Personalrecht

Männer holen bei Kinderpflege auf

Ein Blick in die Firmen der Region zeigt: Eltern mit kranken Kindern zuhause bekommen vom Arbeitgeber anstandslos frei. Die Zahl der Abwesenheiten ist aber gering. Im Umgang zeigen sich dennoch Unterschiede.

Teilzeitpensen machens einfacher: Bis zu drei Tage pro Fall können sich berufstätige Eltern der krankheitsbedingten Betreuung ihrer Kinder widmen.

Teilzeitpensen machens einfacher: Bis zu drei Tage pro Fall können sich berufstätige Eltern der krankheitsbedingten Betreuung ihrer Kinder widmen. Bild: Keystone

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Jedes Jahr mit Beginn der Grippesaison stellt sich wieder die Frage: Dürfen berufstätige Eltern wegen kranker Kinder am Arbeitsplatz fehlen? Laut Gesetz kann ein Arbeitnehmer bei Vorliegen eines Arztzeugnisses bis zu drei Tage von der Arbeit fernbleiben zur Betreuung eines kranken Kindes. Das Gesetz gebe aber nur die minimale Regelung vor, sagt Arbeitsmarktexpertin Daniella Lützelschwab vom Schweizerischen Arbeitgeberverband. Darüber hinaus seien die Arbeitgeber frei, ihren Mitarbeitenden grosszügigere Lösungen zu bieten.

In der Praxis verlange der Arbeitgeber meist erst ab dem dritten Tag ein Arztzeugnis. Der Arbeitgeber verzichte zugunsten des Arbeitnehmers vorher darauf, da ihm sonst Kosten entstehen würden.

Nur kurze Abwesenheiten

Doch wie sieht der Praxistest aus? Beim Halbleiterhersteller AMS in Rapperswil verweist Standortleiter Thomas Troxler darauf, dass einige der jungen Väter ein reduziertes Arbeitspensum aufweisen und sich die Betreuung der Kinder zuhause teilen, da auch die Mütter häufig Teilzeit arbeiten. Es komme aber dennoch ab und zu zur Situation, dass im Krankheitsfall eines Kindes ein entsprechender Pflegebedarf besteht: «Wir erlauben dazu eine tageweise Abwesenheit».

Die aus diesem Grund bisher angefallenen Abwesenheiten bei AMS waren laut Troxler aber immer von kurzer Dauer und konnten ohne relevante Beeinträchtigungen für den Betriebsablauf gemanagt werden. Nach mehr als drei Tagen Krankheitsabwesenheit muss ein Arztzeugnis vorgelegt werden: «Sollten wir einmal den Verdacht hegen, dass jemand unsere Vorgehensweise missbraucht, behalten wir uns das Recht vor, ab dem ersten Tag ein Arztzeugnis zu verlangen». Zudem bietet AMS seinen rund 50 Mitarbeitern in Rapperswil an, die Kosten einer Grippeimpfung zu übernehmen, nicht zuletzt als Schutz gegen die Ansteckung durch die eigenen Kinder. Die Impfung muss allerdings beim Hausarzt vorgenommen werden.

«Einige der jungen Väter bei uns weisen ein reduziertes Arbeitspensum auf».Thomas Troxler, AMS International AG

Bei der Bank Thalwil dürfen die Eltern im Normalfall in einem «verhältnismässigen Rahmen» — fünf Arbeitstage pro Jahr — ihre kranken Kinder zuhause betreuen. «Insbesondere dann, wenn es sich um Alleinerziehende handelt beziehungsweise beide Eltern berufstätig sind», wie Bankleiter Andreas Fuchs sagt. Dabei handelt es sich um zwei bis drei Mitarbeitende — bei insgesamt 40 Mitarbeitenden — pro Jahr, welche von dieser Regelung Gebrauch machen. Die Tendenz ist eher zunehmend: «Missbrauch konnten wir bis anhin nicht feststellen». Es seien zwar immer noch vermehrt Frauen, die dafür frei nehmen, «aber es gibt zunehmend auch Männer, die wegen Kinderpflege am Arbeitsplatz fehlen», erklärt Fuchs.

Bei Abwesenheiten von mehr als drei Arbeitstagen hintereinander sehen die Richtlinien der Bank vor, einen Arzt aufzusuchen, der die Abwesenheitsdauer insgesamt festlegt und bestätigt. Dieselbe Regelung wird auch für Eltern angewendet, welche bei ihren kranken Kindern bleiben müssen. Die Bank Thalwil prüft überdies derzeit die Einführung von bezahlten Grippeimpfungen durch den Arbeitgeber.

