Männedorf / Stäfa

Makabere Fundstücke aus Wrack landen im Museumsarchiv

Das Wrack, das Taucher vor der Stäfner Badi Lattenberg entdeckt und untersucht haben, bleibt auf dem Seegrund. Einige Gegenstände, die sie geborgen haben, lagern nun aber in einem Archiv in Männedorf.

Taucher Adelrich Uhr (links) übergibt die Petrollampen, den Lederschuh und weitere Fundstücke aus dem Stäfner Wrack dem Archivar Hansueli Steinemann.

Taucher Adelrich Uhr (links) übergibt die Petrollampen, den Lederschuh und weitere Fundstücke aus dem Stäfner Wrack dem Archivar Hansueli Steinemann. Bild: Michael Trost / Adelrich Uhr

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Ein Herrenschuh aus Leder, zwei Petrollampen aus den Jahren 1909 und 1910 sowie zahlreiche weitere Gegenstände haben Taucher und Hobby-Unterwasserarchäologen in einem Wrack vor dem Stäfner Strandbad Lattenberg gefunden. Sie haben das Schiff, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden sein muss und später mit einem Motor aufgerüstet wurde, säuberlich ausgemessen und dokumentiert. Nach dem Abschluss der Arbeiten stellt sich nun die Frage: Was geschieht mit den Fundstücken aus dem gesunkenen Ledischiff?

Die Freizeitforscher, die sich im Verein Swiss Archeo Divers organisiert haben, dürfen die Gegenstände nicht behalten. Die Kantonsarchäologie verlangt, dass die Objekte inventarisiert und für sie stets auffindbar sind – oder aber dass sie zur Fundstelle, also zum Wrack, zurückgelegt werden. Im Wasser würden sie aber nach und nach zerfallen. Die Lampen sowie andere geborgene Metallteile sind schon jetzt rostzerfressen. Fasst man sie zu grob an, zerbröseln oder zerbrechen sie. Weitere hundert Jahre im See würden ihnen den Rest geben.

Wem gehörte der Schuh?

Adelrich Uhr, der die Untersuchungen am Wrack leitete, entschied sich deshalb dafür, die Fundstücke an einem sicheren Ort zu deponieren. In Absprache mit der Kantonsarchäologie hat er sie dem Archiv der Kulturschüür in Männedorf übergeben. In der Kulturschüür war früher das Schifffahrtsmuseum untergebracht. Um Platz für wechselnde Kunstausstellungen zu schaffen, ist aber die permanente Ausstellung des Schifffahrtsmuseums vor einiger Zeit ins Archiv in einer Zivilschutzanlage an der Langackerstrasse verlegt worden.

Dort nahm Hansueli Steinemann, Archiv der Kulturschüür, vergangene Woche die Fundstücke aus dem Stäfner Wrack entgegen. «Vielleicht werden sie eines Tages in einer temporären Ausstellung in der Kulturschüür zu sehen sein», sagte der Männedörfler.

Die Gegenstände würden sicherlich die Fantasie der Betrachter anregen, handelt es sich doch insbesondere beim Lederschuh um einen makaberen Fund. Naheliegend – wenn auch nicht belegt – ist, dass er einem Besatzungsmitglied gehörte, das womöglich ums Leben kam, als das Schiff sank. Genaues über die Umstände fand Taucher Uhr nichts heraus. Wahrscheinlich ist aber, dass sich ein Unglück ereignet haben muss: Denn das Schiff sank mitsamt seiner Ladung, mehreren Tonnen Sand.

Wrack wird verschwinden

Aufgrund der Jahreszahlen auf den mit Petrol betriebenen Positionslampen ist zudem klar, dass dies nicht vor 1910 geschehen sein kann. Um diese Zeit war das Schiff auch mit einem Benzinmotor ausgerüstet worden, der die bislang verbreiteten Petrolmotoren ablöste. Die Taucher konnten aus dem Tank sogar noch Benzinreste abpumpen. Auch eine zerbrochene Zündkerze des Motors konnten sie bergen, ebenso ein Holzstiel einer Schaufel, verrostete Teile eines Kamins, ein Ringgabelschlüssel und Glasscherben.

Diese Relikte werden wohl das gesunkene Ledischiff überdauern. Denn das Wrack selber wird sich irgendwann im See zersetzen. Die Swiss Archeo Divers haben indessen bereits ihr nächstes Projekt gestartet: Sie untersuchen zwei Schleppkähne aus dem 19. Jahrhundert, die vor Wädenswil gesunken sind. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.08.2018, 15:52 Uhr

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