Meilen

Meilemer Kirchenpflege scheitert mit Baurecht

Dass ihre Kirchenpflege ein Stück Land profitabel überbauen lassen wollte, haben viele Meilemer Reformierte nicht goutiert. Der Baurechtsvertrag mit einer Immobilienfirma ist an der Urne klar abgelehnt worden.

Bleibt bis auf weiteres eine grüne Wiese: Das Grundstück Schilt in Feldmeilen.

Bleibt bis auf weiteres eine grüne Wiese: Das Grundstück Schilt in Feldmeilen. Bild: Archiv / Patrick Gutenberg

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Die reformierte Kirchenpflege Meilen muss mit ihrem Grundstück Schilt zurück auf Feld eins. Das Land im Wert von über 14 Millionen Franken wird nicht im Baurecht an die Firma Swiss Property Sustainability Portfolio AG übertragen. Mit 58,5 Prozent Nein-Stimmen fiel dieser Entscheid deutlich.

An der Kirchgemeindeversammlung im Dezember mit 144 Anwesenden hatte das Geschäft noch eine knappe Mehrheit gefunden. Die Behörde argumentierte, der jährliche Zinsertrag von 320 000 Franken sei nötig für einen gesunden Finanzhaushalt. Das sah die Mehrheit der Reformierten anders. 1180 legten ein Nein ein, während 836 Ja sagten. 82 Stimmzettel blieben leer. Die Stimmbeteiligung betrug 51 Prozent.

Kampagne als Ursache

Kurz vor der Abstimmung war in Meilen ein Nein-Komitee aktiv geworden, das Flugblätter verteilte und grossflächige Zeitungsinserate schaltete. Bis auf Roger E. Schärer – ein Anwohner des betroffenen Grundstücks in Feldmeilen – wurden keine Namen von Komiteemitgliedern bekannt. Eine Tatsache, dieKirchenpflegepräsident Ruedi Schwarzenbach sauer aufstösst: «Ein solches Vorgehen ist bei uns nicht Brauch.»

«Wir sind dankbar, dass nun alles neu ausgedacht werden kann.»Roger E. Schärer, Nein-Komitee

Für Schwarzenbach ist die klare Nein-Mehrheit denn auch auf die anonyme Kampagne zurückzuführen. «Gegen ihre Unwahrheiten und Unterstellungen sind wir mit unseren Argumenten nicht angekommen», sagt er.

«Eine bittere Pille»

Die Gegner hatten vor allem die Kreditwürdigkeit der Investorin in Zweifel gezogen. Ausserdem suggerierten sie, dass im Ausland vorfabrizierte Holzhäuser für die Überbauung zum Einsatz kommen sollten. Das ärgert Reimer Siegert, den CEO der Swiss Property Sustainability Portfolio AG. Das gestrige Resultat nennt er eine «bittere Pille», nachdem man viel Geld in ein gutes Projekt investiert und einen ausgewogenen Baurechtsvertrag ausgehandelt habe. Seine Firma habe überdies alles getan, um die Zweifelan ihrer Bonität auszuräumen. «Aber wenn man mit sauberem Stil nicht gewinnen kann», sagt Siegert, «dann muss man eben verlieren können.»

Grund zum Jubeln hatte am Wahlsonntag Roger E. Schärer, der Kopf des Komitees «Nein zum Schiltbürgerstreich». Auf Anfrage gab sich Schärer versöhnlich: Er sei «dankbar, dass nun alles neu ausgedacht werden kann». Die Kirche müsse sich im Klaren sein, was ihr Auftrag sei, wenn sie Geld anlege oder baue – nämlich «Gutes tun und ein gesellschaftlicher Leuchtturm sein».

Kirchenpflege will Ertrag

Im Schilt müssten junge Familien und ältere Menschen günstigen Wohnraum finden, fordert Schärer. Gemäss seiner «Vision», wie er es nennt, würde die Kirchenpflege selber als Bauherrin auftreten und einen Generalunternehmer beauftragen. Um das Ganze bezahlbar zu behalten, sollen die Mieter selber beim Ausbau ihrer Wohnungen Hand anlegen.

Zur Kritik am Vorgehen des Komitees sagt Schärer lediglich, dass die anderen beiden Mitglieder – notabene ebenfalls aus dem Quartier – die Anonymität bevorzugt hätten.

Wie es nun im Schilt weitergeht, ist offen. Die 5500 Quadratmeter bleiben bis auf weiteres grüne Wiese. Kirchenpflegepräsident Ruedi Schwarzenbach sagt aber: «Wir fühlen uns als Verwalter des Kirchenguts verpflichtet, dranzubleiben.» Das heisst: ein Einkommen aus dem Land zu erwirtschaften. Denn eigene Baupläne hat die Kirchenpflege im Schilt derzeit nicht. Im Gegensatz zu einer anderen Liegenschaft, die ihr gehört: dem Grundstück Stelzen an derBruechstrasse oberhalb des Bahnhofs Meilen.

Dort sieht die Kirchenpflege eine gemischte Nutzung mit kostengünstigen Wohnungen, etwa für Senioren, sowie öffentlichen Dienstleistungsangeboten vor. Offen ist laut Schwarzenbach, ob die Kirchgemeinde selber als Bauherrin auftritt oder das Baurecht einem gemeinnützigen Träger abgibt. Klar ist, dass keine Abgabe an eineInvestorengruppe – wie im Fall Schilt – vorgesehen ist.

Erstellt: 22.05.2017, 12:06 Uhr

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