Meilen

Meilemer Jung-Imker sammeln online Geld für Honigschleuder

Drei Jung-Imker restaurierten das Bienenhaus ihres Urgrossvaters. Nun suchen sie online Spenden für eine Honigschleuder. Schon in den Anfängen des neuen Hobbys setzten sie auf das Internet und bildeten sich mit Youtube-Filmen weiter.

Die drei jungen Imker(von links) Patrick Steiger, Stefan Baumgartner und Remo Steiger mit ihren Imker-Utensilien vor dem Bienenhaus des Urgrossvaters.

Die drei jungen Imker(von links) Patrick Steiger, Stefan Baumgartner und Remo Steiger mit ihren Imker-Utensilien vor dem Bienenhaus des Urgrossvaters. Bild: Reto Schneider

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«Die Stiche machen einem schon fast nichts mehr aus», sagt Patrick Steiger lachend. Er steht ­zusammen mit seinem Bruder Remo und Stefan Baumgartner, einem Freund der beiden, in einer Wiese in Meilen auf dem Pfannenstiel. Hinter ihnen steht ein farbiges Bienenhaus. In der Luft schwirren Tausende Bienen.Seit zwei Jahren üben sich die drei als Imker. Der Urgrossvater von Remo und Patrick Steiger erbaute das Bienenhaus vor 100 Jahren. Als er es nicht mehr nutzen konnte, diente es während Jahren als Abstellraum. Diesem Zustand wollten die zwei Urenkel im Sommer 2014 ein Ende setzen. Sie machten sich an die Restaurierung des Bienenhauses. «Anfangs wollten wir es einfach retten und vielleicht in ein paar Jahren mit der Imkerei beginnen», sagt Remo Steiger.

30 000 Bienen als Geschenk

Doch als Werner Haller, Betriebskontrolleur des Imkervereins Bezirk Meilen, vor zwei Jahren vorbeischaute, um sich das frisch ­renovierte Bienenhaus anzusehen, sollte plötzlich alles viel schneller gehen als geplant. Haller kam nicht alleine. 30 000 Bienen, ein ganzes Volk, begleiteten ihn. Der Betriebskontrolleur warf sie mit diesem Geschenk ins kalte Wasser.

Ihr Wissen holten sich die Neo-Imker aus dem Internet. Mithilfe von Youtube-Videos bildeten sie sich weiter. Mittlerweile besuchen alle drei aber einen zweijährigen Imkerkurs, den sie diesen Sommer abschliessen werden. In der Hochsaison zwischen April und Juli schaut täglich jemand nach den mittlerweile neun Bienenvölkern. Die investierte Zeit zahlt sich für die jungen Imker aus: Schon zweimal konnten sie ihren eigenen Honig ernten.

Bienenattacke

Während der Honiggewinnung im Frühling haben es die Bienen besonders auf Stefan Baumgartner abgesehen. Trotz Schutz­anzug liessen Dutzende Stiche den Körper des 27-Jährigen anschwellen. Doch die Strapazen waren nicht umsonst: Die Frühlingsernte ergab ganze 41 Kilogramm Blütenhonig. Diesen verkaufen die Steiger-Brüder und Stefan Baumgartner nun über ihren Onlineshop. «Leben kann man davon nicht», sagt Patrick Steiger. Vielmehr investieren sie ihr eigenes Geld in das Imkerprojekt. Die Renovation des Bienenhauses und die Anschaffung verschiedener Imkerutensilien habe sie fast 10 000 Franken gekostet.

Finanzierung übers Internet

Bei der letzten Ernte hat die 60-jährige Honigschleuder des Urgrossvaters den Geist aufgegeben. Mit einer solchen Schleuder befördert man den Honig mittels Zentrifugalkraft aus den Waben. Sich eine neue Honigschleuder zuzulegen, liegt finanziell momentan nicht drin. «Jemand von uns hatte die Idee, Geld über Crowdfunding im Internet zu sammeln», sagt Stefan Baumgartner. Auf der Plattform wemakeit.com bieten sie nun für verschieden grosse Spenden eine passende Gegenleistung an. Für 145 Franken kann der Spender beispielsweise einen Probetag als Imker verbringen und mit den Bienen auf Tuchfühlung gehen. 3500 Franken wird die neue Honigschleuder kosten. Noch knapp einen Monat können sie über die Webseite Geld dafür sammeln. Die Hobby-Imker sind zuversichtlich: Die 2000er-Marke ist bereits überschritten.

Patrick Steiger hat Freude an seinem neuen Hobby. Auch wenn es zeitintensiv sei und keinen Lohn einbringen würde, mache die Imkerei Spass. Der 30-Jährige, der hauptberuflich als selbstständiger Architekt arbeitet, sagt: «Besonders die intelligente Konstruktion der Waben fasziniert mich.»

Die Sommerernte steht schon bald an, und die drei Jung-Imker freuen sich schon darauf, ihren Honig dann hoffentlich aus der neuen Schleuder fliessen zu lassen.
www.pfannihonig.ch

Erstellt: 28.06.2016, 15:44 Uhr

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