Herrliberg

Margrit Läubli erzählt aus ihrem bewegten Bühnenleben

Wie keine andere hat Margrit Läubli die Schweizer Cabaret-Szene geprägt. In Herrliberg legte die 91-Jährige einen erfrischenden Auftritt hin und gab ihr Geheimnis zum Altwerden preis.

Kabarettistin Margrit Läubli präsentiert in Herrliberg auch Sketches und Limericks.

Kabarettistin Margrit Läubli präsentiert in Herrliberg auch Sketches und Limericks. Bild: Michael Trost

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«Emsig nagt der Zahn der Zeit» – mit dieser Parodie in Versform zum Thema Alter beginnt Margrit Läubli ihren Auftritt in der Herrliberger Vogtei. Vor der 91-Jährigen sitzen am Donnerstag rund 50 Senioren im Zehntensaal, um sich von der einstigen Balletttänzerin, Schauspielerin und Kabarettistin aus deren Leben erzählen zu lassen.

Die schlanke Frau mit dem langen grauen Haar, dem wachen Blick und dem Schalk in den Augen wird in der folgenden Stunde in die Vergangenheit ihres Lebens tauchen. Und dabei Limericks und Cabaret-Einlagen so geistreich zum Besten geben, als hätte eben dieser Zahn der Zeit noch nicht an ihr zu nagen begonnen. Auf die Frage, ob sie ein Geheimnis zum Altwerden habe, wird Läubli, nicht ohne ein verschmitztes Lächeln aufgesetzt zu haben, ganz am Schluss preisgeben: «Einfach nicht dran denken, dass man so alt ist.»

Tänzerin war ihr Traum

1928 mitten in der Wirtschaftsdepression geboren, ist Margrit Läubli zu Sechst in einer 3-Zimmerwohnung in Schmiede-Wiedikon aufgewachsen. Sie war noch klein, als der Vater die Familie verliess. Doch eine harte Jugend hätte sie deswegen nicht gehabt, denn «wir hatten nur Lebenskünstler in der Familie». In einem Zimmer hatte die Grossmutter, eine Damenschneiderin, ihr Atelier eingerichtet. Das «gesamte Matriarchat» habe sie gedrängt, nach der Sekundarschule eine Schneiderinnenlehre anzutreten, um das Geschäft mit den Kleidern weiterzuführen.

«Ich war auf einmal Kabarettistin, ohne zu wissen, was das bedeutet.»Margrit Läubli

Doch sie habe ganz andere Träume gehabt: «Ich wollte Tänzerin werden.» Als ihr Bruder im damaligen Stadttheater, dem heutigen Opernhaus, eine Rolle übernehmen durfte, rückte Margrit Läubli bald als Kinderstatistin nach und begegnete all den grossen Stars wie Maria Becker, Anne-Marie Blanc, Therese Giehse und Heiri Gretler. Dies bezeichnet sie heute als Schlüsselerlebnis ihres Lebens. Weil das Geld für den Ballettunterricht fehlte, erbat sich die junge Margrit beim Theaterdirektor eine Audienz – ohne das Wissen der Mutter. Prompt wurde sie nach dem Vortanzen als «Naturtalent» entdeckt und erhielt ein städtisches Stipendium für die klassische Tanzausbildung.

Gute Premierenkritik

«Die Bühne war meine Heimat», erzählt Läubli, die im Zürcher Corps de Ballett mitwirkte. Dennoch habe sie stets auch das Sprechtheater interessiert, was dazu führte, dass sie Rollenstudium und Sprechtechnik bei niemand geringerem als Gustav Knuth erhielt. «Ich spürte, dass zunehmend das Wort meine Welt war.» Darum habe sie auch ihren späteren Mann, den Kabarettisten Cés Keiser so geliebt und bewundert.

Nach einer Ballettausbildung am Opernhaus Zürich wurde Margrit Läubli 1950 Mitglied des Cabaret Cornichon

Durch eine «glückliche Fügung», sei sie vom Choreografen des Cabaret Cornichon engagiert worden. «Ich war auf einmal Kabarettistin, ohne zu wissen, was das bedeutet.» Margrit Läubli amüsiert darauf ihr Herrliberger Publikum mit der Premierenkritik zu ihrem Auftritt am 12. Dezember 1950: Die junge Läubli, heisst es darin, sei eine «reizvolle unbeschwerte Neue, die den ganzen Abend einen schwebenden Hauch von Holdseligkeit» versprüht habe. «So eine Kritik über mich hat es danach nie mehr gegeben», sagt die Referentin und lacht. Das Cabaret sollte ihre endgültige Bühne werden. Man habe damit keine Unterhaltung zum Abschalten geboten, sondern dem Publikum geholfen, das Leben auch von der komischen Seite zu sehen. «Wir wollten, dass sich die Verbissenheit in der Welt in Heiterkeit verwandelt.»

Liebe auf den ersten Blick

Eine Tages sei ihr ein schlanker Mann aufgefallen, der vom Basler Cabaret Kikeriki ins Zürcher Café Fédéral wechselte, wo Margrit Läubli nach der Schliessung des Cabaret Cornichon inzwischen auftrat. «Schon bei der ersten Probe hat es gefunkt», blickt sie zurück und sagt über Cés Keiser: «Es war Liebe auf den ersten Blick.» 1956 wird geheiratet, bald folgt der Nachwuchs.

Margrit Läubli zusammen mit Cesar Keiser bei einem Auftritt im Jahre 1983. Bild: Keystone.

Um die Familie zu ernähren, arbeitet Keiser als Werbetexter, doch zieht es ihn zur Bühne. Er mietet das Theater am Hechtplatz und präsentiert 1962 sein erstes Soloprogramm, mit seiner Frau als Regisseurin, Choreografin und Kostümbildnerin. Es folgt Opus 2, und ab Opus 3 im Jahr 1964 steht Margrit Läubli nach sieben Jahren Bühnenabsenz mit Cés Keiser im ersten Duo-Programm gemeinsam im Rampenlicht. Für ihre unvergesslichen Texte und Sprüche schöpfen die beiden aus dem eigenen Leben. 22 eigene Bühnenprogramme, ohne staatliche Subventionen, wie Läubli betont, spielen sie von 1962 bis 2007, dem Todesjahr von Cés Keiser.

Mit ihrem Lieblingsgedicht endet Läubli: «Zärtlichkeit, Zuneigung und Zeit füreinander», das seien Werte, für die es sich zu leben lohnt.

Erstellt: 20.09.2019, 16:26 Uhr

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