Meilen

Migros bekommt in Meilen einen Dämpfer

Die Genossenschaft Migros Zürich plant Fachmärkte wie Do it und Sport XX sowie ein Fitnesscenter auf dem Areal der Schneider Umweltservice AG. Aufgrund eines erfolgreichen Rekurses verzögert sich das Projekt aber stark.

Vorerst bleibt alles beim Alten: Auf dem Gelände des Recyclingzentrums entsteht in nächster Zeit kein Gewerbezentrum.

Vorerst bleibt alles beim Alten: Auf dem Gelände des Recyclingzentrums entsteht in nächster Zeit kein Gewerbezentrum. Bild: Manuela Matt

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Die «Villa Kunterbunt» wirkt zwar etwas lotterig, doch sie hält sich zäh: Die nach dem Haus von Pippi Langstrumpf benannte Re­cycling­sammelstelle an der Meilemer Bergstrasse könnte nämlich länger bestehen bleiben als be­absichtigt. Dafür sorgt ein Entscheid des Baurekursgerichts. Wie der «Meilener Anzeiger» berichtet, hat dieses ein Grossprojekt auf dem Areal der Schneider Umweltservice AG blockiert.

Vor gut einem Jahr hatte die Baubehörde von Meilen die Bewilligung für das Vorhaben erteilt. Die Genossenschaft Migros Zürich möchte die Industriebrache, die nach wie vor der Schneider AG gehört, bebauen. Im Gebiet zwischen der Seestrasse und der Eisen­bahnlinie soll ein Gewerbe- und Dienstleistungszentrum entstehen. Vorgesehen sind zwei Gebäude­trakte mit Fachmärkten und Verkaufsflächen. Die Migros will hier einige ihrer Tochterunternehmen wie Sport XX, Do it und Activ Fitness unter einem Dach vereinigen. Als die Pläne des Grossverteilers vor zwei Jahren publik wurden, war von Investitionen von rund 60 Millionen Fran­ken die Rede.

Angst, das eigene Angebot im Dorf­zentrum – nur 600 Meter entfernt – zu konkurrenzieren, hat die Migros dabei nicht. Das vorgesehene Zentrum ist zwar mit einer Gewerbefläche von rund 4600 Quadratmetern mehr als 1000 Quadratmeter grös­ser als der bereits bestehende Migros-Markt. Die Dienstleistungen sollen sich jedoch ergänzen: Lebensmittel da, Fachmärkte mit anderen Artikeln dort.

Eine Frage der Definition

Einige Meilemer sind aber von die­ser Idee nicht angetan und haben Rechtsmittel gegen die Baubewilligung ergriffen. Mit Erfolg: Das Baurekursgericht hat die Bewilligung aufgehoben. Sein Entscheid war gestern noch nicht einsehbar. Aufgrund von Abwesenheiten waren auch bei der Gemeinde­ Meilen keine näheren Auskünfte erhältlich. Offenbar drehte sich aber alles um die Frage, ob das Vorhaben zonenkonform ist. Gemäss «Meilener Anzeiger» sagte nämlich Meilens Hochbauvorstand Heini Bossert (FDP) kürzlich an einem Gewerbezmorge, für das Baurekurs­gericht sei das Projekt nicht vereinbar mit der geltenden Bau- und Zonenordnung (BZO).

«Die rechtliche Konstellation ist komplex.»Francesco Laratta, Genossenschaft Migros Zürich

Das Gelände der Schneider Umweltservice AG befindet sich in der Gewerbezone. Gemäss Bau­­rekursgericht ist in einer solchen kein Einkaufszentrum zulässig. Anders sah dies die Gemeinde Meilen, als sie das Projekt bewilligte. Sie wertete Angebote wie Garten- und Fitnesscenter als Fachmärkte, die in einer Gewerbezone unproblematisch seien.

Eine Zusatzschlaufe ist nötig

Um das Gewerbezentrum doch noch zu realisieren, braucht es nun einen anderen Weg. Denkbar sei es, die BZO anzupassen oder einen Gestaltungsplan für das Areal zu erarbeiten, sagte Bossert vor den Gewerblern.

Migros-Mediensprecher Francesco Laratta wiederum teilte am Dienstagabend auf Anfrage dieser Zeitung mit, die Problemstellung basiere auf einer komplexen rechtlichen Konstellation. «Wir werden in den nächsten Monaten eine Auslegeordnung machen und zusammen mit Gemeinde und Grundeigentümer das wei­tere Vorgehen fest­legen.» Das Projekt werde sich aber mit Sicher­heit stark verzögern. Ursprünglich hätte das Gewerbezentrum Ende dieses Jahrs eröffnet werden sollen.

Die jüngsten Ereignisse sind ein weiteres Kapitel in der langwierigen Geschichte des Areals. Die Schneider Umweltservice AG, die ihren Hauptsitz vom ­Beu­gen­areal an die Grenze zur Gemeinde Ueti­kon verlagert hat, hegte schon 2012 Pläne für ein Dienstleistungszentrum samt Wohnungen. Eine Weile stand das Gebiet sogar als möglicher Standort für die neue Kantonsschule zur Diskussion, die nun aber in Ueti­kon gebaut wird.

Erstellt: 15.01.2019, 21:06 Uhr

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