Schifffahrt

Mein Boot ist dein Boot

Wer sich kein eigenes Boot leisten will oder kann, für den gibt es sogenannte Sharing Angebote auf dem Zürichsee. Diese reichen von den Segelbooten gemeinnütziger Genossenschaften, bis hin zu Sportbooten kommerzieller Anbieter.

Sailbox-Boote, wie hier dasjenige der Seglervereinigung Erlenbach, gibt es mehrere am Zürichsee.

Sailbox-Boote, wie hier dasjenige der Seglervereinigung Erlenbach, gibt es mehrere am Zürichsee. Bild: Archiv Sabine Rock

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Ein Boot auf dem Zürichsee, davon träumen viele. Für die meisten geht der Traum aber nicht in Erfüllung. Selbst wenn das Geld reichen würde, um ein Boot samt Unterhalt zu finanzieren, ist da immer noch die leidige Frage der Bootsplätze. Die Nachfrage übersteigt seit Jahren das Angebot.

Obwohl Tausende Plätze zur Verfügung stehen, kann es im Extremfall bis zu 30 Jahre dauern, einen der begehrten Bootsplätze zu ergattern. In diese Bresche springen Sharing-Angebote. Rund um den Zürichsee besteht die Möglichkeit, sich Boote mit anderen zu teilen, und so die Kosten und den Aufwand zu senken. Dabei reicht das Angebot von gemeinnützigen Organisationen zu gewinnorientierten Unternehmen.

Ein einheitliches Boot

Zu ersteren gehört Sailbox. Die AG ist eine Organisation des Verbands Swiss Sailings. Sie bietet verschiedene Abos an: ein Basic, ein Halbtax und ein GA. Letzeres kostet 2500 Franken, und es können unbeschränkt Boote ausgeliehen werden. Sailbox hat Boote in der ganzen Schweiz. Es handelt sich dabei immer um das gleiche Modell. «Damit muss man nur einmal eine Einführung durchführen», erklärt CEO Rolf Zengaffinen. Das Segelboot wurde spezifisch für die Bedürfnisse von Sailbox entworfen. «Es ist besonders robust», sagt Zengaffinen. Zudem ist es so konzipiert, dass es in den meisten Häfen genutzt werden kann.

Die Flotte der Genossenschaft Sailcom – hervorgegangen aus der Auto-Sharing Genossenschaft Mobility – ist hingegen vielfältiger. «Damit können wir verschiedene Bedürfnisse abdecken», erklärt Geschäftsführer Herbert Neidhart. Man habe schnittige Boote im Angebot, genauso wie grössere, die sich für einen mehrtägigen Familienurlaub anbieten würden. Zurzeit wird die Flotte modernisiert. Diese Vielfalt hat zur Folge, dass für jedes einzelne Boot und jeden einzelnen Hafen im schweizweiten Angebot Einführungen durchgeführt werden müssen. «Das ist uns sehr wichtig, denn die meisten Unfälle passieren im Hafen», betont Neidhart. Bei Sailcom wird man Mitglied der Genossenschaft und zahlt nebst einer Jahresgebühr die Miete pro Stunde oder pro Tag. In Erlenbach zum Beispiel kostet die Tagesmiete einer Kabinenyacht 215 Franken.

Im oberen Segment

Einiges teuer sind die kommerziellen Sharing Angebote. Dessen ist sich auch Oliver Hensler, Inhaber der Hensa Lago Marina aus Altendorf bewusst. «Wir wollen uns von den anderen Anbietern abheben.» Deshalb setze man auf Qualität, mit neuen und schönen Sportbooten. Das Unternehmen bietet Sharing-Modelle erst seit diesem Sommer an. Am besten laufe das Programm «James Cook», bei dem man mit sogenannten Exklusiv GA ein Schiff für ein Jahr mieten kann – ganz exklusiv eben. Dies kann je nach Bootstyp bis zu 35 000 Franken kosten. Dieses Programm war früher einfach als Jahresmiete bekannt.

