Zürichsee

Männedorf steigt aus Seeretterverbund aus

Männedorf steigt aus dem Verbund des Seerettungsdienstes Wädenswil-Richterswil-Stäfa-Männedorf aus. Bei den drei zurückgelassen Partnergemeinden sorgt das für Unverständnis.

2016 war die Welt des Verbunds noch in Ordnung, als der Wädenswiler Stadtrat Jonas Erni die Taufe des neuen Seeretterboots «Johanniter 4» vollzog.

2016 war die Welt des Verbunds noch in Ordnung, als der Wädenswiler Stadtrat Jonas Erni die Taufe des neuen Seeretterboots «Johanniter 4» vollzog. Bild: Archiv David Baer

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Männedorf will nicht mehr im selben Boot sitzen wie Wädenswil, Richterswil und Stäfa. Diese vier Gemeinden bilden seit 1992 den Verbund des Seerettungsdienstes (SRD) Johanniter, der in Wädenswil stationiert ist. In Zukunft will der Gemeinderat Männedorf lieber mit dem SRD Meilen-Uetikon, also mit den Nachbargemeinden seeabwärts statt mit dem am linken Seeufer liegenden SRD Wädenswil zusammenarbeiten.

Die Zusammenarbeit habe bisher klaglos funktioniert, beteuern alle Beteiligten. Die verbleibenden Gemeinden bedauern den Ausstieg des langjährigen Partners, der für sie Kostenfolgen haben wird.

Alles mit einem Partner

Für André Thouvenin, Gemeindepräsident (FDP) von Männedorf, hat der Wechsel «gar nichts mit der Leistung zu tun». Der Verbund im SRD Wädenswil arbeite bestens, auch mit dem Obmann der Vereinigung habe stehts ein gutes Einvernehmen bestanden. Auch die Frage der Kosten sei nicht das wichtigste Kriterium gewesen, sagt Thouvenin. Derzeit zahlt seine Gemeinde rund 30000 Franken Anteil im SRD Wädenswil. In Meilen wird der Beitrag dem Vernehmen nach sogar etwas höher sein.

«Wir wollen möglichst für alle Blaulichtorganisationen nur einen Ansprechpartner haben.»André Thouvenin, Gemeindepräsident Männedorf

«Wir haben uns allein aus rationellen Gründen entschieden, den Verbund zu verlassen», sagt Thouvenin. Der Gemeindepräsident erklärt das Ausscheren mit der neuen Strategie in der Sicherheitspolitik von Männedorf. «Wir wollen möglichst für alle Blaulichtorganisationen nur einen Ansprechpartner haben.» Und das solle bevorzugterweise immer Meilen sein.

Beim Zivilschutz gehört Männedorf seit Beginn 2019 zur Zivilschutzregion Meilen (mit Uetikon und Herrliberg). Bei der Feuerwehr arbeitet es mit Uetikon zusammen und ist damit Meilen geografisch einen grossen Schritt näher gerückt. Auch die eigene Gemeindepolizei soll an jene von Meilen-Herrliberg-Erlenbach angeschlossen werden. Dafür werden derzeit Gespräche mit dem Bezirkshauptort geführt.

Kostenfrage ohne Bedeutung

Thouvenin rechtfertigt diese Ausrichtung mit einer vereinheitlichten Kooperation auf allen Ebenen der Sicherheitspolitik. «Grossereignisse sind wesentlich einfacher zu handhaben, wenn man immer mit denselben Leuten zusammenarbeitet.» Deshalb habe der Gemeinderat konsequent auch den Wechsel beim Seerettungsdienst diskutiert – und sich schliesslich dafür entschieden.

Thouvenin sagt, dass der Gemeinderat voraussichtlich an seiner letzten Sitzung in diesem Jahr kurz vor Weihnachten den Austrittsbeschluss fällen wird, sodass die schriftliche Kündigung rechtzeitig vor Jahresende bei den bisherigen Partnern eintrifft. Gleichzeitig würde auch schon der neue Vertrag mit Meilen unterzeichnet sein. Mit der einjährigen Kündigungsfrist könnte der Wechsel per 1.1.2021 vollzogen werden.

Die Stimmbürger müssen diesem Schritt übrigens nicht zustimmen – im Gegensatz zum beabsichtigten Anschluss an den Polizeiverbund Meilen. Denn bei den Seerettern wechselt Männedorf nur den Partner, bei der Polizei lagert sie einen bisher selbstständig geführten Bürgerdienst aus.

