Marktturbulenzen bremsen Bellevue Group aus

Die Küsnachter Vermögensverwalterin hat 2018 weniger Geld verdient. Die Tochter Bank am Bellevue bleibt das grösste Sorgenkind.

Bellevue Group-Chef André Rüegg will den Fokus im laufenden Jahr auf die wichtigste Baustelle legen: die Bank am Bellevue.

Bellevue Group-Chef André Rüegg will den Fokus im laufenden Jahr auf die wichtigste Baustelle legen: die Bank am Bellevue. Bild: Michael Trost

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Die Bellevue Group hat im Geschäftsjahr 2018 zum zweiten Mal in Folge einen Gewinn erzielt. Allerdings liegt er nach einem schwächeren zweiten Halbjahr unter dem Vorjahresniveau. Bereits Ende Januar hatte die Vermögensverwalterin in einer vorgezogenen Meldung darauf hingewiesen, dass sie für das vergangene Jahr mit einem Reingewinn von knapp 20 Millionen Franken rechne. Für 2017 hatte ein Gewinn von 21,5 Millionen resultiert.

Anlagegeschäft stützt

Grund für den Rückgang sind vor allem die Verwerfungen an den globalen Finanzmärkten gegen Ende Jahr. Sie führten beim «reinen Anlagehaus», wie CEO Andre Rüegg am Dienstag die Bellevue Group nach ihrem Umbau bezeichnete, zu einer negativen Anlageperformance für das zweite Halbjahr: «Gewinne wurden mitgenommen, und der Risikoappetit der Anleger ist geschwunden». Dadurch reduzierten sich die betreuten Kundenvermögen per Ende 2018 um rund 15 Prozent auf 10,8 Milliarden Franken. Allerdings hätten diese im guten Börsenmonat Januar 2019 bereits wieder auf 11,8 Milliarden zugelegt, sagte Rüegg, und auch der Februar sehe freundlich aus: «Die Erholung der Aktienmärkte der letzten Wochen hat auch uns geholfen, um wieder auf das alte Ertragsniveau zu kommen».

«Die Erholung der Aktienmärkte in den letzten Wochen hat auch uns geholfen.»André Rüegg, CEO Bellevue Group, Küsnacht

Die Bellevue Group hatte ihr Brokerage-Geschäft (Wertpapierhandel) per Mitte 2017 eingestellt.Tragender Pfeiler der Finanzgruppe mit ihren rund 120 Mitarbeitenden, davon 75 am Hauptsitz in Küsnacht, bleibt damit das Anlagegeschäft, das im Bereich Bellevue Asset Management zusammengefasst ist. Dabei zeigten die einzelnen Produktlinien unterschiedliche Entwicklungen: Einer starken Nachfrage nach spezialisierten Anlagestrategien für den Gesundheitsbereich (Healthcare) mit höherer Marge stand ein geringes Interesse für regionale Aktien- und Obligationenanleihen sowie Mischstrategien entgegen, «die in der Summe kein Geld anzuziehen vermochten».

Als Rückschlag für die Bellevue Group bezeichnete Rüegg neben den Marktverwerfungen das Abschneiden der Tochter Bank am Bellevue im vergangenen Jahr. Die Bank litt unter den ausbleibenden Einnahmen aus Handelsaktivitäten für Kunden und aus erfolgsabhängigen Gebühren. Im Jahr 2018 schlug der Wegfall dieser Erträge nach der Einstellung der Brokerage- und Corporate-Finance-Aktivitäten erstmals voll durch, während die Kosten trotz des mit der Aufgabe verbundenen Stellenabbaus in Küsnacht, wo 25 Stellen gestrichen wurden, nicht im nötigen Mass sanken. Die Bank am Bellevue fuhr einen Verlust von 8,2 Millionen Franken ein, doppelt soviel wie budgetiert. Das Ergebnis liege deutlich unter den Ambitionen der Gruppe, räumte Rüegg ein. Immerhin sah er auch Licht im Dunkel:Abflüsse von tiefmargigen Beratungsmandaten hätten durch neue unternehmerische Privatkunden kompensiert werden können, welche teurere Vermögensdienstleistungen beziehen würden.

Finanzielle Lage verbessern

Für Rüegg bleibt wichtig, «dass wir qualitativ weiter wachsen können, dass die Margen stimmen und dass die Kostenrelationen vernünftig sind». Sein Augenmerk will er auf die Stärkung der Vermögensverwaltung und der Verbesserung der finanziellen Lage der Bank legen. Die Beschleunigung der Aktivitäten sowie die Verbreiterung der Vermögens- und Ertragsbasis seien dabei zentral - aus eigener Kraft oder mit gezielten Akquisitionen: «Wenn wir jedes Jahr mit solchen Marktverhältnissen konfrontiert sind wie 2018, müssen wir in der Lage sein, diese aufzufangen».

Eine substanzielle Aufwertung erfahren hat im vergangenen Jahr dafür die Beteiligung an der Schweizer Börse SIX - um 22, 7 Millionen auf 43,8 Millionen Franken. Für das Geschäftsjahr 2018 erhalten die Aktionäre der Bellevue Group eine unveränderte Ausschüttung von 1,10 Franken je Titel. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.02.2019, 16:47 Uhr

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