Ortsnamen

Meilemer stammen nicht aus Mailand

Der Germanist Heinrich Boxler erklärte an einem Vortrag die Herkunft von Gemeindenamen.

Hinter dem Ortsnamen der Gemeinde Meilen verbirgt sich eine spezielle Geschichte.

Hinter dem Ortsnamen der Gemeinde Meilen verbirgt sich eine spezielle Geschichte.

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«Fröhliche Leute gaben der Gemeinde Lachen ihren Namen, und in Meilen siedelten zuerst Mailänder Auswanderer», erklärte Heinrich Boxler am Mittwoch – nur um seine These gleich zu widerlegen. Der Germanist hielt auf Einladung des Seniorentreffs Herrliberg einen Vortrag zur Entstehung der Ortsnamen in der Region Zürichsee. Dabei stellte er unter Beweis, wie akribisch man arbeiten muss, um die ursprüngliche Bedeutung eines Ortsnamens herauszufinden.

Gleich am Beispiel Herrlibergs zeigt sich, dass Archive durchforstet werden müssen – bis man auf die erste Erwähnung «Hardibercs» aus dem Jahr 1153 stösst. Mittelhochdeutsch bedeutet dieser Name «erhöhter Weidewald». Entsprechend den Lautregeln der deutschen Sprache wurde daraus «Herliberg». Als niemand mehr die ursprüngliche Bedeutung des Ortsnamens kannte, benannten die Einwohner ihre Gemeinde in «Herrliberg» um. Vor den gut 50 Anwesenden erläuterte Boxler, dies dürfte eine volksetymologische Anlehnung an «Herr» sei.

Kurioser Namensstreit

Küsnacht hat weder etwas mit Küssen in der Nacht noch mit Kissen zu tun. Zwar zeigt das Dorfwappen ein Kissen, doch auch hier könnten die vielen Lautverschiebungen über die Jahrhunderte zu vorschnellen Schlüssen verleiten. «Cossinacium» sei nämlich ganz einfach das Landgut des Cussinius, erläutert Boxler. Eine andere These besage, dass Küsnacht auf «Cussinach» zurückgehe – «der Bach des Cusso», wie Boxler erklärt. Im 18. Jahrhundert zog diese These einen kuriosen Namensstreit nach sich. Gewisse Stellen weigerten sich, das «t» in Küsnacht zu schreiben: Es werde der wahren Bedeutung des Ortsnamens nicht gerecht, sagten sie. Die Endung «-ach» könne tatsächlich auf den Dorfbach hinweisen, sagt der Germanist. Dennoch wurde an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung 1891 festgelegt, dass die Schreibweise «Küsnacht» von allen Stellen weiterhin benützt werden sollte.

An den Endungen der Siedlungsnamen lasse sich ablesen, wie alt diese seien, erläutert Boxler. Die Endung «-ikon», wie zum Beispiel bei Zollikon, stamme aus dem Althochdeutschen: Zollikon bedeutet «bei den Höfen der Leute des Zollo». Dörfer wie Richterswil oder Wädenswil, deren Name auf «-wil» endet, seien wesentlich älter. Diese entstanden gemäss dem Germanisten nämlich zwischen dem 7. und dem 11. Jahrhundert. Die Endung kommt von «Villa», was damals «Hof» bedeutete.

Als im Hochmittelalter nach dem 11. Jahrhundert neue Siedlungsflächen benötigt wurden, rodete man Teile der Wälder. An den Namen dieser neuen Dörfer lässt sich die Art der Rodung ablesen. Rüti und Grüt weisen darauf hin, dass Bäume mitsamt ihren Wurzeln beseitigt wurden. So können sich in Ortsnamen wichtige kulturhistorische Informationen verbergen. Zum Beispiel kann man frühere Sprachgrenzen relativ genau ziehen.

Die Endung Meilens fiel weg

Zum Schluss seines Referats weihte Boxler die Anwesenden auch noch in die ursprüngliche Bedeutung der Gemeindenamen von Meilen und Lachen ein. «Meilunach» heisse ursprünglich gefleckter Bach, erklärt der Germanist, «Das Ach, also der Hinweis auf den Bach, ging verloren.» Als das Dorf nämlich erstmals in päpstlichen Urkunden auftauchte, wurde der Ortsname immer stärker verändert.

Die Bedeutung Lachens erschliesse sich dagegen einfacher. Eine Lache ist eine kleine Pfütze, auch noch im heutigen Sprachgebrauch. Die erste Erwähnung Lachens findet sich im Jahr 1217, «de Lachun». Im Mittelhochdeutschen wies der Name auf eine Siedlung bei einem «sumpfartigen Gebiet» hin.

Erstellt: 28.02.2019, 19:36 Uhr

Heinrich Boxler.

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