Mission B. Vor etwa zehn Jahren rief das dortige Radio und Fernsehen die Bevölkerung dazu auf, den vielen Vögeln einen Nistplatz zu ermöglichen. Innerhalb eines Jahres wurden über eine Million Vogelhäuser aufgestellt. In der Schweiz fehlt den Vögeln nicht der Nistplatz sondern die Nahrung. Es gibt zu wenig Samen, Beeren und Insekten. «Wir musste uns überlegen, welches Schwerpunktthema in der Schweiz Sinn macht.» So kam die Idee der Mission B.

94 Prozent der Teilnehmenden seien Einzelpersonen und Familien, sagt Sedivy. Daneben beteiligen sich Firmen, Gemeinden und Schulen mit weniger aber dafür teils sehr grossen Flächen. Auf der Webseite kann man die Anzahl Quadratmeter seiner eigens geschaffenen Naturfläche eingeben. Ab 100 Quadratmetern Fläche wird der Eintrag von der SRG genauer geprüft.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles