Feuerwehr

An Werktagen fehlen die Feuerwehrleute

Der Schweizerische Feuerwehrverband feiert sein 150-Jahr-Jubiläum. Statt grosser Reden sollen Publikumsveranstaltungen im ganzen Land vom Wert der Feuerwehr überzeugen.

Ein Alarm an Werktagen fordert die Feuerwehren in der Region, weil dann viele Mitglieder als Pendler unerreichbar sind.

Ein Alarm an Werktagen fordert die Feuerwehren in der Region, weil dann viele Mitglieder als Pendler unerreichbar sind. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Es ist besser die Feuerwehr zu besuchen als umgekehrt. Dazu bietet sich am 30. und 31. August Gelegenheit, wenn schweizweit rund 700 Feuerwehren aus Anlass des 150-Jahr-Jubiläums des nationalen Verbands SFV ihre Depots öffnen. Ausser Horgen und Zumikon, wo erst jüngst Publikumsanlässe durchgeführt wurden, heissen alle Feuerwehren in den beiden Seebezirken die Bevölkerung willkommen.

Gezeigt werden Fahrzeuge und Einsatzmaterial, dazu gibt es Festwirtschaften und Attraktionen für die Kinder. Einige Feuewehren bieten Anschauungsunterricht in der Bekämpfung von Bränden an, andere lassen das Publikum selbst ran ans Löschen.

Jubiläum als Werbung

Runde Jahreszahlen sind eine Steilvorlage, um vor die breite Öffentlichkeit zu treten. Das ist bei den freiwilligen Feuerwehren sinnvoll, obwohl die Mannschaftsbestände, zumindest in der Region Zürichsee, den Sicherheitsauftrag gewährleisten. Karl Rusterholz, Präsident des Feuerwehrverbands Bezirk Horgen und Richterswiler Kommandant, präzisiert: «Die Personalbestände in den Feuerwehren des Bezirks Horgen entsprechen den kantonalen Vorgaben. Unterbestand, so dass die Leistungsvorgaben nicht erfüllt werden können, gibt es nicht.»

Dennoch sei es für jedes Kommando einer Ortsfeuerwehr eine Herausforderung, motivierte und engagierte Männer und Frauen zu rekrutieren, sagt Rusterholz. Daniel Brandenberger, Verbandspräsident im Bezirk Meilen und Kommandant in Hombrechtikon, meldet zwar mit 56 Angehörigen der Feuerwehr (AdF) einen ausreichenden Bestand, fügt aber sogleich hinzu: «Neue AdF immer stets willkommen». Auch das Corps Männedorf-Uetikon sieht auf Anfrage den «Sollbestand zurzeit erfüllt, wir können aber immer gute und fähige Frauen und Männer aufnehmen».

Ganz anders als früher

Der gesellschaftliche Zahn nagt wie überall im Milizsystem auch am Feuerwehrwesen, hier speziell an einem Punkt. Früher sorgte man sich über die Verfügbarkeit der Feuerwehrleute am Feierabend, am Wochenende und in den Ferien. Heute löst ein Alarm im Alltag die Frage aus: Sind genug Leute da?

Konkret: Die Berufspendler werden zusehends zum Problem. Wer in seiner Wohngemeinde den Feuerwehrdienst leistet aber auswärts arbeitet, kann an einem Werktag bei einem Brand, Unfall oder einem anderen Notfall kaum helfen. Das vermerkt die Stützpunktfeuerwehr Meilen in der Umfrage: «Die grösste Herausforderung in der Feuerwehr Meilen ist momentan nicht die Anzahl Mitglieder in der Feuerwehr, sondern die Anzahl verfügbarer Mitglieder, die tagsüber von Montag bis Freitag innert weniger Minuten verfügbar sind.»

Gleich tönt es aus Oetwil: «Das Problem sind einfach die AdF bei der Tagesverfügbarkeit, da viele ausserhalb der Gemeinde arbeiten.» Küsnacht bezeichnet ebenfalls den Mannschaftsbestand als «eigentlich gut». Auch in der Nacht sei man «gut abgedeckt». Gesucht werden aber noch Feuerwehrleute für die Tagesabdeckung – «AdF’s, die tagsüber in Küsnacht arbeiten und verfügbar sind.»

