Küsnacht

Migros-Pläne stossen auf gemischte Reaktionen

Die Migros will in Küsnacht expandieren und fasst dafür das Areal oberhalb des Bahnhofs ins Auge. Der Gemeinderat hat sein Wohlwollen signalisiert. Die Bevölkerung ist zurückhaltender.

Die heutige Migros an der Ecke Zürich-/Oberwachtstrasse weist eine Verkaufsfläche von 900 Quadratmetern auf.

Die heutige Migros an der Ecke Zürich-/Oberwachtstrasse weist eine Verkaufsfläche von 900 Quadratmetern auf. Bild: Moritz Hager

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Die Arealentwicklung Zürichstrasse ist in Küsnacht noch immer ein Reizwort. Es lockte am Montagabend so viele Interessierte in das reformierte Kirchgemeindehaus, dass in Windeseile die Bestuhlung im grossen Saal aufgestockt werden musste. Zur Informationsveranstaltung hatten Gemeinde und Migros gemeinsam eingeladen – den Abend bestritten dann aber je zwei Vertreter des orangen Riesen und des von ihnen beauftragen Planungsbüros Keeas aus Zürich.

Dennoch unterstrich auch der praktisch vollzählig anwesende Gemeinderat die Wichtigkeit der Veranstaltung. «Wir möchten die Detaillisten im Zentrum behalten», sagte Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP). Dass nur zwei Jahre nach der verlorenen Abstimmung über die Zentrumsentwicklung eine neue Idee für die Bebauung des Grundstücks nördlich der Gleise zur Diskussion steht, ist der Migros-Genossenschaft Zürich zuzuschreiben. Ein Fakt, der an diesem Abend noch zu diskutieren geben sollte.

Zwei Probleme

Aus Sicht der Migros sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. «Wir sind in Küsnacht nicht genügend aufgestellt», sagte Heinz Fankhauser, Leiter Expansion. Die heutige Niederlassung mit ihren 900 Quadratmetern weise angesichts der über 14000 Einwohner eine unterdurchschnittliche Abschöpfung auf. Dass mehr drin liegt, zeigen der Blick nach Meilen, wo für eine vergleichbare Bevölkerungszahl 2500 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung stehen, oder nach Erlenbach, wo auf 5500 Einwohner 1300 Quadratmeter kommen.

«Wir sind in Küsnacht nicht genügend aufgestellt»Heinz Fankhauser

Zur Grössenfrage stellt sich laut Fankhauser auch die Frage nach der Zukunft am heutigen Standort an der Zürichstrasse 149. Denn der Migros gehöre lediglich die Hälfte der Liegenschaft, die andere nutze sie im Baurecht mit einem ablaufenden Vertrag. In der strategischen Planung stellen sich dem Detaillisten zwei Möglichkeiten: am Rand der Gemeinde zu expandieren – zur Diskussion stand bereits ein Areal an der Grenze zu Erlenbach – oder zu versuchen, im Zentrum etwas Besseres schaffen. Die Migros verfolgt Letzteres. «Wir wollen wieder näher an den Kunden herangehen», betonte Fankhauser.

Migros als Verbindung

Marcel Muri vom Planungsbüro Keeas charakterisierte den geplanten Standort näher. «Die Migros könnte eine Verbindung zwischen Bahnhof und Dorf schaffen.» Er sprach von der Erfolgsgeschichte der S-Bahn und dem grösseren Verkaufserlebnis, dass auf dem Areal des heutigen Parkplatzes möglich sei. Man würde auf eine guten Aufenthaltsort achten, sagt er. Unbestritten ist auch ein unbebauter Zugang zum Bahnhof.

Der geplante neue Standort auf dem Areal Zürichstrasse soll grösser werden – wie gross, ist Gegenstand der weiteren Planung. Foto: Sabine Rock

Nachdem sich der Küsnachter Gemeinderat gegenüber der Migros offen zeigte – die Gemeinde würde ihr das Grundstück im Baurecht überlassen –, fanden zuerst Gespräche und später ein runder Tisch statt. Teilnehmer waren Vertreter des Gemeinderats, des Gewerbevereins und sämtlicher Parteien, die Parkdeck-Initianten sowie Betroffene aus der Nachbarschaft. Sie diskutierten drei Varianten für die künftige Lage der Migros auf dem Areal.

Keine Kosten für Gemeinde

Laut Peter Leutenegger, Projektleiter Expansion Migros, liegt beim favorisierten Entwurf die Verkaufsfläche im Obergeschoss. Die Varianten Unter- beziehungsweise Erdgeschoss fielen durch. Gründe seien der mangelnde Platz für oberirdische Parkplätze oder eine schwierige Anlieferung gewesen. Im ausgewählten Entwurf sind nebst einer Tiefgarage bis zu 40 Parkplätze vorgesehen. Die Migros plant laut Leutenegger auf eigene Kosten.

Ein konkretes Projekt existiert noch nicht. Der nächste Schritt ist eine Onlinebefragung, die Seraina Schwizer von Keeas erläuterte. Der Fragebogen diene dazu, die Stimmung in Küsnacht möglichst breit einzufangen. Für die Migros steht fest: Das Projekt wird nur vorangetrieben, wenn die Küsnachter gegenüber der Arealbebauung positiv gesinnt sind.

Kritische Voten

Die Diskussionsrunde am Schluss liess offen, ob Küsnacht für die Pläne der Migros bereit ist. Begeisterung flackert nur einmal auf, als ein Redner eine grössere Migros ausdrücklich begrüsste. Ein anderer hingegen bemerkte: «Es braucht keine riesige Migros.» Parkdeck-Unterstützer Reinhard Wolf rief die Abstimmung von 2017 und die darauf folgende Bevölkerungsbefragung in Erinnerung. Einer der Schlüsse der Befragung sei gewesen, dass Häuser auf dem Areal wenig Chancen hätten, warnte er.

Architekt Urs Esposito merkte etwas Grundsätzliches an: Die Entwicklung eines Gebiets wie das Areal Zürichstrasse gehöre nicht in die Hände der Migros. Sie sei Sache des Gemeinderats. «Es bräuchte einen Masterplan», forderte er und brachte die Idee der unterirdisch geführten Bahnlinie ins Spiel. Anders SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein, er knüpfte am Hier und Jetzt an: Ob man die Sanierung der Oberwachtstrasse nicht aufschieben müsse, wollte er wissen. Die Sanierung der Strasse tangiere das Projekt nicht, lautete die Antwort von Gemeindepräsident Markus Ernst.

Zieht die Migros positive Schlüsse aus der Onlinebefragung, soll es so rasch wie möglich weitergehen. Sie würde mittels Studienauftrag einen Architekten ermitteln und die Planung mit Ziel einer Eröffnung 2025 vorantreiben. Die Küsnachter hätten noch zweimal ein Mitbestimmungsrecht: beim Baurechtsvertrag und beim Gestaltungsplan.

Onlinebefragung bis 6. Oktober: www.bevoelkerungsbefragung.ch

Erstellt: 10.09.2019, 21:31 Uhr

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