Einzigartig am See

Jonas Erni (SP), Sicherheitsvorstand im Stadtrat von Wädenswil, ist enttäuscht über den Austritt von Männedorf. «Wir nehmen das mit Bedauern zur Kenntnis, auch weil jetzt Mehrkosten für die verbleibenden Gemeinden entstehen.» Das Jahresbudget des SRD beträgt rund 175000 Franken, das sich die Partner nach Einwohnergrösse teilen. Richterswil und Stäfa zahlen bisher je rund 40000 Franken, Wädenswil rund 65000. Auf die drei kommen ab 2021 pro Jahr je circa 10000 Franken dazu.

Erni respektiere den Entscheid, bedauert das Ende der Partnerschaft mit Männedorf aber auch aus einem anderen Grund. Die Gemeinden würden sich gemeinsame Aufgaben in Zweckverbänden und anderen Kooperationsformen ausschliesslich am eigenen Seeufer teilen. «Der Seerettungsdienst ist die einzige Zusammenarbeit und Gelegenheit zum Austauschüber den See hinweg.» Das sei in Zeiten, in denen die Gemeinden ähnliche Probleme, Sorgen und Anliegen teilten, ein Verlust, sagt Erni. «Ein Punkt der Vernetzung geht verloren.»

Erstellt: 27.11.2019, 19:20 Uhr

Die Feuerwehr auf dem Wasser

Für Notfälle teilen sich neun Seerettungsdienste den Zürichsee und Obersee auf. Bei Grossereignissen helfen sie einander aus.


Die kantonale Seepolizei ist nicht allein. Für Einsätze stehen ihr die Seerettungsdienste (SRD) rund um den Zürichsee und Obersee zur Seite. Die circa 200 freiwilligen Angehörigen dieser Organisationen retten Menschen und Tiere, rücken bei Unfällen aus, löschen brennende Schiffe, schleppen havarierte oder in Seenot geratene Boote ab und tauchen nach versunkenen Gegenständen. Auch das Auslegen von Ölsperren zur Eindämmung von umweltschädlichen Ereignissen gehört zum Pflichtenheft. Meist übernehmen die Seeretter auch den Bojenunterhaltsdienst für Gemeinden und Hafengenossenschaften.

Jede Gemeinde mit Seeanstoss ist verpflichtet, einen SRD zu unterhalten oder sich an einem solchen zu beteiligen. Am Zürichsee gibt es nur einen SRD ohne Zusammenschluss: Zollikon, dessen Rettungsorganisation zu Wasser 1917 gegründet wurde. Alle übrigen erfüllen die Vorgabe, indem eine Standortgemeinde für andere einen SRD beherbergt: Kilchberg (mit Rüschlikon), Horgen (Thalwil, Oberrieden, Herrliberg), Küsnacht (Erlenbach), Meilen-Uetikon, Wädenswil (Richterswil, Stäfa, Männedorf), Rapperswil-Jona (Hombrechtikon/Feldbach), Freienbach (Wollerau, Altendorf, Lachen) und Oberer Zürichsee Schmerikon (Tuggen, Wangen, Jona). Aus Gründen des schnellen Ausrückens wohnen die Mitglieder der SRD in der Regel in der Standortgemeinde. Sie sind zwischen 18 und 50 Jahre alt, üben durchschnittlich zehnmal pro Jahr, die Tauchgruppen absolvieren zusätzliche Trainings. Im Sommerhalbjahr versehen die SRD an den Wochenenden Pikettdienste in den Bootshäusern.

Letztmals 1963

Die neun Rettungsorganisationen teilen sich den Zürichsee sektorartig auf. Wie bei der Feuerwehr wird zuerst der zuständige SRD alarmiert. Bei Sturmwarnung überwacht der SRD seinen Seebereich. Häufig arbeiten die Seeretter revierüberschreitend zusammen. Vor allem bei Unwettern ist Kooperation notwendig, um konzertiert gekenterten Seglern und Freizeitkapitänen zu Hilfe zu eilen. Bei Grossveranstaltungen wie Seeüberquerungen, Segelregatten, Seenachtfest, Züri-Fäscht und Street Parade werden die SRD für Sicherheitsdienste aufgeboten. Pro Jahr leisten sie je zwischen 70 und 100 Einsätze. Eine polizeiliche Gewalt üben SRD allerdings nie aus.

Die Seeretter haben noch einen Auftrag, der allerdings nur selten und in grossem Ausmass zuletzt 1963 erfüllt werden musste: Aufsicht und Hilfeleistung auf dem gefrorenen Zürichsee.

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