Tag der offenen Tore in den Bezirken Horgen und Meilen
Das bieten die Feuerwehren in der Region zum Verbandsjubiläum am Freitag und Samstag, 30./31. August am Tag der offenen Tore:
Adliswil (Freitag, 18-01 Uhr): Fahrzeugaustellung, Drehleiterrundfahrten, Depotführungen, Verkaufsstand mit Brandschutzartikeln, Eimerspritzenhaus für Kinder, Einsatzdemonstrationen um 20 und 21.45 Uhr; Grill- und Barbetrieb.
Kilchberg-Rüschlikon (Freitag, 19-22 Uhr und Samstag, 11-14 Uhr): Besichtigung von Depot, Fahrzeugen, Material und Wettbewerb «sich als Feuerwehrmann fühlen».
Langnau (Samstag, 10-02 Uhr): Demos und Vorführungen (Brände von Batterien, E-Bikes, Handys, Frittieröl, Christbaum etc.) im Depot, Fahrzeugschau, Festwirtschaft, Spiele für Kinder.
Richterswil (Freitag, 17-24 Uhr): Spiele für Kinder, Rundgang im Gebäude mit Informationstafeln über Jugendfeuerwehr, Kantonale Konzepte, Alarmierung und «warum braucht Richterswil ein neues Depot» sowie Festwirtschaft und Demo-Einsatzübungen.
Thalwil-Oberrieden (Freitag, 14 Uhr, bis Samstag, 14 Uhr): Führungen und Feuerwehr-Erlebnis im Depot (Verkaufsstand, Kino, Grill, Bar-/Kaffeebetrieb sowie viele Aussenaktivitäten in den beiden Gemeinden (unter anderem in der Sekundarschule Oberrieden und Kleineinsätze in den Dörfern).
Wädenswil (Samstag, 10-17 Uhr): Depot-Rundgang, Spiele, Festwirtschaft. (17-24 Uhr): Festwirtschaft und Bar.
Erlenbach (Freitag, 17-22 Uhr): Führung durchs Depot, sich einmal als Feuerwehrmann/-frau einkleiden lassen, Verkaufsstand mit Brandschutzartikeln, Spiele für Kinder, Wettbewerb.
Hombrechtikon (Samstag, 10-16 Uhr): Festwirtschaft, Wasserspiel für Kinder, Depotführung.
Küsnacht (Freitag, 18-23 Uhr): Postenarbeit, Kinderbetreuung, Livemusik, Einsatzszenarien.
Männedorf-Uetikon (Samstag, 10-16 Uhr): Besichtigung der Feuerwehr (in beiden Depots), Infos rund um die Feuerwehr, Einsatzdemonstration, Wasserspiele für Kinder, Gumpiburg.
Meilen-Herrliberg (Freitag, ab 15 Uhr): Fahrzeugschau, Rundgang und Parcour durch Depot, sich in komplette Feuerwehrausrüstung als Feuerwehrmann/frau fühlen, Brandherd mit Wärmebildkamera suchen, Chemikalien bestimmen, Feuerwehrhüpfburg, Festwirtschaft mit musikalischer Unterhaltung ab ca. 18 Uhr, Feuerwehrbar. Für die Bevölkerung von Herrliberg gibt es einen Shuttlebus ab Feuerwehrdepot Rennweg.
Oetwil (Samstag, 16 Uhr -«open end»): Zwei Vorführungen (Forst Unfall, Küchenbrand), der Rettungsdienst Männedorf und die Gemeindepolizei Männedorf-Oetwil am See sind mi ihren Einsatzfahrzeugen zu Gast. Posten mit Brandschutzmaterial für Zuhause. Die IG-Jeep sorgt für das leibliche Wohl.
Stäfa (Samstag, 16-20 Uhr): Fahrzeugpräsentation, Kinderprogramm, Löschparcours für Erwachsene, Verpflegung.
Zollikon (Samstag, 13-17 Uhr): Feuerwehrspiele, Rundfahrten mit Oldtimern, Festbetrieb, Präsentationen, Wettbewerb. (di)