Kostenlose Grippeimpfung

Auch der Laborausrüster Tecan in Männedorf hat eigene Richtlinien im Umgang mit Mitarbeitern verfasst, deren Kinder zuhause krank im Bett liegen: Bis zu neun Tage Abwesenheit seitens der Eltern im Jahr sind erlaubt, wie Konzernsprecher Martin Brändle angibt. Davon Gebrauch machen sowohl Frauen als auch Männer. Ein Arztzeugnis wird — wie bei jeder krankheitsbedingten Abwesenheit — nach dem dritten Tag verlangt. Generell werden alle Abwesenheiten in einem Absenzen-System erfasst.

Insgesamt handelt es sich aber nur um einige wenige Fälle, wie Brändle erklärt. Aktuell sei auch kein zunehmender Trend feststellbar, ebensowenig wie für einen Missbrauch der Firmenpolitik. Da Tecan mit seinen rund 500 Mitarbeitern am Standort Männedorf ein Stellvertretersystem implementiert hat, stellen laut Brändle auch Engpässe in der Produktion durch solche krankheitsbedingten Personalausfälle die absolute Ausnahme dar. Das Unternehmen bietet wie AMS allen Mitarbeitenden eine kostenlose Grippeimpfung an. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.10.2017, 14:42 Uhr

Drei freie Tage für die Betreuung von kranken Kindern

Spannungsverhältnis von betroffenen Eltern Rechnung tragen

Wenn Kinder von Arbeitnehmenden krank werden, stehen diese vor der Situation, gleichzeitig ihren Verpflichtungen aus dem Arbeitsvertrag und ihrer gesetzlichen Fürsorgepflicht nachkommen zu müssen. Darauf verweist auf Anfrage der ZSZ die Arbeitsmarktexpertin Daniella Lützelschwab vom Schweizerischen Arbeitgeberverband.

Diesem Spannungsverhältnis werde dadurch Rechnung getragen, dass den betroffenen Eltern für die Pflege und Betreuung von Kindern und anderen Angehörigen oder nahestehenden Personen unter bestimmten Voraussetzungen Arbeitsbefreiungs- und Lohnfortzahlungsansprüche zustehen. Diese Regelung stützt sich auf Bundesrecht (Art. 36 Abs. 3 Arbeitsgesetz). Dieses sieht vor, dass Arbeitgeber ihren Arbeitnehmenden mit Familienpflichten gegen Vorlegen eines ärztlichen Zeugnisses für die zur Betreuung kranker Kinder erforderliche Zeit bis zu drei Tagen freizugeben haben. Damit soll es ihnen möglich sein, ihr Kind persönlich zu betreuen und zu pflegen beziehungsweise die allenfalls danach notwendige weitere Ersatzbetreuung zu organisieren.

Als Familienpflichten gelten demnach «die Erziehung von Kindern bis 15 Jahren sowie die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger oder nahestehender Personen». Falls ein älteres Kind alleine krank zu Hause ist, hat man das Recht auf eine Mittagspause von mindestens anderthalb Stunden, um das Kind über Mittag zu versorgen. Überstunden dürfen verweigert werden, wenn ein krankes Kind gepflegt werden muss. Eine Kündigung aus diesem Grund wäre missbräuchlich und könnte angefochten werden. Diese Regelung gilt je Krankheitsfall. Unter Umständen kann ein Arbeitnehmer aber auch länger von der Arbeit befreit werden.

Die Eltern haben sich allerdings zu bemühen, nach geeigneten Ersatzlösungen zu suchen. Diese Pflicht entfällt, wenn die Anwesenheit der Eltern notwendig ist. Ob der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer für diese Absenzen einen Lohn zu leisten hat, richtet sich nach denselben Regeln wie bei Krankheit eines Arbeitnehmers. (ths)

Bundesrat erwägt Pflegeurlaub

In der Schweiz pflegen und betreuen pro Jahr mindestens 140 000 Personen im Erwerbsalter regelmässig Angehörige, über 800 von ihnen verunfallte oder schwer erkrankte Kinder. Der Bundesrat möchte für solche Fälle bessere Lösungen für die Pflegenden. Eine mögliche Lösung wäre ein bezahlter Betreuungsurlaub, der auch länger dauern kann, finanziert über Lohnprozente, bezahlt zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Im Rahmen seiner gesundheitspolitischen Agenda «Gesundheit 2020» hat der Bundesrat den Auftrag erteilt, verschiedene Modelle für einen Pflegeurlaub auszuarbeiten. Die Vorschläge sollen bis Ende 2017 vorliegen.(ths)

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