Meilen

Meilemer wollen keinen Langsamverkehr im Zentrum

Die Stimmberechtigten haben eine Vorlage abgelehnt, die auf der Dorfstrasse eine Begegnungszone mit Tempo 20 vorsah. Im März hatte die Gemeindeversammlung noch Ja gesagt.

Auf der Dorfstrasse vor dem Bahnhof Meilen bleibt vorderhand alles beim Alten – die Strasse wird nicht verkehrsberuhigt.

Auf der Dorfstrasse vor dem Bahnhof Meilen bleibt vorderhand alles beim Alten – die Strasse wird nicht verkehrsberuhigt. Bild: Moritz Hager

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Das Projekt stand auf Messers Schneide, das war schon lange klar. Anfang März hatte sich nämlich an der Gemeindeversammlung nur eine knappe Mehrheit dafür ausgesprochen, auf dem zentralen Abschnitt der Dorfstrasse in Meilen eine Begegnungszone einzuführen. Da unmittelbar nach dem Ja eine Bürgerin einen Antrag auf Urnenabstimmung stellte und mit diesem Erfolg hatte, stimmten die Meilemer am Sonntag ein zweites Mal ab.

Erneut fiel das Resultat nicht besonders deutlich aus – dafür aber mit umgekehrtem Vorzeichen: 53,1 Prozent waren gegen die Vorlage des Gemeinderats, 46,9 Prozent dafür. Die Stimmbeteiligung betrug 54,7 Prozent. Das Resultat ist somit breiter abgestützt als jenes an der Gemeindeversammlung, zu der rund 6,3 Prozent der Meilemer Stimmberechtigten erschienen waren.

Es bleiben Fragezeichen

Aus der geplanten Begegnungszone im Zentrum, unmittelbar vor dem Bahnhof und beim Gemeindehaus, wird somit nichts. Die Behörden hatten gehofft, mit ihr die unübersichtliche Verkehrssituation auf der stark befahrenen Strasse in den Griff zu bekommen. Statt Tempo 50 hätte Tempo 20 gegolten, Fussgänger hätten Vortritt gehabt. Die Strasse wäre verengt und die Parkfelder am Strassenrand wären reduziert und übersichtlicher angeordnet worden. Bäume hätten das Gebiet verschönert. Mit diesen Massnahmen wollte der Gemeinderat die Strasse als Flaniermeile stärken und für das Gewerbe attraktiver machen.

Der für das Projekt zuständige Gemeinderat, Tiefbauvorsteher Peter Jenny (SVP), zeigt sich nun enttäuscht. «Das Resultat ist für uns schwierig zu deuten», sagt er. Es zeige wohl, dass es viele Leute gebe, die mit der heutigen Situation nicht zufrieden seien – aber ebenso viele, die sich nicht mit der vorgeschlagenen Lösung des Gemeinderats hätten anfreunden können.

Dabei hatten nebst dem Gemeinderat sämtliche Parteien das Projekt befürwortet – mit Ausnahme von Jennys eigenen, der SVP. Allerdings hatten sich auch zahlreiche Einzelpersonen öffentlich gegen das Projekt ausgesprochen. Sie hatten befürchtet, dass das Projekt kontraproduktiv sein könnte: noch mehr Verkehrschaos aufgrund der reduzierten Tempolimite, des Fussgängervortritts und der Verengung der Fahrbahn. Das örtliche Gewerbe – das übrigens gespalten war und Stimmfreigabe beschlossen hatte – würde von den Massnahmen nicht profitieren, sondern darunter leiden, glaubten viele.

SVP ist gesprächsbereit

Adrian Bergmann, interimistischer Präsident der SVP/BGB Meilen, sieht sich nach der Abstimmung bestätigt. «Wir haben gespürt, dass es im Dorf viele Leute gibt, die es anders sehen als der Gemeinderat und die übrigen Parteien», sagt er. Angesichts dessen, dass sich die SVP als einzige politische Kraft gegen die Vorlage gestemmt habe, sei das Resultat «äusserst respektabel». Bergmann ist der Meinung, dass der Gemeinderat in der Vernehmlassung zu viele Änderungsvorschläge ignoriert hat – nicht nur jene der SVP. «Das war ein Fehler.» Seine Partei wolle aber weiterhin Hand bieten, um eine Lösung zu finden. «Es wäre gut, wenn der Gemeinderat vermehrt auf unsere Vorschläge eingehen würde.»

Tatsächlich will denn auch Gemeinderat Jenny «möglichst viele jener Leute abholen, die Nein gestimmt haben». Es sei wichtig, zu wissen, was sie sich wünschten, sagt der Tiefbauvorsteher. Denn eines sei für ihn klar: «Mit der heutigen Situation ist niemand zufrieden.»

Obwohl der Kredit von 825 000 Franken für die Begegnungszone abgelehnt worden ist, wird die Dorfstrasse mittelfristig zur Baustelle. Der Gemeinderat hatte nämlich schon vor der Abstimmung deutlich gemacht, dass die Strasse sanierungsbedürftig ist und beispielsweise Werkleitungen dringend erneuert werden müssen. Dazu kann er in Eigenkompetenz einen Kredit von drei Millionen Franken sprechen. Am liebsten hätte die Behörde diese Arbeiten auf die Einführung eines neuen Verkehrsregimes abgestimmt. Das ist nun nicht mehr möglich. Gemäss Jenny muss nun der Gemeinderat das weitere Vorgehen beschliessen. «Wir wollen nur dort investieren, wo es wirklich nötig ist.» Denn sollten sich die Meilemer dereinst für eine neue Lösung für die Dorfstrasse entscheiden, müssten möglicherweise einige der Arbeiten, die nun im Zuge der Sanierung erfolgen, rückgängig gemacht werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.05.2019, 19:16 Uhr

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