Bezirsgericht Meilen

Mehr als 30 Einbrüche in drei Monaten

Ein junger Albaner hat eine Serie von Einbrüchen in der Region verübt – einen Teil im Bezirk Meilen. Das Gericht hat ihn zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Ein ungewöhnlicher Fall wurde am Dienstag im Bezirksgericht Meilen behandelt: Gleich 32 Mal brach ein 25-jähriger Albaner innert 3 Monaten in Wohnungen und Einfamilienhäuser ein, um Wertsachen zu entwenden.

Ein ungewöhnlicher Fall wurde am Dienstag im Bezirksgericht Meilen behandelt: Gleich 32 Mal brach ein 25-jähriger Albaner innert 3 Monaten in Wohnungen und Einfamilienhäuser ein, um Wertsachen zu entwenden. Bild: Manuela Matt

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Der heute 25-jährige Mann aus Albanien, der als Beschuldigter im Bezirksgericht Meilen antreten musste, hatte es von Ende 2016 bis im Frühling 2017 offensichtlich eilig mit der Beschaffung von Wertsachen: Beeindruckende 32-mal brach er laut der Anklageschrift in drei Monaten in Wohnungen und Einfamilienhäuser ein, um vor allem Bargeld, Schmuck oder Uhren zu entwenden. Am meisten war er in Dübendorf unterwegs, wo im März 2017 allein in drei Tagen mehrmals zuschlug. Aber auch im Bezirk Meilen brach er achtmal ein, fünfmal davon in Meilen.

Dabei war der schmächtige junge Mann zwar nicht immer erfolgreich, doch insgesamt machte er eine Beute im Wert von rund 60 000 Franken. Dazu verursachte er mit den Einbrüchen Sachschäden von rund 40 000 Franken, wie das Gericht festhielt. Doch damit nicht genug: Vor seiner Einreise in die Schweiz hatte er als Asylbewerber bereits in Deutschland Delikte begangen, wofür er vier Vorstrafen kassierte, darunter eine Verurteilung für Diebstahl. In der Schweiz hatte er seine Einbruchserie zudem durchgezogen, obwohl die Staatsanwaltschaft See/Oberland eine Geldstrafe angeordnet hatte – bedingt und mit einer Probezeit von zwei Jahren.

Notlage als Motiv

Der Albaner, der während des Prozesses zurückhaltend und kontrolliert wirkte, war wiederholt in die Schweiz eingereist, auch mit der erfolglosen Hoffnung, eine Arbeit zu finden. Er hatte keine Aufenthaltsbewilligung, schlief nach eigenen Angaben jeweils im Auto und hatte lediglich Kontakt zu anderen Albanern und einem Händler in Zürich, der ihm Diebesgut abkaufte. Seit seiner Verhaftung anfangs April 2017 sass er in Untersuchungshaft, seit letztem Herbst im vorzeitigen Strafvollzug.

Bei der Befragung vor Gericht, machte der von einem Dolmetscher unterstützte Mann die Not seiner in armen Verhältnissen lebenden Familie in Albanien geltend. Als Hauptgrund für die Diebstähle nannte er einen Verkehrsunfall seines Vaters und seines Bruders, der Spitalaufenthalte mit hohen Kosten nötig gemacht habe. Bei der Befragung durch den Gerichtspräsidenten verstrickte er sich allerdings in Widersprüche, etwa mit Blick auf das Datum des Unfalls.

Verteidiger für Milde

Die Einbrüche selber hatte der Angeklagte gestanden, nicht jedoch alle von den Geschädigten rapportierten Entwendungen: So behauptete der Mann, dass er nie mehr als 500 Franken in bar mitgenommen und nicht alle gemeldeten Objekte wirklich gestohlen habe. Die Geschädigten hatten Bargelddiebstähle von bis zu 5000 Franken geltend gemacht.

Der Verteidiger führte die kriminellen Aktivitäten ebenfalls primär auf die prekäre Situation seines Mandanten zurück. Dieser habe nach dem Verlust seiner Arbeit in Albanien vergeblich nach einem Job im Ausland gesucht, und seine von Arbeitslosigkeit, Geldnot und dem Unfall des Vaters geprägte Familie habe buchstäblich ums Überleben gekämpft. Zudem habe er seine Taten aufrichtig bereut, sich persönlich bei Opfern entschuldigt und sich im Verfahren sehr kooperativ gezeigt.

Der Verteidiger forderte das Gericht auf, diese Fakten als strafmildernd zu berücksichtigen und plädierte für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, einen teilbedingten Vollzug und einen Landesverweis von fünf Jahren. Damit lag er klar unter dem Antrag des Staatsanwalts, der wegen «gewerbsmässigem Diebstahl, mehrfachem Hausfriedensbruch und mehrfacher Sachbeschädigung» eine unbedingte Freiheitsstrafe von 48 Monaten forderte. Daneben beantragte er – unter anderem - einen Landesverweis von 10 Jahren.

Der Angeklagte sei professionell, vorsätzlich und mit grosser krimineller Energie vorgegangen, argumentierte der Staatsanwalt etwa, zudem habe er wiederholt gelogen. Die Aussagen über finanzielle Nöte oder den Unfall des Vaters wies er zum Teil als unglaubwürdig zurück, es gehe dem Angeklagten nur darum, eine mildere Strafe zu bekommen.

Unglaubwürdige Aussagen

Das Gericht berücksichtigte diese Argumente deutlich stärker als die Aussagen des Verteidigers und ging mit seinem Urteil noch über die Anträge des Staatsanwalts hinaus: Es ordnete den Vollzug einer Freiheitsstrafe von 54 Monaten an, unter Anrechnung der bereits vollzogenen Haft. Dazu verurteilte sie den Täter zu acht Jahren Landesverweis. Zudem müsste er gemäss dem Urteil vielen der betroffenen Privatkläger Schadenersatz zahlen und Gerichts- und Verfahrenskosten von über 25 000 Franken übernehmen.

Der Gerichtspräsident bezeichnete das Urteil auch deshalb als «angemessen», weil die Deliktsumme «beträchtlich» und der Mann nur in die Schweiz gekommen sei, um zu delinquieren. Und dies in rascher Abfolge und sogar noch während der Probezeit, die er mit der bedingten Geldstrafe erhalten hatte. Er sei gezielt vorgegangen und habe jede Gelegenheit benutzt. Zudem habe er hartnäckig gelogen, die Taten nur tröpfchenweise gestanden und auch vor Gericht wieder widersprüchliche Aussagen gemacht, meinte der Richter.

Ferner betonte er mit Nachdruck, dass es nicht akzeptabel sei, kriminelle Taten einfach mit wirtschaftlicher Not zu rechtfertigen. Der Mann sei unglaubwürdig, die Rückfallgefahr hoch und eine gute Prognose für die Zukunft nicht möglich, bilanzierte der Gerichtspräsident. Ob der Verteidiger in die Berufung geht, ist noch offen.

Erstellt: 11.04.2018, 16:14 Uhr

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