Gesundheit

Männedörfler Spitaldeal bringt Konkurrenz unter Zugzwang

Das Spital Männedorf kooperiert mit dem Universitätsspital. Damit ist der Kampf um einen Platz auf der Zürcher Spitalliste lanciert. Wie reagieren die anderen Spitäler am Zürichsee?

Wer darf operieren? Der Kampf um die begehrten Leistungsaufträge ist gross.

Wer darf operieren? Der Kampf um die begehrten Leistungsaufträge ist gross. Bild: Symbolbild/Adrian Moser

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David und Goliath wollen zusammenspannen. Die am Dienstag angekündigte Kooperation des Spitals Männedorf und des Universitätsspitals Zürich (USZ) geht über das bekannte Mass von Spitalkooperationen hinaus (diese Zeitung berichtete). Der Spitalgigant aus Zürich will am Landspital eine Minderheitsbeteiligung von 20 Prozent übernehmen und das chirurgische Angebot gemeinsam abstimmen. Im Kampf um einen Platz auf der Spitalliste 2022 des Kantons Zürich hat sich Männedorf in einen sicheren Hafen gerettet.

Das wirft aber Fragen auf: Was bedeutet das für die anderen Spitäler rund um den See? Von ausgebootet oder einer verpassten Chance will man am See-Spital in Kilchberg und Horgen nicht sprechen. «Die Kooperation ist aus unserer Sicht ein weiterer Schritt in der Konsolidierung der Spitalbranche», sagt Christian Bretscher, Sprecher des Stiftungsrates des See-Spitals. Es werde wohl noch weitere solche Projekte geben. Den Deal zwischen dem Spital Männedorf und dem USZ will man beim See-Spital weder «positiv noch negativ beurteilen».

Dass das Spital Männedorf in Verhandlungen mit möglichen Partnern sei, habe man bereits früher erfahren, heisst es beim See-Spital. Die prominente Partnerwahl an sich ist aber auch für das See-Spital eine Überraschung. Direkte Folgen habe die Kooperation der beiden Spitäler aber nicht, meint Bretscher. Die finanzielle Beteiligung des USZ an einem Regionalspital wolle man nicht werten.

Ihnen ist ein Coup gelungen (von links): Gregor Zünd (USZ), Beatrix-Frey-Eigenmann (Spital Männedorf), Martin Waser (USZ) und Stefan Metzker (Spital Männedorf). Foto: Sabine Rock

Kräfte bereits gebündelt

Bretscher beurteilt die Situation am linken Zürichsee-Ufer ohnehin anders. «Hier haben wir diese Phase der Bündelung der Kräfte schon hinter uns gebracht», sagt Bretscher. Er verweist damit auf die 2011 vollzogene Fusion der Spitäler Horgen und Kilchberg, aber auch auf die Ende der 1990er-Jahre erfolgte Fusion der Spitalstandorte Horgen und Wädenswil. Das Spital Wädenswil wurde 2005 geschlossen.

Während Männedorf und das USZ finanziell kooperieren, im Oberland die Spitäler Uster und Wetzikon fusionieren, droht dem Spital Affoltern die Schliessung, wenn sich die Stimmbürger im Säuliamt am kommenden Sonntag dafür aussprechen.

Eigener Weg im Fokus

Das See-Spital will einen anderen Weg gehen. «Wir fokussieren uns im Austausch mit anderen Spitälern auf eine Zusammenarbeit im medizinischen Bereich», sagt Bretscher. Mit dem USZ mache man das etwa im Bereich der Radiologie oder der Schlaganfallversorgung. Eine weitergehende Kooperation mit anderen Spitälern sei derzeit kein Thema für das See-Spital: «Wir sind weder selber auf Brautschau, noch bieten wir uns jemandem an.» Man wolle aus eigener Kraft so gut aufgestellt sein, dass man auf der kantonalen Spitalliste verbleiben könne.

«Wir fokussieren uns im Austausch mit anderen Spitälern auf eine Zusammenarbeit im medizinischen Bereich.»Christian Bretscher, Sprecher des Stiftungsrates des See-Spitals

Und genau deshalb befürchtet man bei See-Spital keine neue Konkurrenz durch die Kooperation von Männedorf und dem USZ: «Eine schwammige Angebotsplanung erlaubt der Kanton Zürich nicht», sagt Bretscher. «Jedes Spital muss das Angebot und etwa die Operateure sehr genau definieren».

Kein zweiter USZ-Deal

Das Spital Zollikerberg kann die Kooperation aus zeitlichen Gründen nicht kommentieren. Zumindest ist eine vertiefte Zusammenarbeit – sofern überhaupt gewünscht – mit dem USZ vom Tisch. Im Kooperationsvertrag gibt es kein «Rayonverbot», wonach das USZ keine weiteren Partnerschaften im näheren Umkreis des Spitals Männedorf eingehen dürfe. Grundsätzlich heisst es aber, dass man die gegenseitigen Interessen unter Berücksichtigung des Patientenwunsches wahren wolle, was mit einer analogen Partnerschaft des USZ mit dem Spital Zollikerberg schwierig wäre, meint die Männedörfler Spital-VR-Präsidentin Beatrix Frey Eigenmann.

Auch das Richterswiler Paracelsus Spital konnte sich aus terminlichen Gründen nicht äussern. Erst Ende April hatten die Richterswiler bekannt gegeben, strategisch auf den Bereich der «integrativen Medizin» zu fokussieren. Gut möglich, dass auch diese Massnahme eine strategischer Entscheid im Kampf um die zukünftigen Zürcher Spitallisten war.

Erstellt: 15.05.2019, 18:00 Uhr

Wie viel ist ein Spital wert?

Wenn sich das Universitätsspital Zürich mit 20 Prozent an der Spital Männedorf AG beteiligen will, stellt sich die Frage: Wie viel ist das Spital eigentlich wert? Das hängt davon ab, was als Bewertungsmassstab genommen wird: Substanzwert oder Ertragswert oder eine Mischform davon. Als Substanzwert bezeichnet man den Buchwert des Eigenkapitals. Der wird im aktuellen Geschäftsbericht mit 74,5 Millionen Franken angegeben. Der Ertragswert variiert mit dem Verlauf des Geschäftsjahres. Im Vorjahr wies das Spital Männedorf einen Betriebsertrag von 129 Millionen Franken auf. Vor Steuern und Abschreibungen ergab das einen Gewinn von rund 10 Millionen Franken. Aber was das Aktienpaket wirklich wert ist, ist alleine Verhandlungssache zwischen dem USZ und den acht beteiligten Gemeinden im Bezirk Meilen. Diese besitzen zwischen 20,5 Prozent (Stäfa) und 7 Prozent (Erlenbach) Anteile am Spital Männedorf. Den Verkauf von Aktien müssen sie von ihren Stimmbürgern in einer Gemeindeversammlung absegnen lassen.

Ob die Gemeinden das Geld cash wollen oder per Kapitalerhöhung reinvestieren, ist ebenfalls Verhandlungssache. Bis ins Jahr 2021 haben sich die Gemeinderäte der Aktionärsgemeinden zu einem einvernehmlichen Vorgehen verpflichtet. (di)

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