Meilen

Meilen bekämpft Neubau bis vor Bundesgericht

In einem aussergewöhnlichen Fall hat das Zürcher Verwaltungsgericht gegen die Baubehörde von Meilen entschieden. Streitpunkt ist, ob ein Neubauprojekt in die Umgebung passt. Nun zieht die Gemeinde vor Bundesgericht.

Der alte Weinbauernhof hoch über Meilen wird wohl irgendwann weichen müssen. Die Frage, was dann folgt, beschäftigt derzeit das höchste Gericht im Land.

Der alte Weinbauernhof hoch über Meilen wird wohl irgendwann weichen müssen. Die Frage, was dann folgt, beschäftigt derzeit das höchste Gericht im Land. Bild: David Baer

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Es gibt sie zuhauf an der Goldküste: Alte Häuser mit viel Umschwung, die abgerissen und durch Neubauten mit deutlich mehr Nutzfläche ersetzt werden. An einer der begehrtesten Wohnlagen des Landes heisst das Stichwort der Stunde: Verdichtung. Jetzt wird ein aussergewöhnlicher Fall aus Meilen publik, in dem sich die Gemeinde dieser Entwicklung widersetzt.

Im Frühjahr 2016 verweigerte die Meilemer Baubehörde die Bewilligung für den Abbruch eines ehemaligen Bauernhofs und den Neubau zweier Mehrfamilienhäuser. Ihr Argument: Die geplanten Wohnhäuser wirkten zu wuchtig und passten nicht in die Umgebung. Das Areal, direkt am Waldrand und neben einem Bacheinschnitt gelegen, werde mit dem Projekt übernutzt.

«Harmonisch eingegliedert»

Die Bauherrschaft, die Belsito Real Estate AG mit Sitz in Engelberg, wehrte sich gegen den Entscheid. Vor dem Baurekursgericht des Kantons Zürich erhielt sie im vergangenen November Recht. Doch die Gemeinde gelangte in der Folge ans Verwaltungsgericht.

Dessen Entscheid ist vor wenigen Tagen veröffentlicht worden. Er lässt an der Argumentation der Meilemer Baubehörde kaum ein gutes Haar. Namentlich sei die Einordnung der geplanten Bauten im Quartier trotz einer Erhöhung der Baumasse nicht zu beanstanden. Das Gericht hält fest: «Die projektierten Baukuben gliedern sich in harmonischer Weise in das Siedlungsgebiet ein.» Die Gemeinde Meilen muss Gerichtskosten von 13 000 Franken übernehmen.

Damit wäre die Bauverweigerung eigentlich aufgehoben. Doch der Fall geht weiter. Wie Meilens Hochbauvorstand Heini Bossert (FDP) auf Anfrage bestätigt, hat die Gemeinde den Entscheid des Verwaltungsgerichts beim Bundesgericht angefochten. Weitere Auskünfte gibt Bossert derzeit nicht. Der Eigentümer der betroffenen Parzellen, Angelo Beetschen, sagt, er habe in der Immobilienbranche noch nichts Vergleichbares erlebt.

Erstellt: 28.08.2017, 16:48 Uhr

Baumassentransfer

Die Ausnützungsziffer ist eine Kennzahl, die festlegt, welcher Prozentanteil eines Grundstücks überbaut werden darf. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, diese Ausnützung auf ein anderes Grundstück zu übertragen. Man spricht auch von Baumassentransfer.

Im vorliegenden Fall sind drei nebeneinander liegende Parzellen im Spiel. Die nördlichste von ihnen – darauf befindet sich ein kleiner Rebberg – ist so schmal, dass sie sich nicht für eine Überbauung eignet. Die Ausnützungsübertragung würde die zulässige Baumasse auf den anderen beiden Parzellen um rund 25 Prozent erhöhen. (amo)

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