Zumikon

Mission für den edlen Ton vollendet

Selten lösen sich Stiftungen auf, weil der Zweck total erfüllt ist. Genau das ist zwei Zumikern mit der Schweizerischen Stiftung für Orgeln in Rumänien gelungen. Ihr Werk ist vollendet.

Ziel erreicht, Projekt abgeschlossen: Ernst Leonhardt (links) und Ferdinand Stemmer haben die Orgelstiftung an ihre Schüler in Rumänien übergeben.

Ziel erreicht, Projekt abgeschlossen: Ernst Leonhardt (links) und Ferdinand Stemmer haben die Orgelstiftung an ihre Schüler in Rumänien übergeben. Bild: Michael Trost

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Zum Schluss wurde es feierlich. Staatspräsident Klaus Johannis überreichte Ferdinand Stemmer und Ernst Leonhardt den rumänischen Kulturorden. Es ist der Dank an den Orgelbauer und den Ingenieur aus Zumikon für ihre karitative Arbeit. Mit der vor fast 20 Jahren gegründeten Schweizerischen Stiftung für Orgeln in Rumänien (SSOR) retteten sie 35 prachtvolle Kirchenorgeln in Siebenbürgen vor dem Verfall und bauten dort zwölf neue. Vor allem sorgten sie dafür, dass jetzt Einheimische das Werk fortsetzen können.

Stemmer war schon in den Neunzigerjahren von der Reformierten Kirchgemeinde Maur zur Restaurierung einer Orgel in die zentrale Region von Rumänien geschickt worden, die rund 6,5 Millionen Einwohner hat und mehr als doppelt so gross wie die Schweiz ist. Was er dort in den Hunderten katholischen und reformierten Kirchen sah, liess ihn erschaudern. «Die meisten Orgeln waren unspielbar, verdreckt, beschädigt, Teile fehlten – mir hat das Herz geblutet», erzählt der 71-Jährige.

Geld und Wissen

Zurück in der Schweiz beschloss er, eine Organisation zur Rettung der Orgeln auf die Beine zu stellen. Denn die «Königin der Instrumente», wie die Orgel genannt wird, besteht aus Holz, Zinn, Leder, Farbe und manchmal Blattgold. «Alles Materialien, mit denen man selbst hoffnungslos scheinende Fälle instand setzen kann», erklärt Stemmer.

«Die meisten Orgeln waren unspielbar, verdreckt, beschädigt, Teile fehlten – mir hat das Herz geblutet.»Ferdinand Stemmer, Orgelbauer in Zumikon

Das Resultat war die SSOR. Sie sollte nicht nur Geld und Know-how aus der Schweiz nach Rumänien transferieren, sondern vor allem Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Deshalb baute die Stiftung eine Werkstatt und Ausbildungsstätte samt Internat für junge Orgelbauer in Honigberg (Harman) auf. Leonhardt stiess durch Zufall dazu. Der gebürtige Siebenbürger erfuhr aus der Lokalzeitung von dem Projekt. «Ich wusste damals nicht einmal, dass wir einen Orgelbauer in Zumikon haben», sagt der heute 87-Jährige. Seitdem kümmerte er sich vor allem ums Finanzielle und wurde später Präsident der SSOR.

Nach Schweizer Muster

2003 wurden die ersten Lehrlinge in Honigberg ausgebildet. Das grösste Problem beschreibt Leonhardt: «Die Kommunisten haben während ihrer Herrschaft den Orgelbau aus dem Lehrplan gestrichen.» Um diesen Beruf wieder bis zum anerkannten Diplom zu führen, brauchte es viel Überzeugungsarbeit im Bildungsministerium. Am Ende war das Ziel erreicht. Der gesamte Ausbildungsweg wurde nach Schweizer Muster ausgelegt. «Duales System, wie bei uns», erklärt Stemmer. Die Lehrlinge werden in Theorie und Praxis geschult. «Das kennt man bei Handwerksberufen in Rumänien gar nicht», fügt der Orgelbauer hinzu.

«Wir haben nie daran gezweifelt, dass wir das schaffen werden.»Ernst Leonhardt, Schweizerische Stiftung für Orgeln in Rumänien.

Für den theoretischen Teil konnte mit der Fakultät für Holzbau der Universität im nahen Kronstadt (Brasov) ein Partner gefunden werden. Um die Praxis kümmerten sich fortan Barbara Dutli, eine Pädagogin und ehemalige Schülerin von Stemmer, sowie der Meister selbst. Dutli lebt seit bald 15 Jahren komplett in Rumänien, der Zumiker Orgelbauer verbrachte mehr als die Hälfte des Jahres in Honigberg.

«Calitate elvetiana»

30 Lehrlinge haben inzwischen ihr Berufsdiplom erhalten. Zwei von ihnen sind nun die Chefs der Werkstatt und Ausbildungsstätte. «Wir haben sie unseren fähigsten Schülern übereignet», sagt Ernst Leonhardt mit hörbarem Stolz. Damit steht das Projekt mit 20 Angestellten auf selbstständigen Beinen. «Wir haben nie daran gezweifelt, dass wir das schaffen werden, auch wenn es immer wieder Probleme und Hürden zu überwinden gab», ergänzt er.

Für Ferdinand Stemmer war entscheidend, dass die Behörden und vor allem die Kunden Vertrauen in das Schweizer Werk gewannen. «Ohne uns wäre es nicht gegangen.» Unterdessen hat sich die Qualität herumgesprochen. «Calitate elvetiana», spricht es Leonhardt auf Rumänisch aus. «Das zählt dort viel.» Nun sind die Auftragsbücher voll, denn viele Kirchgemeinden wollen ihre Orgeln in Honigberg restaurieren lassen. «Es ist vollbracht», zieht Stemmer Bilanz. Leonhardt beschreibt das erfolgreiche Ende als «ein schönes, befriedigendes Gefühl».

Erstellt: 05.05.2019, 19:17 Uhr

Viele Spender und ein Prinz

Rund 4 Millionen Franken hat die Schweizerische Stiftung für Orgeln in Rumänien (SSOR) in das Hilfswerk investiert. Viele politische und Kirchgemeinden in der Region Zürichsee, Firmen, Stiftungen, Lotteriefonds und private Spender haben es finanziert. Ein prominenter Kunde hat ebenfalls zum Erfolg der SSOR beigetragen: Die Restauration einer Orgel in Siebenbürgen hat Prince Charles der Werkstatt in Honigberg beauftragt und bezahlt. (di)

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