Meilen

Meilemer macht Herzoperationen für 135 Franken möglich

Felix Fluck hat selber erlebt, wie es ist, am offenen Herzen operiert zu werden. Aus Dankbarkeit, wieder vollständig genesen zu sein, sammelt er nun Geld für Herzoperationen in Asien und Osteuropa.

Der Meilemer Felix Fluck möchte, dass nicht nur er, sondern auch Menschen in ärmeren Ländern vom medizinischen Fortschritt profitieren.

Der Meilemer Felix Fluck möchte, dass nicht nur er, sondern auch Menschen in ärmeren Ländern vom medizinischen Fortschritt profitieren. Bild: Reto Schneider

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Ein Belastungs-EKG unter ärztlicher Aufsicht auf einem Hometrainer offenbarte Felix Fluck nichts Gutes: Der Meilemer stand im April dieses Jahres offenbar kurz vor einem Herzinfarkt. Die Arterien der Kranzgefässe waren zwischen 70 und 90 Prozent verstopft.

Für den 55-Jährigen brach eine Welt zusammen. Ihm bereitete die Diagnose Angst, und er sah sich in wesentlichen Punkten getäuscht. «Ich dachte, wem nichts weh tut, der sei gesund und fit, was sich als grosser Irrtum erwies», sagt der ehemalige Spitzensportler. Auch sei er davon ausgegangen, dass, wer wie er Nichtraucher sei, kaum Alkohol trinke und Sport treibe, vor solchem Ungemach geschützt sei. «Das war leider nicht der Fall.» Fluck empfiehlt Menschen über 40, sich regelmässig untersuchen zu lassen. «Am besten ist ein Belastungs-EKG, das Herz und Kreislauf prüft.»

Eine Bypassoperation wurde für Fluck unumgänglich. Der selbstständige Betriebswirtschaftler ging noch eine Weile seiner Arbeit nach. In Gedanken bereitete er sich aber auf den Eingriff vor. Kraft gab ihm die Familie, und die Angst bewältigte er, indem er nicht an die Einzelheiten der siebenstündigen Operation dachte, sondern daran, wie er sich nach dem Spital erholen, es sich mit Freunden und Bekannten gut gehen lassen würde.

«Das mentale Training habe ich im Sport gelernt», sagt der ehemalige Spitzenleichtathlet des LC Zürich, der im Hochsprung eine persönliche Bestleistung von 2,13 m erreichte. «Ich dachte damals auch nicht an die technischen Details beim Sprung, sondern stellte mir das schöne Gefühl vor, schwerelos zu fliegen.»

Drei zusätzliche Adern

«Nun habe ich drei zusätzliche Adern, die man dem Unterarm entnommen hat», sagt Fluck. «Sie pumpen das Blut an den verkalkten Stellen vorbei ins Herz.» Er habe Glück gehabt, denn in der Schweiz gebe es Spitäler mit modernen Operationssälen und hervorragend ausgebildeten Chirurgen.

Aus Dankbarkeit suchte Fluck in der Folge einen Weg, Geld für Kinder und arme Menschen zu sammeln, die nicht über eine genügende medizinische Versorgung verfügen. Die Initialzündung war ein Gespräch vor der Operation in der Praxis seines Chirurgen Paul Vogt. Dieser erzählte ihm von seiner Eurasia Heart Foundation, die ein medizinisches Netzwerk in Osteuropa und Asien errichtet hat. Die dabei mitwirkenden Schweizer Ärzte operieren bei Kindern und Erwachsenen aus Überzeugung und ohne Honorar Herz- und Kreislauferkrankungen.

Fahrt auf der «Herzroute»

Die Chirurgen sind in der Ukraine, Armenien, Usbekistan, Vietnam, Kambodscha und Burma tätig. Vogt und sein Team helfen damit ähnlich wie Kinderarzt Beat Richner, der seine Spitäler in Kambodscha mit gesponserten Cellokonzerten finanziert. «Die Stiftung von Paul Vogt wollte ich augenblicklich mit Spendengeldern unterstützen», sagt Fluck. «Eurasia Heart macht Operationen in der Ukraine für 135 Franken möglich, in Burma kosten sie wegen der schlechteren Infrastruktur rund 300 Franken.»

Schon vor der Operation stöberte Fluck im Internet nach Begriffen, die mit «Herz» zu tun haben. Dabei stiess er auf Herzroute.ch, eine Veloroute für Hobbyradfahrer, die auf 14 Tagesetappen über Strässchen und Wege vom Bodensee quer durch das Herz der Schweiz nach Lausanne führt. Fluck wusste augenblicklich, dass er nun die Lösung für sein Vorhaben gefunden hatte. Er beschloss, auf einem E-Bike die Herzroute über 700 km als Spendenfahrt unter die Räder zu nehmen – täglich von einem anderen Freund begleitet. Morgen startet er in Romanshorn.

Auf seiner Homepage ruft Fluck zu Spenden auf. Bereits sind mehr als neun Franken pro Kilometer und mehrere pauschale Spenden zusammengekommen. Fluck sagt: «Das Geld kommt in beste Hände und hilft Menschen – so, wie auch mir geholfen wurde.» ()

Erstellt: 05.10.2015, 16:34 Uhr

Heart2Heart

Weitere Informationen zum Projekt und zum Spenden auf www.heart2heart.ch

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