Bei Ganz Sharing können ebenfalls Motorboote benutzt werden. Es handelt sich dabei immer um das gleiche Modell, welches auf verschiedenen Schweizer Seen, darunter dem Zürichsee, angeboten wird. Die Kosten belaufen sich für eine Mitgliedschaft auf mindestens 4000 Franken pro Jahr, bei einer dreijährigen Laufzeit. Während bei den genannten Sharing Angebote, die Boote den Anbietern gehören, können bei der Plattform Ship Ahoy Privateigentümer ihr Boot zur Vermietung anbieten. Die Plattform funktioniert ähnlich wie Airbnb. Sie ist seit 2016 online und zählt laut Inhaber Christian Fehr zurzeit über 1000 registrierte Nutzer. Im Moment sind auf dem Zürichsee 23 Boote im Angebot. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.07.2018, 14:09 Uhr

Boot-Sharing liegt im Trend

Teilen liegt im Trend. Das Auto wird geteilt, das Velo wird geteilt, die Wohnung wird geteilt. Auch Boote kommen immer häufiger dazu. Auf dem Zürichsee entstehen immer mehr Sharing Angebote. «Es macht Sinn, wenn Schiffe nicht ungenutzt in den Hafenanlagen herumstehen», erklärt Kurt Reich, Leiter Schifffahrt beim Kanton St. Gallen. Es sei aber wichtig, dass die gültigen Regeln eingehalten werden. «Sobald jemand sein Schiff jedoch öffentlich und kommerziell zur Vermietung ausschreibt, handelt es sich per Definition um ein Mietschiff.» Dies müsse zum Beispiel im Ausweis eingetragen werden. Auch das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich erinnert daran, dass für Privatpersonen, die ihr Boot vermieten, die gleichen Regeln gelten, wie für kommerzielle Anbieter.

Bei den Gemeinden, welche für die Vergabe von Bootsplätze am Zürichsee verantwortlich sind, gehen die Meinungen zum Sharing auseinander. Einige Kommunen stehen dem Trend offen gegenüber, während bei anderen Skepsis herrscht. Das Thema ist auch heikel, weil durch die Sharing-Angebote, die Warteliste für die Bootsplätze quasi umgangen wird. Gewisse Anwärter müssen nämlich Jahrzehnte auf einen Platz warten.

Grundsätzlich verboten

Die Gemeinde Stäfa hat noch keine Anfragen bezüglich Boot Sharing erhalten. Angesprochen auf die Boote von Sharing Anbietern im Hafen Stäfa meint Florian Uehle, Leiter Abwasser und Gewässer: «Da wird einfach etwas gemacht. Aber grundsätzlich ist es zu unterlassen.» Er bezieht sich dabei auf einen Punkt aus dem Reglement über die Bootsplätze: «Die Benützungsbewilligung darf weder unentgeltlich noch gegen Entschädigung Drittpersonen zum Gebrauch überlassen werden.»

Die Gemeinde stehe dem Phänomen eher skeptisch gegenüber. «Wir wollen nicht, dass es bei einzelnen Bootsplätzen einen grossen Zulauf gibt.» Dadurch könnten sich andere Bootsbesitzer gestört fühlen. Hinzu komme, dass die Nutzer von Sharing Angeboten oftmals weniger erfahrene Fahrer seien.

Alles ist offen

In Horgen komme es etwa einmal pro Jahr zu einer Anfrage bezüglich Sharing, meint Christoph Boller, Leiter der Liegenschaftsverwaltung. Eine Kontrolle solcher Angebote sei aber nicht möglich. Allfällige Regulierungen müssten in Absprache mit dem Kanton geprüft werden.

Die Stadt Zürich hat Anfang Jahr beschlossen 28 Anlagestellen, die bis anhin für private Nutzer reserviert waren, an nicht gewinnorientierte Boot-Sharing Organisationen zu vergeben.

Bei der Stadt Rapperswil-Jona ist erst eine Anfrage eines Sharing Anbieters eingegangen. Dieser wurde stattgegeben. «Wir stehen dem Phänomen sehr positiv gegenüber», erklärt Stadtschreiber Hansjörg Goldener. Es bestünden zwar keine eindeutigen Regeln, aber damit sei auch alles offen. In Schmerikon hingegen ist in der Hafenordnung explizit festgehalten, dass ein Liegeplatz auch an eine Gemeinschaft vergeben werden kann.

Olivia Tjon-A-Meeuw

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