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«Landsgemeinde» feiert Premiere in Meilen

Eine so stimmungsvolle Gemeindeversammlung hat der Bezirk wohl noch nie erlebt: In Meilen fand der Anlass am Montag erstmals unter freiem Himmel statt. In den entscheidenden Momenten blieb es sogar trocken.

Kino? Nein, Gemeindeversammlung! Der markante Anbau am Meilemer Gemeindehaus bot dafür die passende Kulisse.
Kino? Nein, Gemeindeversammlung! Der markante Anbau am Meilemer Gemeindehaus bot dafür die passende Kulisse.
Michael Trost

Fast herrschte Open-Air-Stimmung am Montagabend auf dem Meilemer Dorfplatz – ausser dass es dafür ein paar Grad zu kühl war. Die obligaten bunten Pelerinen, wie man sie von sommerlichen Freiluftkinos und -konzerten kennt, hatten die Stimmberechtigten aber mitgebracht. Und sie sollten sie noch brauchen, wie sich im Lauf des Abends zeigte.

Trotz zweifelhafter Wetterprognose hatte es der Gemeinderat Meilen gewagt, an seinem Plan für eine Freiluft-Gemeindeversammlung festzuhalten. Von den 229 Anwesenden erntete er dafür Applaus. Tatsächlich hatte der Anlass in dieser neuen Form einen besonderen Reiz. Von der nahen Midor-Fabrik wehte Guetsliduft auf den Platz. Und fast wirkte es, als wäre die markante Fassade des Gemeindehausanbaus just dafür gemacht, als Leinwand benutzt zu werden.

Politischer, nicht materieller Schaden

Der Ort des demokratischen Geschehens, der 2015 fertiggestellte Meilemer Dorfplatz, war nicht zufällig gewählt: Im Zentrum der Gemeindeversammlung stand die Bauabrechnung des Projekts Mezzetino. Dieses fasst Um- und Neubau des Gemeindehauses, Dorfplatz mit Cafébar und Parkhaus zusammen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Bauabrechnungen war diese hier aber nicht bloss eine Pflichtübung. Denn Mezzetino, benannt nach dem leichtfüssigen Harlekin aus der Commedia dell’Arte, belastete den Meilemer Gemeindehaushalt mit netto fast 37 Millionen Franken – 7 Prozent mehr, als der Kredit vorsah. Betrachtet man die Bruttobau­kosten, beträgt die Kreditüberschreitung sogar 3,75 Millionen Franken oder fast 11 Prozent.

«Unschön» nannte dies Gemeindepräsident Christoph Hiller (FDP) und konstatierte einen «politischen Schaden». Materiell sei der Gemeinde mit dem Bauwerk indes kein Schaden entstanden: «Wir haben genau das erhalten, was wir bestellt hatten.» Jedoch habe sich im Nachhinein herausgestellt, dass der Kredit zu tief berechnet war.

Dem Generalplaner das Honorar gekürzt

Hiller erläuterte im Detail, wie die Mehrkosten zustande kamen. So bestellte die Bauherrschaft – also der Gemeinderat – nachträglich zusätzliche Elemente wie etwa das als «goldener Raum» bekannt gewordene Entree des Gemeindehauses. Den Löwenanteil machte mit 1,6 Millionen Franken aber aus, dass die Massangaben in den ursprünglichen Unterlagen teils falsch waren und entsprechend mehr gebaut werden musste. Das Bestreben des Gemeinderats, den Generalplaner zur Rechenschaft zu ziehen, endete mit einer Kürzung von dessen Honorar um knapp 900 000 Franken oder rund 20 Prozent.

Dafür zollte ein Votant der Behörde Respekt; man hörte aber – nun bereits unter den mitgebrachten Schirmen hervor – auch Kritik am ganzen Projekt und die Aufforderung, künftig die Kostenkontrolle besser im Griff zu haben. Rechtzeitig zur Abstimmung war der kurze Regenschauer wieder vorbei. Mit wenigen Gegenstimmen – und entgegen einem Antrag der SVP – segneten die Meilemer die Schlussabrechnung ab. Damit nimmt Mezzetino definitiv seinen Platz in der Ortsgeschichte ein. Die übrigen Geschäfte der ersten Meilemer «Landsgemeinde» wurden gemäss den behördlichen Anträgen genehmigt.

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