Männedorf

Männedorf soll Badi nicht mehr vermieten

Die Gemeinde Männedorf schliesst die Badi mitten im Sommer wegen einer Electroparty – das ist vielen Badegästen sauer aufgestossen. Der Männedörfler Ernst Huber will nun mit einer Petition erreichen, dass das Strandbad künftig nicht mehr vermietet wird.

Gegen die Vermietung des Stranbads Sonnenfeld, wie es kürzlich für eine Party mit elektronischer Musik geschah, regt sich Widerstand.

Gegen die Vermietung des Stranbads Sonnenfeld, wie es kürzlich für eine Party mit elektronischer Musik geschah, regt sich Widerstand. Bild: Patrick Gutenberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ernst Huber sitzt entspannt im Restaurant des Strandbads Sonnenfeld, eben ist ein kühlendes Gewitter über Männedorf niedergegangen. Ein kleiner Sturm hat sich in den vergangenen Tagen auch um die Badi selber zusammengebraut – als bekannt wurde, dass die Gemeinde die Anlage einen ganzen Tag lang an einen kommerziellen Partyveranstalter vermietet hat: In die Badi durfte deshalb nur, wer ein Ticket für 29 bis 79 Franken für die Electroparty kaufte oder eine Saisonkarte besitzt.

Ernst Huber setzt sich mit einer Petition dafür ein, dass die Badi künftig nicht mehr vermietet wird. Foto: Michel Wenzler

Unzufriedene Stammgäste

«Das finde ich nicht richtig», sagt Ernst Huber, der Stammgast ist. Da er ein Saisonabo hat, wäre er zwar eintrittsberechtigt gewesen. Doch darum geht es ihm nicht. Auch gegen den Anlass selber hat er nichts. «Mich stört nicht die Party, sondern das Aussperren der Badegäste», sagt der 78-Jährige, der seit über 40 Jahren in Männedorf wohnt.

Dass der Entscheid der Gemeinde nicht noch grössere Wellen geworfen hat, schreibt der Männedörfler dem schlechten Wetter zu, das am besagten Samstag, dem 28. Juli, herrschte. «Viele Badegäste merkten deshalb die Sperrung gar nicht.» Hätte der Anlass stattdessen am vorgesehenen Ausweichdatum eine Woche später stattgefunden, wäre dies anders gewesen: An dem Tag war es heiss und schön. Die Badi Sonnenfeld verzeichnete rund 2000 Eintritte – Stammgast Huber hat bei den Badibetreibern nachgefragt. «Ich weiss nicht, wie man bei dieser Hitze so viele Leute abgewiesen hätte», sagt er.

Hinzu komme: Weder die Badi noch die Gemeinde hätten über die Schliessung der Badi richtig informiert. Viele Besucher wären deshalb vor der Kasse völlig überrascht gewesen, wenn ihnen als Badegäste der Zutritt verwehrt worden wäre.

«Mich stört nicht die Party, sondern das Aussperren der Badegäste.»
Ernst Huber, Petitionär

All dies hat Huber zum Handeln bewogen. An zwei Nachmittagen hat er in der Badi Unterschriften für seine Petition gesammelt. Die Forderung: Der Gemeinderat soll künftig auf die Fremdvermietung des Sonnefelds verzichten. «Das Strandbad muss speziell in der Sommerzeit ausnahmslos den Badegästen zur Verfügung stehen», heisst es in der Petition.

63 Personen haben sie unterzeichnet – wobei Huber bewusst nur Personen angesprochen hat, die er als Stammgast der Badi bereits kannte. Diese hatten auch mitbekommen, wie sich die Badi am Tag nach der Party präsentierte: Zigarettenstummel, zersplitterte Plastikbecher und Nägel lagen im Rasen. Manche Gäste erlitten sogar leichte Schnittverletzungen.

Ernst Huber räumt aber ein: «Ich hatte einen grösseren Abfallberg erwartet – zum Glück war es nicht ganz so schlimm.» Die Angestellten der Badi hätten gute Aufräumarbeit geleistet. Trotzdem erwartet er vom Gemeinderat, dass sich solches künftig nicht mehr ereignet.

Vermietung ist unüblich

Der Gemeinderat wird sich die Petition anschauen, wie Gemeindepräsident André Thouvenin (FDP) auf Anfrage sagt. «Sie fliesst in die Beurteilung ein, die wir ohnehin vornehmen werden.» Gut möglich, dass diese zugunsten der Männedörfler Badegäste und gegen Partyanlässe ausfallen wird. Denn dass eine Badi an Dritte vermietet wird, war lediglich ein Versuch, mit dem man Erfahrungen sammeln wollte.

Männedorf hat damit Neuland beschritten: So hatte eine Umfrage der ZSZ im Vorfeld der Party im Sonnenfeld gezeigt, dass es die übrigen Gemeinden in der Region es zumindest unüblich finden, die Badi an Dritte zu vermieten – viele schliessen dies sogar kategorisch aus. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.08.2018, 14:46 Uhr

Artikel zum Thema

Männedorf vermietet Strandbad für Electro-Party

Männedorf Statt Familien werden am Samstag im Männedörfler Strandbad hunderte Feierwütige erwartet. Nicht jeder ist allerdings glücklich über die geplante Party mit House-Musik. Mehr...

Gemischte Reaktionen auf die Technoparty in der Badi

Männedorf Trotz Regenschauern feierten die Raver am Samstag an der Technoparty «Barfuss am See». Der Anlass im Männedörfler Strandbad wurde aber nicht von allen goutiert: Neben der Geräuschkulisse sorgten Scherben im Rasen für Ärger. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben