Männedorf/Küsnacht

Meisterwerke und Nachwuchstalente

Die Herbstkonzerte des Kammerorchesters Männedorf-Küsnacht versprechen besondere Musikerlebnisse.

Marvin Naef aus Stäfa und Elea Nick aus Meilen an den Proben zu den Konzerten des Kammerorchesters Männedorf-Küsnacht.

Marvin Naef aus Stäfa und Elea Nick aus Meilen an den Proben zu den Konzerten des Kammerorchesters Männedorf-Küsnacht. Bild: Manuela Matt

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«Schön federnd», weist Chris­tof Hani­mann an. Um sodann den Einsatz zu geben und mit sanften, wogenden Bewegungen sein Orches­ter zu dirigieren. Und mit federnd-leichten Klängen lassen denn auch die Musiker des Kammerorchesters Männedorf-Küsnacht den Raum erfüllen. Währenddessen stehen zwei Soloviolinen in einem regen Zwiegespräch: Einan­der quasi das Wort gebend, manchmal aber auch im leben­digen Einklang sich zustimmend.

Was damit am vergangenen Mittwochabend im Keller des katholischen Pfarreizentrums Küsnacht einstudiert wird, ist das Doppelkonzert für zwei Violinen von Johann­ Sebastian Bach. Es wird die Herbstkonzerte des Kammer­orchesters vom kommenden Freitag und Sonntag in Männedorf und Küsnacht eröffnen – zwei Anlässe­, die in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert sind.

Freude auf erstes Konzert

Um den einen Grund hierfür festzustellen, muss man wahrlich nicht lange der Probe beiwohnen: Es sind zweimal junge Hände, die die Sologeigen spielen. Und wie sie dies tun, ist so, dass man meinen­ könnte, sie seien seit je her mit Bachs Stück vertraut. Aber sowohl für die 19-jäh­rige Elea Nick aus Meilen als auch für den 12-jäh­rigen Marvin Naef aus Stäfa ist die Interpretation des Doppelkonzerts eine Premiere.

Es ist dem 12-Jährigen zu verdanken, dass das Kammerorchester den gemeinsamen Auftritt mit ihm und Nick auf sein aktu­elles Konzertprogramm gesetzt hat. «Ich habe das Doppelkonzert einmal als Erste Geige in einem Orchester gespielt», erzählt er nach der Probe. Die Soloparts mitzuerleben, habe ihn so begeistert, dass er sie gleich selber spielen wollte. Der Rest war schnell organisiert: Die Noten hatte er früher bereits geschenkt bekommen. Und mit Elea Nick war die Partnerin schon gegeben – kennen sich die beiden doch schon länger. Seine ehemalige Geigenlehrerin, Brigitta Barandun, stellte dann als Mitwirkende im Orchester den Kontakt zu demselben her.

Für Marvin ­Naef ist es nicht nur das erste Mal, dass er Bachs Doppelkonzert in einem Konzert aufführt, sondern überhaupt das erste Mal, dass er «so richtig» vor Publikum spielt. Die Vorfreude dar­auf ist denn auch wäh­rend der Probe spürbar – nebst aller Konzentration, die das Stück den Musi­kern abverlangt. Federnd leicht – auch auf sein und Nicks Spiel passt diese Beschreibung: Sei dies im exakten Zusammenspiel, sei dies im Meistern der Tempowechsel.

So folgt auf den lebhaften Beginn ein lyrischer zweiter Satz, der die Reinheit ihres Spiels in den hohen Tonlagen besonders schön zur Geltung bringt, bevor der abschliessende Satz an die Ur­sprünge der Barockmusik im Tanz erinnert. Das Orchester steht mit den Solisten im Dialog, tritt mal stärker in Erscheinung oder gibt mal nur feine, dafür umso präziser gesetzte Widerklänge.

Mit grosser Besetzung

Nicht nur wegen der jugend­lichen Solisten sind die bevor­stehenden Konzerte besonders: Das Programm hält neben Bachs Stück zudem Schuberts «Unvollendete» und Beethovens – einziges – Violinkonzert bereit. Werke also von besonderer Strahlkraft, Werke aber auch, für die sich das Streicherorchester Verstärkung durch Blasmusiker und Paukisten besorgen muss. Das sei in dieser Grössenordnung eher eine Seltenheit – nicht zuletzt aus Kos­ten­gründen, sagt Dirigent Hani­mann, denn einige der aushelfenden Musiker arbeiten professionell. Nun aber habe sich mit Nick als Solistin Beethovens Violinkonzert fast aufgedrängt und – da man dann das grosse Orchester schon beisammen habe – Schuberts Sinfonie desgleichen. In dieser vollen Besetzung probt das Orchester indes erst kurz vor den Auftritten.

«Beethoven muss man sich hart erarbeiten», sagt Nick. Sein Violinkonzert sei ein fantastisches Werk, verzeihe aber keinen einzigen falschen Ton. Eine Her­aus­forderung stelle es auch dar­um dar, weil es tonleiterartige Pas­sa­gen auf­weise – diese inter­essant auszugestalten sei dann die Aufgabe des Solisten. Trotz aller­ Ehrfurcht, die die Meile­merin gegenüber dem Werk verspürt, zeigt sie bei den Stellen, die an der Probe vertieft werden, eine beeindruckende Leistung. Derentwegen wird sie – die zudem Politologie studiert – auch immer öfter­­ von namhaften Profiorchestern eingeladen und mit inter­natio­nalen Preisen bedacht. Auch für Marvin könnte es in diese­ Richtung gehen: In wenigen Tagen tritt er am Zürcher Musikwettbewerb an.

Freitag, 9. November, 20 Uhr,ref. Kirche Männedorf, undSonn­tag, 11. November, 17 Uhr, ref. Kirche Küsnacht. Eintritt frei. www.kammerorchester-mk.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.11.2018, 08:37 Uhr

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