Erstellt: 27.08.2019, 16:19 Uhr

«Jede Verkehrsberuhigung bremst auch die Feuerwehr»: Christian Meier, Präsident des Kantonalen Zürcher Feuerwehrverbands. (Bild: pd)

«Es gibt keine günstigere Rettungsorganisation»

Christian Meier, Sie sind Präsident des Kantonalen Zürcher Feuerwehrbands: Wie viele neue Feuerwehrleute braucht es jedes Jahr, um die Bestandslücken zu schliessen?
Im Kanton Zürich gibt es heute zwei Berufsfeuerwehren, 93 Ortsfeuerwehren – davon 15 regionale Stützpunkte – und 15 Betriebsfeuerwehren mit insgesamt circa 7200 Mitgliedern. Wie viele davon jedes Jahr ersetzt werden müssen, ist schwierig zu beantworten. Je nach Jahr sind es rund zehn bis zwanzig Prozent.

In vielen Feuerwehren ist heute die Verfügbarkeit der Mannschaft an Werktagen ein Problem. Gibt es dafür eine Lösung?
Zur Lösung dieses Problems gibt es zwei Modelle. Feuerwehrleute, die beruflich pendeln, machen in zwei Feuerwehren mit, und zwar an ihrem Wohnort wie auch an ihrem Arbeitsort. Oder die Ortsfeuerwehren einigen sich, indem an Werktagen zum Beispiel zwischen 7 und 19 Uhr bei jedem dringlichen Alarm immer auch die Tagesgruppe der Nachbarfeuerwehr alarmiert wird.

Welches Modell ist besser?
Eher anwendbar ist das zweite Modell. Denn in zwei Feuerwehren aktiv mitzumachen, hängt alleine vom Interesse des Einzelnen ab. Er oder sie muss dafür mehr Zeit aufwenden, weil man doch mindestens an fünf oder mehr Übungen in der anderen Feuerwehr teilnehmen muss, damit man sich kennen lernt, Kameradschaft aufbaut und einander blind vertraut. Dieses Modell wird noch nicht oft genug praktiziert, als dass es das Problem der Verfügbarkeit zur Arbeitszeit behebt.

Hat das Modell mit der Alarmierung der Nachbarfeuerwehr auch Nachteile?

Wenn sich zwei Feuerwehren auf die gegenseitige Hilfe einigen, funktioniert dieses System dank automatischer Alarmierung klaglos. Der Nachteil ist, dass somit die erreichbaren Feuerwehrleute stärker belastet werden, weil sie viel öfter ausrücken müssen.

Welches sind die grössten Herausforderungen an die Ortsfeuerwehren in den nächsten zehn bis 20 Jahren?
Wir müssen den Nachwuchs im Auge behalten und noch aktiver auf die Jungen zugehen. Dies auch, weil eine gewisse Überalterung im Feuerwehrwesen feststellbar ist. Dann ist die Tendenz zur Verlangsamung des Strassenverkehrs eine wachsende Herausforderung an die Feuerwehren. Jede Verkehrsberuhigung, Strassenverengung und Spurreduzierung bremst auch die Feuerwehr, vor allem mit den grösseren Fahrzeugen.

Zeichnen sich finanzielle Sorgen ab?
Nein, weil im Kanton Zürich das Feuerwehrwesen zum Teil über die Gebäudeversicherung subventioniert wird. Ich glaube nicht, dass die Finanzierung infrage gestellt wird, wenn von der Bevölkerung eine Organisation gewünscht wird, die 365 Tage im Jahr rund um die Uhr für alle Fälle bereit stehen muss. Dann sind die paar Franken für die Gebäudeversicherung und die Gemeinden vernachlässigbar. Es gibt keine günstigere Rettungsorganisation als die Feuerwehr. Aber das ist sie nur dank des Milizsystems.

Christian Dietz-Saluz (Interview)

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