Meilen

Martullo-Blochers abrupter Abgang überrascht Kirchenpflege in Meilen

Roberto Martullo-Blocher ist aus der katholischen Kirchenpflege von Meilen ausgetreten. Statt Kirchensteuern in Meilen zu bezahlen, will er einen Fonds des Bischofs von Chur unterstützen. Über die Kirchenpflege, die seinen Abgang bedauert, äussert er sich kritisch.

Unvergessen bleibt, wie Roberto Martullo-Blocher an der Gemeindeversammlung von Meilen einst das Portemonnaie zückte. Nun sorgt der Gatte von Christoph Blochers Tochter in der Gemeinde an der Goldküste schon wieder für Wirbel.

Unvergessen bleibt, wie Roberto Martullo-Blocher an der Gemeindeversammlung von Meilen einst das Portemonnaie zückte. Nun sorgt der Gatte von Christoph Blochers Tochter in der Gemeinde an der Goldküste schon wieder für Wirbel. Bild: Urs Jaudas

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Roberto Martullo-Blocher ist immer wieder für Schlagzeilen gut: Im Dezember 2016 sorgte er an der Gemeindeversammlung von Meilen für einen Coup, als er eine geplante Steuererhöhung mit der kurzfristigen Ankündigung von millionenschweren Nachzahlungen bodigte.

Jetzt sorgt der Gatte von Christoph Blochers Tochter und SVP-Nationalrätin Magda­lena Martullo-Blocher mit einer neuen Überraschung für Auf­sehen: Er ist gemäss einem Bericht der NZZ per sofort aus der katho­lischen Zürcher Landeskirche und als Kirchenpfleger in Meilen zurückgetreten. In der Personengalerie auf der Website der siebenköpfigen Meilemer Kirchenpflege klafft bereits eine schwarze Lücke: der für «Pastorales und Kommunikation» zuständige Kirchenpfleger fehlt.

Kritik auch am Synodalrat

Gegenüber der ZSZ teilte SVP-Mitglied Martullo-Blocher per Mail mit, dass er auch künftig zur katholischen Kirche und zu «unserem Bischof» – gemeint ist Vitus Huonder – stehe. Was er aber nicht mehr unterstützen könne, sei eine Kirchenpflege «die ihrem Auftrag nicht mehr nachkomme». Das gelte auch für einen Synodalrat, der die Spaltung des Bistums provoziere.

Gemäss der NZZ hat er seinen Austritt gegenüber der Kirchenpflege in Meilen nur mit einem kurzen Schreiben bekannt gemacht – ohne Begründung und per sofort. Eigentlich wäre seine Amts­dauer als Kirchenpfleger erst im Juli ausgelaufen. Der NZZ bestätigte Roberto Martullo-Blocher zudem, dass er in Meilen keine Kirchensteuer mehr bezahle. Dafür werde er einen Solidaritätsfonds des konservativen Bischofs von Chur, Vitus Huonder, unter­stützen. In diesen Fonds können Katho­liken einzahlen, die aus Organisationen der Landeskirchen austreten und trotzdem Mitglied der römisch-katholischen Kirche bleiben wollen. Zahlungen in den Fonds kommentierte Martullo-Blocher gegenüber der ZSZ nicht. Er hält aber fest: «Ich werde ausgewählte Projekte der katholischen Kirche direkt unterstützen.»

Martullo-Blochers Reaktion zeigt, dass der Ehemann der Ems-Chemie-Chefin dem konservativen Bistum Chur und Bischof Huonder näher steht als dem Reformkurs der Zürcher Katho­liken. Diese verweigern seit Jahren Zahlungen ans Bistum, derweil Bischof Huonder moralische Ansprüche auf Gelder der Zürcher Landes­kirche geltend machte – etwa, um die Renovation seines Schlosses mitzufinanzieren. Der Prä­si­dent der katholischen Kirchenpflege in Meilen, Beat Kälin, bestätigte den Austritt Martullo-Blochers aus dem Gremium. Die Kirchenpflege «bedauere» den Ent­scheid ihres langjährigen Mitglieds, betonte Kälin. Martullo-Blocher sei schon bei seinem Amtsbeginn 2014 in der Meilemer Kirchenpflege aktiv gewesen.

Finanzieller Verlust

Zum finanziellen Verlust, der durch den Ausfall von Martullo-Blochers Kirchensteuer entstehen würde, könne man nichts sagen. Auskünfte zu Steuerdaten einzelner Mitglieder seien nicht möglich. Sicher ist laut Beat Kälin, dass die nun entstandene Vakanz in der Meilemer Kirchenpflege bis zu den Neuwahlen im Juni bestehen bleibt. Bis dahin werde die Arbeit auf die sechs übrig gebliebenen Mitglieder aufgeteilt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.01.2018, 18:12 Uhr

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